Projekt Riese

Das Projekt Riese ist eines der größten Geheimnisse des Zweiten Weltkriegs. Achtzig Kilometer südwestlich von Breslau liegt das schlesische Sowie- oder Eulengebirge, ein kompaktes Massiv aus steilem, größtenteils unzugänglichem Gelände, das von Fichtenwäldern entlang der tschechischen Grenze bewachsen ist.

Hier, im Jahr 1943, als sich das Kriegsgeschehen zuungunsten des dritten Reichs zu wenden begann, befahl Hitler die Errichtung eines massiven, streng geheimen unterirdischen Komplexes, der als Projekt Riese bekannt ist. Die Ausführung wurde Albert Speer, Hitlers Chefarchitekt und Ingenieur, übertragen. Speer verlegte seine Operationsbasis in die Burg Książ, wo zwei Kilometer Tunnel in das Grundgestein unter der Burg gehauen wurden und im Rahmen des Riese-Projekts ein 50-Meter-Aufzugsschacht gegraben wurde. Im Juli 1944 wurden 7.000 bis 30.000 Kriegsgefangene nach Niederschlesien verlegt, um den Bau von Riese zu beschleunigen. Ungünstige Veränderungen an der Ostfront ereigneten sich jedoch viel schneller als von Hitler erwartet, und im Januar 1945 war die Rote Armee auf dem Weg nach Berlin durch Osteuropa. Unter Umgehung des Eulengebirges konnte eine SS-Einheit bis Mai 1945 in Walim-Rzeczka bleiben. Zuvor hatten sie alle Eingänge in die unterirdische Festung zugemauert oder zur Explosion gebracht. Bisher wurden 90.000 Kubikmeter ausgehobene Betontunnel, die in das Eulengebirge gehauen sind, festgestellt.

Bekannte Stollenanlagen:

  1. Zamek Książ (ehemals Schloss Fürstenstein)
  2. Rzeczka (ehemals Dorfbach)
  3. Włodarz (ehemals Wolfsberg)
  4. Ludwikowice Kłodzkie (ehemals Mölke)
  5. Osówka (ehemals Säuferhöhen)
  6. Sokolec (ehemals Falkenberg)
  7. Jugowice (ehemals Hausdorf)
  8. Soboń (ehemals Ramenberg)
  9. Głuszyca (ehemals Wüstegiersdorf)

Stollen 1 bis 5 sind teils touristisch erschlossen und für die Öffentlichkeit zugänglich. Sieben Hauptzugangspunkte zu den Tunnelsystemen befinden sich in Walim-Rzeczka, Jugowice, Włodarz, Soboń, Sokolec, Osówka und Książ Castle. Bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist Speers Berechnung der Anlage. Sie beinhaltet 213.000 Kubikmetern Riese-Tunnel; Heute sind weniger als 100.000 bekannt, was darauf hindeutet, dass ein nicht unerheblicher Teil des Komplexes noch unentdeckt geblieben ist. Überlebensberichte, die unlogische Anordnung der gefundenen Tunnel und die Tatsache, dass die Anlage noch nicht vollständig erkundet werden konnte, unterstützen diese Theorie. Es wird spekuliert, dass beschlagnahmte Nazi-Schätze noch heute im Eulengebirge begraben sein könnten, darunter fehlende Gold- und Kulturschätze aus Breslau und sogar das berühmte Bernsteinzimmer, das während des Krieges aus Sankt Petersburg verschwand. Die Massengräber der Gefangenen, die den Komplex gebaut haben, wurden auch nie gefunden. 

Trennlinie

Das Schloss Fürstenberg (Zamek Książ) liegt einige Kilometer nördlich von Waldenburg. Es existierte damals eine Bahnverbindung mit Nieder-Salzbrunn.

Schloss Fürstenstein;

 Unter dem Schloss wurden zwei große Stollensysteme in zwei verschiedenen Ebenen, 15 und 50 Meter unterhalb des Schlosshofes, gebaut. Vom Schlosshof grub man einen gewaltigen Fahrstuhlschacht mit einem Durchmesser von 6 Metern bis in 50 Meter Tiefe. (1) 88 m, (2) 42 m, (3) 85 m und (4) 70 m sind Tunnel, die zur zweiten Ebene der U-Bahn führen, 53 m unter dem Innenhof. (5) ist ein provisorischer, kurzer Tunnel von den Gärten, um die Ausgrabung des Aufzugsschachts zu unterstützen. (6) ist ein Eingang von den Gärten, der zur ersten Ebene der U-Bahn 15 m unterhalb der Burg führt, Länge 80 m. (7) ist ein Aufzugsschacht, der von der ersten Ebene der U-Bahn in den vierten Stock des Schlosses führt. (8) ist eine Treppe, die die erste Ebene der U-Bahn mit dem Keller des Schlosses verbindet. (9) ist ein Aufzugsschacht, der 15 m unter dem Innenhof versteckt ist und die erste und die zweite Ebene der U-Bahn mit einer Länge von 35 m verbindet.

 

Der Komplex Dorfbach (Rzeczka) besteht aus 3 Gängen, welche miteinander verbunden sind. Zwischen den Gängen 1 und 2 findet sich ein wassergefüllter Schacht, der nach unten führt. Es wurde erfolglos versucht, den Schacht leer zu pumpen. Was sich dort befindet, ist bis heute unklar. Die Anlage Wolfsberg (Włodarz) ist zum Teil touristisch erschlossen und kann besichtigt werden. Wolfsberg ist der größte bisher bekannte Komplex. Nach Aussage einiger Zeitzeugen, befinden sich unter dem Niveau der heutigen Stollen weitere Anlagenteile. Das konnte bis heute aber nicht verifiziert werden. Eine Lorenbahn verband diese Anlage mit dem Dorf Erlenbusch, die Bahn wurde nach dem Krieg zerstört und abgebaut. Die Anlage Säuferhöhen (Osówka)  ist touristisch erschlossen und kann teilweise besichtigt werden.  Die Anlage besteht aus 3 Stollen. Die Säuferhöhen sind das am meisten ausgebaute System aller Komplexe.  Der unterirdische Teil des Objektes ist unzugänglich. Im Stollen 2 ungefähr 20 m hinter den Eingangsverteidigungen, welche sich ca. 45 m entfernt vom Eingang befinden liegen Wachräume. Im Bereich der Wachräume befindet sich eine Sperre, verursacht durch den Einsturz der Decke des Ganges.  Es soll einen Zeitzeugen geben, der behauptet, er habe an diesem heute verschütteten Bereich Betontreppen gesehen, sei hinuntergegangen und sei zu weiteren Riesenhallen gelangt. Rechtsseitig der Treppen habe es weitere verschlossene Stahltüren gegeben. Ein Schienensystem für Loren verband die Stollen mit dem Bahnhof in Oberwüstegiersdorf.

Komplex Falkenberg/ Sokolec;Die Anlage Falkenberg (Sokolec) liegt auf dem Bergrücken des Schindelberges ( 717 Meter) zwischen den Ortschaften Falkenberg und Ludwigsdorf. Sie  liegt von den anderen noch bekannten 5 Anlagen des RIESE-Komplexes  aus unbekannten Gründen am weitesten entfernt. Die Entfernung bis zur Anlage Dorfbach beträgt z. B. ca. 5 Kilometer, die Anlage Wolfsberg ist 6,7 Kilometer entfernt und bis zur Anlage Oberdorf sind es sogar 7,5 Kilometer. Die Anlage besteht aus 2 Stollen auf unterschiedlichen Ebenen. Die Stollen sind bis zu 5 m hoch. Die Anlage ist touristisch nicht erschlossen.

 

Komplex Oberdorf/ Jugowice;

Die Anlage Oberdorf ((Jugowice)  besteht aus 7 Stollen die seit 1945 sperrgesprengt sind. Die Anlage zählt sicherlich zu einem der am wenigsten bekannten Stollensysteme des Gesamtkomplexes. Sie befindet sich im Bergzug Mittelberg hinter der Ortschaft Hausdorf-Jauernig und hatte sieben Zugänge, vier Stollengänge wurden wahrscheinlich in den letzten Kriegstagen gesprengt und sind heute unzugänglich. Zwei der längsten Stollen (vermutlich Stollen 6 und 7) sollen aber noch 1954 begehbar gewesen sein. Ihre Länge wurde damals jedenfalls noch mit 85 und 185 Metern angegeben. Die gesamte Anlage hat eine geschätzte Tunnellänge von 500 Meter und eine Fläche von 1800 Quadratmeter. Die Haupt- und Nebenstollen haben etwa 2 x 2m in Höhe und Breite, jedenfalls zu klein für Eisenbahnwaggons. Es sollen sich aber angeblich noch weitere unentdeckte Stollen in diesem Höhenzug befinden. Oberirdisch befinden sich Fundamente von Gebäuden, Maschinen, einer Pumpstation und einem Wasserreservoir. Eine Schmalspurbahn verband die Tunnel mit dem Gleisanschluss im Dorf Erlenbusch. Tunnel Nummer 6 ist 37 m vom Eingang entfernt eingestürzt und wurde noch nicht erkundet. Er wurde durch zwei Stahltüren im Abstand von 7 m geschlossen.  Der Rest der Tunnel befindet sich in der Anfangsphase des Baus: 1. (10 m), 3. (15 m), 5. (3 m), 7. (24,5 m).

Komplex Ramenberg/ Soboń;

Der Komplex Ramenberg (Soboń) besteht aus 3 Stollen.  Der Eingang zu Stollen Nr. 3.  befindet sich  ein paar 100 m nördlich der Ortsgrenze  des Dorfes Kaltwasser. Der Anfangsteil dieses Stollens befindet sich recht flach unter der Oberfläche des Hanges. Auf einer Länge von knappen 100 m ab dem Eingang ist dieser Gang eingestürzt. Es ist bisher nicht gelungen, den Einsturz zu überwinden. Man hat aber festgestellt, dass  Schmalspurgleise und elektrische Leitungen hineinführen. Die Anlage ist touristisch nicht erschlossen.