Naturwissenschaft oder Glaube
Wie steht es tatsächlich um das Verhältnis von Glaube und Vernunft, von Religion und Wissenschaft?
Gibt es einen Widerspruch zwischen Naturwissenschaft und Glaube ? Eine komplexe Frage, die von verschiedenen Standpunkten aus betrachtet werden kann. Glaube und Wissenschaft sind zwei verschiedene Wege, die Welt zu verstehen. Wissenschaft basiert auf Beobachtung und den Schlussfolgerungen aus diesen Beobachtungen. Glaube geht davon aus, dass Menschen tiefere Informationen erlangen können, die weder durch Beobachtung noch durch Schlussfolgerungen zugänglich sind. Wissenschaft basiert auf rationalen Erkenntnissen und empirischen Beweisen, während Glaube auf persönlichen Überzeugungen und spirituellen Erfahrungen beruht. Wissenschaft und Glaube können sich dennoch ergänzen indem sie unterschiedliche, aber wichtige Fragen nach der Realität beantworten. Auch Wissenschaftler können gläubig sein. So war etwa der britische Physiker, Mathematiker, Astronom und Philosoph Isaac Newton ein gläubiger Christ. Für ihn war die Erforschung der Natur untrennbar mit Frömmigkeit verbunden; das Universum zeige die Herrschaft eines intelligenten Schöpfers. Doch sowohl Wissenschaft als auch Glaube haben ihre Grenzen. Glaube kann nicht experimentell bewiesen oder widerlegt werden. Wissenschaft wiederum kann nicht die Frage nach dem Sinn des Lebens oder dem „Warum“ der Existenz beantworten. Es bleibt die Erkenntnis das Wissenschaft und Glaube sich nicht zwingend widersprechen müssen, sondern das sie unterschiedliche Bereiche abdecken. Die Wissenschaft erklärt das „Wie“ (Funktionsweise der Natur durch Beobachtung, Experimente und Gesetze), während Glaube und Religion das „Warum“ (Sinn, Zweck, transzendente Fragen) beantwortet.
Kaum ein anderer biblischer Autor hat so sehr vernünftig für den Glauben argumentiert wie der Apostel Paulus. Er schrieb der Gemeinde von Kolossai folgende Warnung ins Stammbuch: „Gebt Acht, dass euch niemand mit seiner Philosophie und falschen Lehre verführt, die sich nur auf menschliche Überlieferung stützen und sich auf die Elementarmächte der Welt, nicht auf Christus berufen“ (Kolosser 2,8).
Es gibt kein Wissen ohne Glauben; der Glaube ist Vermittler aller Wissenschaft; alle Wissenschaft fängt mit Glauben an und hört damit auf. Naturwissenschaft und Glaube können zwar nebeneinander bestehen, doch lassen sie sich grundsätzlich nicht miteinander vereinbaren, da sie ihr Wissen auf unterschiedliche Weise aus der Welt beziehen.
- Die Wissenschaft konzentriert sich auf das Beobachten, Erklären und Vorhersagen von natürlichen Phänomenen mithilfe von Experimenten und logischen Schlussfolgerungen.
- Der Glaube bezieht sich auf Überzeugungen, die nicht unbedingt durch wissenschaftliche Beweise belegt werden können, sondern auf persönlichen Erfahrungen, Traditionen oder Offenbarungen basieren.
Was ist ein Beweis? Beweis wird definiert als ein Beleg, der „den Verstand dazu zwingt, eine Wahrheit oder Tatsache zu akzeptieren. Beweis in diesem Sinn bedeutet zweifelsfreien Nachweis von etwas. Die Wissenschaft nutzt den Beweis“ als Maßstab, um Wahrheit von Lüge zu unterscheiden. Wenn es keinen wissenschaftlichen Beweis für etwas gibt, existiert es nicht oder ist nur eine subjektive Meinung. Wissenschaftliche Theorien können aber nicht endgültig bewiesen oder bestätigt werden können, da später andere Theorien und Beobachtungen auftauchen können, die ein Phänomen besser erklären. Um unsichere Schlussfolgerungen möglichst zu vermeiden, erkennen die meisten führenden Wissenschaftler heute an, dass wissenschaftliche Erklärungen immer vorläufig sind und in der Zukunft modifiziert oder ersetzt werden können. Wissenschaftliche Theorien unterliegen ständigen Veränderungen. Charles Darwin (1809–1882) war sich dessen bewußt. Er zögerte viele Jahre, bevor er seine Evolutionstheorie veröffentlichte. Ihm war bewusst, dass die Theorie, deren Grundprinzipien er durch empirische Beobachtung belegen konnte, etliche biologische Phänomene nicht ohne Weiteres erklären konnte. Fehlen endgültige Beweise können Indizien der Wissenschaft vielleicht weiterhelfen. Allgemein gilt, dass ein Indiz mehr ist als eine Behauptung, aber immer noch weniger als ein Beweis. Indizien sind noch keine Beweise, doch wahrnehmbare Beweisanzeichen für eine Tatsache. Es sind symptomatische Merkmale, die eben diese Tatsache stützen und sie wahrscheinlicher machen.
Der griechische Philosoph Parmenides (ca. 515–445 v. Chr.) formulierte den Grundsatz des Seins: „Das Seiende ist, das Nichtseiende ist nicht.“ Er vertrat die Ansicht, dass man über das Nichtseiende (das, was nicht ist) weder nachdenken noch sprechen kann, da es nicht existiert und somit auch kein Gegenstand von Erkenntnis oder Beweis sein kann. Ein anderes Beispiel: Jesus hat zum Apostel Johannes gesagt (Joh 20,29): „Weil du mich gesehen hast, glaubst du; selig sind, die nicht gesehen und doch geglaubt haben“ . Thomas von Aquin drückt sich ähnlich aus:„Für diejenigen, die glauben, ist kein Beweis notwendig“. Das lässt den Schluss zu das Glaube unabhängig von sichtbaren Beweisen existieren kann.
Anmerkung des Autors: Es ist unsinnig das Wissenschaftler verlangen, alles zu wiegen, zu untersuchen und alles zu beweisen, weil dass die Fähigkeit das Offenbare, also das was klar zu sehen und zu verstehen ist, zu bemerken beschränkt. Wenn ein Mensch bereit ist die Wahrheit aufzunehmen, dann wird die Wahrheit zu ihm kommen und er weiß die Wahrheit jener Wahrheit, denn das, was ist, bedarf keines Beweises, während das was nicht ist, nicht bewiesen werden kann.
Bei der Antwort auf die Frage ob ein Widerspruch zwischen Naturwissenschaft und Glaube besteht, kann möglicherweise eine andere Frage weiterhelfen. Und zwar die grundlegendste und umstrittenste Frage der menschlichen Existenz, nämlich der Frage ob es Gott gibt. Der christliche Glaube geht davon aus, dass Gott existiert. Der Glaube benötigt keine Beweise., religiöse Erfahrungen oder entsprechende Offenbarungen , das heißt Mitteilungen göttlicher Wahrheiten oder eines göttlichen Willens auf übernatürliche Weise genügen. Die Wissenschaft hingegen braucht Beweise, doch sie kann die Existenz Gottes weder beweisen noch widerlegen. Manche wissenschaftlichen Beweise können zwar auf die Existenz Gottes hinweisen und sie wahrscheinlicher machen, aber sie können nicht schlüssig beweisen, dass Gott existiert. Es gibt jedoch eine Menge Indizien. 4Ein Beispiel ist der Urknall. Basierend auf verschiedenen wissenschaftlichen Beobachtungen sind Physiker zu dem Schluss gekommen, dass das Universum vor etwa 14 Milliarden Jahren aus dem Nichts entstand. Das Standardmodell Urknall davon aus,dass aller Raum, Materie, Energie und Zeit plötzlich aus dem Nichts mit dem Urknall entstanden sind. Das bedeutet, dass das, was den Urknall hervorbrachte, jenseits von Raum und Zeit, immateriell, also etwas was nicht stofflich oder körperlich fassbar ist. Die unmittelbarste Frage, die jedoch angesichts aller Schlussfolgerungen weiterhin bleibt, ist: Wer oder was hat den Urknall verursacht? Einige Wissenschaftler haben alternative Szenarien vorgeschlagen, die offenbar einen absoluten Anfang des Universums vermeiden sollen. Doch keines davon war überzeugend genug, um das Standardmodell zu ersetzen. Da die Wissenschaft nicht in der Lage ist, die Frage überzeugend zu beantworten, muss der Glaube antworten. Zwar unterliegen wissenschaftliche Theorien, wie bereits erwähnt, ständigen Veränderungen, doch der Urknall nach heutigem Verständnis ist ein eindeutiges Indiz für die Existenz Gottes., eines Wesens jenseits von Raum, Materie, Energie und Zeit. Obwohl die Existenz des Universums für sich schon ein starkes Gottesindiz ist, gibt es weitere vier überzeugende Aspekte des Universums, die für die Existenz und das Wirken Gottes sprechen.
| 1) Die Stärke der Schwerkraft: Die Stärke der Schwerkraft wird durch die Gravitationskonstante (6,67428 x 10^-11 Meter im Kubik pro Kilogramm pro Sekunde zum Quadrat ) bestimmt. Wäre die Schwerkraft deutlich stärker, würden die Sterne schneller „ausbrennen“, da die Kernfusion durch den höheren Druck verstärkt wird. Es bliebe weniger Zeit für die Entwicklung von Leben. Wäre die Schwerkraft hingegen deutlich schwächer, könnten sich überhaupt keine Sterne bilden, was die Entstehung lebenswichtiger Elemente verhindern würde. |
| 2) Die kosmologische Konstante: Diese Konstante beschreibt eine Form von Energie, die im gesamten Universum vorhanden ist und dessen beschleunigte Expansion antreibt. Wäre sie nur ein wenig größer, hätte sich das Universum zu schnell ausgedehnt. Galaxien und Sterne hätten sich nicht bilden können. Wäre sie hingegen kleiner, wäre das Universum möglicherweise in sich zusammengefallen, bevor Leben entstehen konnte. |
| 3) Die starke Kernkraft: Diese Kraft bindet die Quarks im Inneren der Protonen und Neutronen aneinander und hält auch die Kernbausteine im Atomkern zusammen. Wäre sie etwas schwächer, wären die Atomkerne nicht stabil, da die Anziehungskraft zwischen den Protonen und Neutronen zu gering wäre, um ihre Abstoßung durch die elektrische Ladung zu überwinden. Dies hätte zur Folge, dass es keine stabilen Elemente gäbe und somit auch keine komplexen Atome. Ohne komplexe Atome gäbe es die für Leben notwendige chemische Vielfalt nicht. Eine stärkere Kernkrasft würde zu dichteren und stabileren Kernen führen, was wiederum die Vielfalt der Elemente und die Entstehung von Sternen und Galaxien beeinflussen würde. Leichte Elemente wie Wasserstoff, einem essentiellen Element für Leben, könnten nicht lange nicht existieren da sie schnell zu schwereren Elementen fusionieren würden. |
| 4) Größe und Entfernung der Erde von der Sonne: Die Erde befindet sich in der bewohnbaren Zone, einer Zone, in der es weder zu heiß noch zu kalt ist, sodass flüssiges Wasser auf der Oberfläche existieren kann. Die Größe der Erde gewährleistet zudem die richtige Schwerkraft für eine lebensfreundliche Atmosphäre, ohne die Mobilität von Organismen einzuschränken. |
Dann wäre da noch der Szientismus, eine Weltanschauung, die die Wissenschaft als den einzig gültigen Erkenntnisweg ansieht und die Rolle der Religion in der Gesellschaft übernehmen kann. Sie sollte den Platz der Religion sogar einnehmen. Szientismus postuliert, dass alle Fragen nur sinnvoll mit wissenschaftlichen Verfahren und Methoden zu lösen sind und dass die Wissenschaft die einzige Quelle für Wahrheit und Wissen ist. Die Methoden der exakten Naturwissenschaften müssten auch im Bereich der Geistes- wissenschaften angewendet werden. Andere Formen des Wissens oder Deutungsmodelle, wie religiöser Glaube oder Intuition, werden als unzuverlässig oder sogar als irrational abgetan. Alles, was sich mit Wissenschaft nicht beschreiben lasse, wie z. B. bestimmte Fragestellungen der Religion, Philosophie oder Psychologie, sei für wissenschaftliche Erkenntnis damit auch irrelevant. Doch das was ist, braucht keinen Beweis und das was nicht ist, kann nicht bewiesen werden. Also doch Glaube.
Die Theologie reklamiert trotz ihrer Bindung an die Religion, rationales Denken und Wissenschaftlichkeit für sich. Doch kann sie die Widersprüche zwischen den theologischen und dem naturwissenschaftlichen (empirischem) Denk- und Deutungsmodellen nicht lösen. Gängige Widersprüche wie ist der Mensch ein paar Tage oder 13,7 Milliarden Jahre nach dem Anfang der Welt entstanden? Oder kann ein Toter nach drei Tagen wiederauferstehen, bzw. beginnen nicht vielmehr schon Sekunden nach dem Tod die irreversiblen Zersetzungsprozesse? Hat Gott den Menschen erschaffen, oder ist er Produkt eines ziellos-zufälligen Evolutionsprozesses?
Gen 1,27: „Gott erschuf den Menschen als sein Bild, als Bild Gottes erschuf er ihn. Ein zwischen 1508 und 1512 geschaffenes Deckenfresko von Michelangelo Buonarroti in der Sixtinischen Kapelle in Rom zeigt, wie Gott mit ausgestrecktem Zeigefinger Adam zum Leben erweckt. Doch Darwins Evolutionstheorie, lässt jede Lehre das Gott die Menschen nach seinem Ebenbild erschaffen habe, alt aussehen. Immanuel Kant versuchte das Problem zu lösen, indem er weder dem theologischem noch dem naturwissenschaftlichem (empirischem) Denk- und Deutungsmodell einen Alleingeltungsanspruch zugesteht. Stattdessen vertraut er auf die Vernunft. In der katholischen Tradition ist die grundsätzlich positive Haltung zur Vernunft in der Regel zwar dominant. Nicht selten hat sich das Christentum aber der Vernunft gegenüber auch verschlossen. Kann es einen Konsens zwischen Wissenschaft und Religion, zwischen Vernuft und Glaube überhaupt geben? Entweder jemand ist rational, denkt nach und zweifelt, oder er glaubt eben einfach. Entweder man stellt als denkender Mensch radikal Fragen, oder man verliert sich in mythischer und theosophischer Metaphysik und Mystik.
Fazit: Es gibt offenkundig Berührungspunkte zwischen Naturwissenschaft und Glauben, die bis zur gegenseitigen Ergänzung führen können. Doch beide Erkenntniswelten sind begrenzt. Mit keiner der beiden Erkenntniswelten allein, mit keiner einzelnen Wissenschaft allein kann die existierende Wirklichkeit hinreichend erklärt werden. Naturwissenschaften und Glaube befassen sich mit unterschiedlichen Aspekten der Wirklichkeit, die für sich genommen keinen berechtigten Anspruch auf die Erfassung der Gesamtwirklichkeit dieser Welt erheben können. Erst das Zusammenwirken beider Bereiche in Kenntnis ihrer jeweiligen Begrenztheit bringt ein Verstehen der Lebenswirklichkeit. Letztlich gibt es keinen Widerspruch zwischen Naturwissenschaften und Glauben. Nach neueren theologischen Auffassungen war Gott als „Schöpfer“ nicht nur am Anfang des Kosmos (als Auslöser des „Urknalls“) aktiv, sondern er ist dies dauernd in einer „creatio continua“ als Schöpfer von Neuem und Erhaltes des Bestehenden. Danach ist Gott ein in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft wirksamer „Weltgeist“, dessen Möglichkeiten nicht im Widerspruch zu naturwissenschaftlichem Verständnis stehen.
Seit der Antike folgt das Gottesverständnis einem bekannten Muster. Man erkennt eine Ordnung in der Welt und versucht, von ihr auf einen ersten Ordner zu schließen. Ein Argument, das von der Ordnung ausgeht und auf einen ersten Ordner schließt, bekommt mit den Naturwissenschaften ein immer stärkeres Fundament. Gottes-Argumente werden mit den Naturwissenschaften nicht widerlegt, sondern stärker.
Es gibt wissenschaftlich anerkannte orts- und zeitunabhängige und auf Naturkonstanten beruhende Regelmäßigkeiten von Naturerscheinungen, die die fundamentalen Bedingungen des Universums beschreiben und als fundamentale Gesetze bezeichnet werden:
| Die fundamentalen Gesetze von Newton, auch Newtonsche Axiome genannt, sind drei Grundprinzipien der Mechanik, die Bewegung und Kräfte beschreiben: das Trägheitsprinzip (erstes Gesetz), das Aktionsprinzip (zweites Gesetz, ) und das Reaktionsprinzip (drittes Gesetz, Actio gleich Reactio). Sie erklären, dass Körper ihren Bewegungszustand beibehalten (Trägheit), beschleunigt werden, wenn eine Kraft wirkt (Kraft = Masse x Beschleunigung) und dass Kräfte immer paarweise und entgegengesetzt auftreten |
| Die fundamentalen Gesetze von Schrödinger sind die Schrödinger-Gleichung (zeitabhängig und zeitunabhängig), die das Herzstück der Quantenmechanik bildet und beschreibt, wie sich der Zustand eines Quantensystems (beschrieben durch eine Wellenfunktion ) mit der Zeit entwickelt und welche Energien möglich sind, wobei das Superpositionsprinzip (ein System kann mehrere Zustände gleichzeitig haben, bis es gemessen wird) und das Welle-Teilchen-Dualismus (Teilchen wie Elektronen haben Welleneigenschaften) zentrale Konzepte sind, die diese Gleichung untermauern |
| Einsteins fundamentale Gesetze basieren auf seiner Relativitätstheorie, die aus zwei Hauptpostulaten der Speziellen Relativitätstheorie (SRT) entsteht: dem Relativitätsprinzip (die Naturgesetze sind in allen Inertialsystemen gleich) und der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit (sie ist immer gleich schnell, egal wie schnell sich Quelle oder Beobachter bewegen), was zu Phänomenen wie Zeitdilatation und Längenkontraktion führt und die berühmte Formel E=mc² (Masse-Energie-Äquivalenz) begründet. Die Allgemeine Relativitätstheorie (ART) erweiterte dies und erklärte, dass Gravitation eine Krümmung der Raumzeit ist, wodurch auch die Zeit je nach Schwerkraft unterschiedlich schnell vergeht |
Doch nach allem, was was der Mensch bisher weiß, sind die Naturkonstanten nicht zwingend durch Naturgesetze festgelegt, sondern hätten auch andere Werte annehmen können. Wäre die Gravitationskraft um Beispiel ein klein bisschen größer, dann wäre das Universum kurz nach dem Urknall wieder in sich zusammengefallen. Es hätte keine Sterne gegeben – und kein Leben. Es gibt unzählig viele Varianten des Urknalls, die eine Entwicklung von Leben unmöglich gemacht hätten. Die Tatsache, dass das Universum Leben hervorbringen kann, scheint eine glückliche Ausnahme zu sein. Dies ist die Beobachtung, die als Ausgangspunkt dafür gelten kann, um mit guten Gründen auf eine absichtsvolle Planung des Kosmos zu schließen.
Wer glaubt weiß mehr. Wobei Glauben und Wissen ähnlich sind wie Suchen und Finden. Glauben ist in die Generierung neuen Wissens eingebettet. Bereits Aristoteles wußte: Dem Menschen ist ein natürlicher Drang nach Wissen eingeschrieben. Der Mensch ist auf steter Suche. Aber ohne zu glauben, wird er wenig finden.
Der französische Schriftsteller Victor Hugo hat einmal gesagt, Zitat: Zu glauben ist schwer, nichts zu glauben ist unmöglich. Dieses Zitat beschreibt das fundamentale Paradoxon der Religionsphilosophie und Existenzialphilosophie, dass absoluter Glaube zwar intellektuelle Anstrengung erfordert, ein Leben in völliger Nihilität jedoch gegen die menschliche Natur zu verstoßen scheint. In der Epoche der Romantik (ca. 1795–1848) als eine europäische Kulturströmung die Gefühle, Fantasie und das Unbewusste betonte, als Gegenbewegung zur Aufklärung und Klassik entstand, wurden Menschen als Wesen angesehen, die zwischen der Unendlichkeit und der Begrenztheit gefangen sind. Victor Hugo gilt als einer der wichtigsten Vertreter und Anführer der französischen Romantik. argumentierte, dass der Mensch zwar an Dogmen zweifeln kann, aber nicht umhinkommt, eine „Ahnung“ vom Großen Ganzen zu haben. Für ihn war das „Nichts“ eine intellektuelle Unmöglichkeit, da allein die Existenz des Bewusstseins nach einer Ursache verlangt. Einige der bedeutendsten Denker der abendländischen Kultur argumentierem ähnlich. Der französische Mathematiker, Physiker und Universalgelehrte Blaise postulierte bereits lange vor Victor Hugo die Unmöglichkeit des Nicht-Glaubens. Nichts zu glauben, war für Blaise eine Entscheidung gegen die Unendlichkeit, die das menschliche Herz aber instinktiv sucht. Pascal argumentierte dass die Existenz Gottes rational nicht beweisbar ist. Der Mensch muss dennoch eine Entscheidung treffen: glauben oder nicht glauben. Seine berühmte Pascalsche Wette ist ein theoretisches Argument für den Glauben. Es sei rational, auf Gott zu setzen. Da der mögliche Gewinn (ewiges Leben) unendlich hoch ist und der Einsatz (irdisches Leben) endlich, ist der erwartete Nutzen des Glaubens statistisch gesehen immer höher, unabhängig von der tatsächlichen Wahrscheinlichkeit:
- Gott existiert: Glaube = Unendlicher Gewinn. Kein Glaube = Totaler Verlust.
- Gott existiert nicht: Glaube = Wenig/Nichts verloren. Kein Glaube = Wenig/Nichts gewonnen.
Pascal wollte mit seiner Wette nicht die Existenz Gottes beweisen, sondern Skeptiker zum Glauben zu bewegen. Der deutsche Philosoph der Aufklärung Immanuel Kant, trennte Wissen und Glauben strikt. Kant argumentierte, dass der Mensch Gott nicht wissen kann, weil dass die Grenzen seiner Erkenntnis übersteigt. Gleichzeitig postulierte er dass der Mensch schon aus moralischen Gründen an eine höhere Ordnung glauben muss. Der der dänische Philosoph und Existenzialist Kierkegaard ist vielleicht der radikalste Vertreter des Paradoxons der 1Existenzialphilosophie. Nichts zu glauben führt laut Kierkegaard in die Verzweiflung. Der Mensch ist ein Wesen, das sich zu sich selbst (und damit zu seinem Schöpfer oder einem tieferen Sinn) verhalten muss. Ein Vakuum an Sinn hält die menschliche Psyche nicht aus.
Glaube vermittelt Einsichten über Herkunft, Sinn und Ziel des Lebens, die über rationales Wissen hinausgehen und beantwortet grundlegende Fragen, die dem reinem Wissen verborgen bleiben. Ist Religion ohne Glaube möglich? Ist Religion und Glaube vielleicht dasselbe? Nicht im eigentlichen Sinne, aber Religion ohne Glaube gibt es nicht. Das Wort „Religion“ stammt vom lateinischen „religio“ ab, das unter anderem mit „Gottesfurcht“, „Gottesverehrung“ oder „Heiligkeit“ übersetzt werden kann. Religion ist der Glaube, dass es außerhalb der Natur noch eine Macht gibt. Diese Macht gehört selbst nicht zur Natur. Religiöse Menschen glauben an eine Macht, die über ihnen steht und an der sie sich ausrichten. Sie glauben an Gott, an etwas Göttliches oder übernatürliches. So etwa die Supernaturalisten die an die Existenz einer jenseitigen oder übernatürlichen Realität glauben. Spiritisten glauben an die Existenz von Geistern und die Kommunikation mit ihnen (z. B. durch Medien). Animisten glauben, dass alles in der Natur (Objekte, Orte, Wesen) eine eigene spirituelle Essenz oder Seele besitzt. Okkultisten glauben an verborgene oder übersinnliche Kräfte wie Zauberei oder Dämonologie. insbesondere im Christentum oder Islam, ist der Glaube an Engel und Dämonen fester Bestandteil der Angelologie (Engellehre) und Dämonologie angesehen.
Der Philosoph Cicero beschreibt die Religion als einen Umstand kultischer Verehrung einer überlegenen, als göttlich bezeichneten, Natur. Genauer gesagt ist die Religion ein System von Glaubenssätzen (Glaubenssystem), zum einen fundierend auf der Beziehung, zwischen dem Menschen und einem Gott oder mehreren Göttern, und zum anderen fundierend auf der Beziehung zwischen einer Gemeinschaft von Gläubigen.
Mit dem Aufkommen des Monotheismus und der drei Religionen, die sich auf eine heilige Schrift berufen, wie das Judentum, Christentum und der Islam – zentriert sich die Religion um eine Idee der Offenbarung herum. Früher rief der Priester der alten Religionen die Geister oder Götter an um etwas zu erbitten. Mit dem Monotheismus nimmt der Gläubige an, Gott wäre den Menschen erschienen, um ihnen eine universelle Lehre zu überbringen. Doch auch wenn ein Monotheist nur einen Gott hat, so kann es dennoch sein, dass er ansonsten noch an Geister, Engel, Zauberei oder Dämonen glaubt.
Welche Gemeinsamkeiten haben die Religionen der Welt ? Was unterscheidet Sie ?
Der Mensch, der von Gott geschaffen wurde. Das Paradies. Der Baum der Erkenntnis. Die „Vertreibung aus dem Paradies“. Diese Geschichten sind bei den drei großen Religionen, dem Christentum, dem Judentum und dem Islam in den Grundzügen weitestgehend gleich. Ausserdem gehen alle drei Religionen auf den Propheten Abraham zurück. Über 50% der Menschen gehören derzeit einer dieser Religionen an.
| Christentum | Das Christentum ist mit rund 2,4 Milliarden Anhängern die weltweit größte Weltreligion. Christen glauben an einen Gott, der sich als Dreieinigkeit (Vater, Sohn und Heiliger Geist) offenbart. Im Zentrum des Glaubens steht Jesus Christus. Christen sehen in ihm den Sohn Gottes und den Messias, der durch seinen Tod und seine Auferstehung die Versöhnung zwischen Gott und den Menschen ermöglicht hat. Die Bibel ist das heilige Buch der Christen. Es besteht aus dem Alten Testament (jüdische Thora und Propheten) und dem Neuen Testament (Evangelien über Jesus sowie Briefe der frühen Christen). Die christliche Ethik basiert maßgeblich auf der Nächstenliebe und der Gottesliebe, wie sie in den Zehn Geboten formuliert sind. Das Christentum ist in verschiedene Strömungen unterteilt, die sich historisch entwickelt haben: Römisch-katholische Kirche, Orthodoxe Kirchen, und Protestantismus. Letzterer ist entstanden aus der Reformation (Martin Luther, 16. Jahrhundert). Oberhaupt der Der Römisch-katholischen Kirche ist der Pabst in Rom |
| Judentum | Das Judentum ist die älteste der monotheistischen Weltreligionen und Quelle (Motiv) des Christentums und des Islam. Die Juden glauben an die Existenz eines einzigen, ewigen Gottes. Die wichtigste heilige Schrift sind die fünf Bücher Mose (Tora). Sie enthält die religiösen Gesetze und Gebote (Mizwot) des Judentums. Die Ethik des Judentums basiert auf Gerechtigkeit, Nächstenliebe und die Verantwortung des Einzelnen für die Gemeinschaft und die Welt. Das Judentum ist keine homogene Gruppe. Es gibt verschiedene Strömungen, von orthodoxen (streng traditionell) über konservative bis hin zu liberalen Richtungen, die die Traditionen unterschiedlich zeitgemäß interpretieren. |
| Islam | Der Islam ist eine monotheistische abrahamitische Weltreligion, die auf dem Koran basiert. Dieser ist das offenbarte Wort Gottes (Allah). Der Islam stützt sich traditionell auf die Fünf Säulen, die das Leben eines Gläubigen strukturieren: Schahada (Glaubensbekenntnis), Salat (Gebet), Zakat (Almosensteuer), Saum (Fasten) und Haddsch (Pilgerfahrt nach Mekka). Das Glaubensbekenntnis bezeugt, dass es keinen Gott außer Allah gibt und Mohammed sein Gesandter ist. Der in arabischer Sprache verfasste Koran ist das heilige Buch des Islam. Die Überlieferungen über das Tun und Sagen des Propheten Mohammed sind festgehalten in den Hadithen. Die einzelnen Hadithe wurden mündlich und schriftlich gesammelt und als Traditionen, als „sunna“, zusammengefasst. Die Mehrheit der Muslime weltweit sind Sunniten (ca. 85–90 %). Die zweitgrößte Gruppe bilden die Schiiiten. |
Buddhismus: Siddhartha Gautama, ein indischer Prinz gilt als der Begründer des Buddhismus. Er wuchs in einem herrlichen Palast auf. Das Leben ausserhalb des Palastes kannte er nicht. Obwohl er sich um nichts Sorgen machen musste, war er nicht glücklich. Er wollte wissen, wie das Leben außerhalb der Palastmauern aussieht. So machte er vier Ausfahrten und lernte dabei das Alter, Krankheit und den Tod kennen. Der junge Prinz war bestürzt darüber, wie sehr die Menschen darunter litten und begann zu grübeln, wie dieses Leiden entsteht und wie man es beenden könnte. Er beschloss, von zu Hause fortzugehen, um Mönch zu werden. Er begann, viel über das Leben und das Leiden nachzudenken. Die Buddhisten glauben, dass Siddhartha dabei die „Erleuchtung“ gefunden hat. Er formulierte die vier edlen Wahrheiten:
- Das Glück ist vergänglich und das Leben bedeutet Leiden.
- Das Leiden entsteht, weil die Menschen immer mehr wollen, als sie besitzen.
- Das Leiden hört auf, wenn die Menschen diese Gier überwinden.
- Es gibt einen Weg zum Glück, das ist der 2Achtfache Pfad.
Buddhisten glauben, dass alles in der Welt ein ewiger Kreislauf ist und man immer und immer wieder geboren wird, entweder als Mensch, als Tier oder als Pflanze. Ihr Ziel ist es aber, diesen Kreislauf zu durchbrechen und das Nirwana zu erreichen.Der „ Achtfache Pfad umfasst die wichtigsten Lebensregeln im Buddhismus. Wer es schafft, sich immer an diese Regeln zu halten, der wird nach buddhistischem Glauben von seinem Leid und der ewigen Wiedergeburt befreit und erleuchtet und damit ein Buddha. Sein Geist kehrt nach dem Tod des Körpers nicht wieder auf die Erde zurück, sondern findet sein Glück im Nirwana. Das ist das höchste Ziel aller Buddhisten.
Die zehn Länder mit dem höchsten Anteil von Menschen buddhistischen Glaubens (in Prozent an der Bevölkerung; Mindestanzahl der Mitglieder der Religionsgruppe: 1 Mio.) sind: Mongolei, Südkorea, Japan, Taiwan, Myanmar, Laos, Thailand, Kambodscha uns Sri Lanka.
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Taoismus: Der Taoismus (Lehre des Weges), ist eine chinesische Philosophie und Weltanschauung, die vor etwa 2.500 Jahren entstand und dem legendären Weisen Laotse zugeschrieben wird, der das berühmte Werk „Tao Te King“ verfasste. Er soll im 4. Jahrhundert v. Chr. gelebt haben. In der Han-Dynastie (206 v. Chr. – 220 n. Chr.) erlangte der Taoismus eine prominente Stellung in der chinesischen Gesellschaft. Während der Tang-Dynastie (618–907 n. Chr.) wurde der Taoismus dann als offizielle Religion anerkannt. Die kommunistische Kulturrevolution im 20. Jahrhundert führte zum Niedergang des Taoismus, da sämtliche religiöse Praktiken in China verboten wurden. In der heutigen Zeit erlebt der Taoismus sowohl in China als auch im Westen eine Art Wiedergeburt. Das Tao (der Weg) ist das Herzstück des Taoismus. Es ist das universelle Prinzip, das die Ordnung des Kosmos bestimmt. Es ist der Ursprung und das Ziel alles Existierenden. Das Prinzip des Wu Wei — „Handeln durch Nicht-Handeln“ oder „Lasse das Leben einfach geschehen“ sind Kernaussagen des Taoismus. Die Kräfte Yin und Yang sind das bekannteste Symbol des Taoismus. Sie repräsentieren die gegensätzlichen, aber zugleich ergänzenden Elemente des Universums. Gemeinsam bilden sie das Qi, die Urenergie. Yin steht für das Weibliche, das Passive. Yang hingegen symbolisiert das Männliche, das Aktive. Taoisten streben danach, ein Gleichgewicht zwischen diesen Kräften in ihrem Leben zu erreichen, da sie glauben, dass Harmonie entsteht, wenn Yin und Yang ausbalanciert sind. Dafür nehmen sie die beiden Pole „Kraft“ und „Geist“ und versuchen sie durch Meditation zu vereinen. Taoismus wird daher so wie früher auf folgende Arten praktiziert:
Qigong ist eine jahrtausendealte chinesische Praxis, die sanfte Bewegungen, Atemübungen und Meditation kombiniert, um die Lebensenergie (das „Qi“) zu aktivieren und zu stärken. |
| Konfuzianismus: Der Konfuzianismus basiert auf den Lehren von Konfuzius (ca. 551–479 v. Chr.). Er wird oft weniger als Religion, sondern als Lebensphilosophie und Sozialethik verstanden. Im Zentrum stehen Menschlichkeit (Ren), Rechtschaffenheit (Yi) und die Einhaltung von Riten und Sitten . Stabilität in der Gesellschaftsordnung wird durch klare Hierarchien erreicht. Die „Fünf Beziehungen“ (z. B. Herrscher–Untertan, Vater–Sohn) definieren dabei Pflichten und gegenseitigen Respekt.(Li). Die Verehrung der Eltern und Ahnen ist die Grundlage der moralischen Erziehung. Das Streben nach Selbstvervollkommnung durch Lernen ist essenziell, um ein „Edler“ (Junzi) zu werden. Auch Heutzutage prägt der Konfuzianismus maßgeblich die sozialen Normen, das Bildungsideal und die Arbeitsmoral in Ostasien (insbesondere in China, Korea, Japan und Vietnam). |
| Sikhismus: Der Sikhismus ist eine monotheistische Religion, die im 15. Jahrhundert im Punjab (Nordindien) von Guru Nanak Dev gegründet wurde. Sikhs glauben an einen einzigen, formlosen Gott (Ik Onkar), der die universelle Wahrheit ist und in der gesamten Schöpfung wohnt. Weitere wesentliche Merkmale sind die Abkehr von sogenanntem Aberglauben und traditionellen religiösen Riten, wie sie zum Beispiel im Hinduismus vorherrschen. Die Religion betont die Gleichheit aller Menschen (unabhängig von Kaste, Geschlecht oder Herkunft), soziale Gerechtigkeit und den Dienst an der Gemeinschaft (Seva). Die heilige Schrift der Sikhs ist der Guru Granth Sahib, der in jedem Tempel (= Gurdwara) der Sykhs steht. Viele Sikhs (insbesondere die Mitglieder der Khalsa-Bruderschaft) tragen fünf Erkennungsmerkmale (die fünf K) immer bei sich: das Kesh (ungeschnittenes Haar, das von einem Turban bedeckt ist), Kara (ein Stahlarmband), Kanga, (ein kleiner Holzkamm), Kacchera (eine Unterhose) und einen Kirpan (ähnelt einem Messer/Schwert). Mit weltweit etwa 25 bis 30 Millionen Gläubigen ist der Sikhismus die fünftgrößte Weltreligion. |
Baha´i-Religion: Das Bahaitum ist eine monotheistische Weltreligion, die Mitte des 19. Jahrhunderts im Iran entstand. Heute hat sie weltweit rund 8 Millionen Anhänger in fast allen Ländern der Erde. Die drei Glaubensbekenntnisse sind:
Es gibt keine Priester. Die Gemeinden werden von demokratisch gewählten Gremien („Geistige Räte“) aus jeweils neun Personen geleitet. Die administrativen und geistigen Zentren befinden sich heute in Haifa und Akko (Israel), darunter die berühmten Hängenden Gärten am Berg Karmel. |
| Hinduismus: Der Hinduismus hat seinen Ursprung in Indien, wo heute etwa 95 % aller Hindus leben und ist mit rund 1,2 Milliarden Anhängern die drittgrößte Religionsgemeinschaft der Welt. Er gilt als eine der ältesten bestehenden Religionen. Der Hinduismus vereint monotheistische, polytheistische und pantheistische Elemente: Die formlose, weltseele-artige höchste Realität, die hinter allem steht, wird Brahman genannt. Die drei Hauptmanifestationen des Göttlichen sind Brahma (der Schöpfer), Vishnu (der Erhalter) und Shiva (der Zerstörer/Erneuerer). Darüberhinaus gibt es Millionen von Gottheiten (wie Ganesha, Lakshmi oder Hanuman), die aber oft als verschiedene Aspekte des einen Brahman betrachtet werden. Es gibt keine einzelne „Bibel“, sondern eine riesige Sammlung an Texten: die Veden, die Upanishaden und das Bhagavad Gita (= ethische Pflichten). Die Lebensweise der Hindus basiert auf dem 3Kastenwesen und dem Prinzip der Gewaltlosigkeit gegenüber allen Lebewesen, weshalb viele Hindus Vegetarier sind. |
| Shintoismus: Shintoismus (=Weg der Götter), ist eine tief im japanischen Alltag verwurzelte ursprüngliche Naturreligion, in der Bäume, Berge, Flüsse und das Meer mit Göttern (Kamis) assoziiert werden. Der Shintoismus ist neben dem Buddhismus die wichtigste Religion in Japan. Japaner sagen: „Im Leben Shintoist, im Sterben Buddhist“. Shintoismus hat keinen Gründer, keine Lehre und keine zentrale heilige Schrift. Im Zentrum der Religion stehen unzählige göttliche Wesen, Ahnengeister oder Schutzgottheiten von Orten, die Kami genannt werden. Die wichtigste Kami ist die Sonnengöttin Amaterasu, die als Ahnherrin des kaiserlichen Hauses gilt. Über 80.000 Schreine in Japan dienen als Wohnstätten der Kami. Typische Handlungen am Schrein umfassen die Reinigung von Händen und Mund an einem Wasserbecken (Temizuya), das zweimalige Verbeugen, zweimalige Händeklatschen und ein abschließendes Verbeugen beim Gebet. Der shintoistische Glaube ist lebensbejahend und auf das Diesseits fokussiert. Die Harmonie zwischen Mensch und umgebender Natur ist ein zentrales Element in diesem Glauben. Menschen gelten als fundamental gut; Unheil wird durch böse Geister verursacht. Das oberste Ziel des Shintoismus ist die Aufrechterhaltung von Reinheit (Harae) und Harmonie mit der Umwelt. Unreinheit (Kegare) durch Tod, Krankheit oder egoistisches Handeln muss durch rituelle Waschungen oder Zeremonien beseitigt werden. |
| Voodoo ist eine komplexe Religion, deren Wurzeln bei den Völkern der Fon und Ewe im heutigen Benin, Togo und Nigeria (Westafrika) liegt. Sie gelangte mit dem Sklavenhandel in die Karibik und nach Amerika. Der bekannteste Zweig ist das Haitianische Voodoo. Es gibt einen obersten Schöpfergott namens Bondyé. Da dieser jedoch fern der Menschen ist, kommunizieren die Gläubigen mit Geistwesen, den Loa. Diese sind Mittler zwischen Gott und den Menschen.So etwa Papa Legba, der Wächter der Tore und Wege oder Baron Samedi, der Herr des Todes und der Friedhöfe. Voodoo ist primär eine Heilungsreligion. Es gibt zwar Formen von Schadenszauber (Bokore), diese machen jedoch nur einen winzigen Teil der Praxis aus. |
| Der Zoroastrismus ist eine der ältesten monotheistischen Religionen der Welt, gegründet vom Propheten und Reformator Zarathustra um 1800–600 v. Chr. im antiken Persien (heutiges Zentraliran). Zarathustra gilt als erster Religionsstifter. Zentraler Glaubensinhalt des Zoroastrismus ist ein fundamentaler Dualismus von Gut und Böse. Höchster Gott ist der Schöpfergott Ahura Mazda. Der Dualismus kennzeichnet den unendlichen Kampf zwischen dem guten Geist (Spenta Mainyu) und dem bösen Geist (Angra Mainyu), wobei Ahura Mazda nur für das Gute steht. Das Heilige Feuer (Atar) symbolisiert die Reinheit und Wahrheit (Asha) und wird in Feuertempeln (Ateschkadeh) verehrt. Zoroastrismus ist die erste monotheistische Religion mit Konzepten wie Erlösung, Paradies, Teufel und Jüngstes Gericht, die später Judentum, Christentum und Islam beeinflusst haben. Laut der heiligen Schriftensammlung des Zoroastrismus, der Avestahatte Zarathustra im Alter von 30 Jahren eine Vision. Nach dem Durchqueren eines Flusses begegnete er Vohu Manah („Gutes Denken“), einem Geistwesen, das ihn zu Ahura Mazda und sechs weiteren Amesha Spentas („Heilige Unsterbliche“) führte. Prä-Astronautiker bzw. Vertreter der „Ancient Alien“-Theorie interpretieren diese Wesen und Ahura Mazda als technologisch hochentwickelte Ausserirdische. Historiker und Religionswissenschaftler betrachten diese Begegnungen eher als spirituelle Visionen und theologische Konzepte. |
Neben den Weltreligionen gibt es noch weitere Glaubenssysteme wie z. B.
Mormonen:Die Religionsgemeinschaft der Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage wurde 1830 von Joseph Smith in den USA gegründet und zählt heute weltweit rund 17 Millionen Anhänger. Die Mormonen glauben, dass ihre Kirche das ursprünglich von Jesus Christus errichtete Christentum wiederherstellt, das nach dem Tod der Apostel verloren ging. Neben der Bibel gilt das Buch Mormon als göttliche Offenbarung. Es berichtet von einem Besuch des auferstandenen Jesus in Amerika. Gott Vater, Jesus Christus und der Heilige Geist werden als drei eigenständige Wesen (antitrinitarisch) gesehen. Gläubige Mormonen leben nach einem strengen Gesundheits- und Moralkodex. Alkohol, Tabak, Kaffee und schwarzer Tee sind verboten. Mormonen leben streng monogam.Mitglieder spenden zehn Prozent ihres Einkommens an die Kirche.
Amish: Die Amischen sind eine christliche Glaubensgemeinschaft in Nordamerika, die für ihren einfachen Lebensstil, ihre traditionelle Kleidung und die bewusste Ablehnung vieler moderner Technologien bekannt ist. Sie leben in über 30 US-Bundesstaaten und Teilen Kanadas. Ihre Wurzeln liegen im Südwesten Deutschlands, der Schweiz und dem Elsass. Sie entstanden Ende des 17. Jahrhunderts (1693) als Abspaltung von den Mennoniten unter Jakob Ammann. Aufgrund von Verfolgung in Europa wanderten sie ab dem 18. Jahrhundert nach Nordamerika aus, wo sie heute überwiegend in den USA (vor allem Pennsylvania, Ohio, Indiana) leben und ihre deutschbasierte Sprache (Pennsylvaniadeutsch) bewahren. Zentrale Werte der Amish sind Glaube & Ordnung, Demut (Gelassenheit), Gemeinschaft und die Absonderung von der „weltlichen“ Gesellschaft. Die meisten Amish nutzen daher keine Autos, sondern Pferdekutschen (Buggies), verzichten auf den Anschluss an das öffentliche Stromnetz sowie auf Fernsehen und Internet in den Wohnhäusern. Männer tragen schlichte Anzüge, Hosenträger und Hüte; verheiratete Männer tragen einen Bart (ohne Schnurrbart). Frauen tragen lange Kleider mit Schürzen und Häubchen (Bonnet), wobei die Farbe oft den Familienstand anzeigt (z. B. Weiß für Verheiratete). Im Alltag sprechen sie meist Pennsylvaniadeutsch, einen pfälzisch geprägten Dialekt. Für Gottesdienste wird häufig Hochdeutsch verwendet. Die amische Bevölkerung wird aktuell auf über 410.000 Personen geschätzt und wächst stetig weiter.
Huna: Die Ursprünge von Huna reichen auf eine etwa 5000 Jahre alte schamanische Geheimlehre zurück, die hauptsächlich in Hawaii aber auch anderen polynesischen Staaten entstanden ist und verbreitet wurde. Huna ist eine alte hawaiianische Lebensphilosophie, schamanische Tradition und Weisheitslehre, die sich auf verborgenes Wissen („Huna“ = Geheimnis) bezieht und praktische, universelle und undogmatische Prinzipien vermittelt. Frei übersetzt bedeutet Huna „geheimes Wissen“, das sich mit der Göttlichkeit des Menschen auseinandersetzt. Über dieses geheime Wissen verfügten damals die sogenannten Kahunas. Als Kahunas wurden polynesische Priester und Eingeweihte bezeichnet, denen besondere hellsichtige Fähigkeiten und Kräfte nachgesagt wurden.Der Psychologe Serge Kahili King (Geburtsname Serge King) wurde nach eigenen Angabe zufolge in die Familie eines Kahuna aufgenommen und dort über viele Jahre in Huna unterrichtet wurde. Er gründete 1973 eine eigene Gesellschaft zur Verbreitung und Lehre des Huna-Systems (Order of Huna International). Er beschreibt Huna als ein System, welches den Anwender in die Lage versetzen soll, mit Hilfe der Magie auf sein Schicksal und die ihn umgebende Realität Einfluss zu nehmen.
Die 7 Huna-Prinzipien:
- IKE: Die Welt ist so, wie du denkst, dass sie ist (Subjektivität der Realität).
- KALA: Es gibt keine Grenzen (alles ist miteinander verbunden).
- MAKIA: Energie folgt der Aufmerksamkeit (Fokus lenkt Lebenskraft).
- MANAWA: Jetzt ist der Augenblick der Kraft (Präsenz im Hier und Jetzt).
- ALOHA: Lieben heißt, glücklich sein mit… (Liebe als Quelle der Kraft).
- MANA: Alle Macht kommt von innen (Selbstermächtigung).
- PONO: Wirksamkeit ist das Maß der Wahrheit (Ergebnisse zählen).
Huna geht davon aus, dass der Mensch aus drei Bewusstseinsebenen besteht, die harmonieren müssen:
- Unihipili (Unteres Selbst): Das Unterbewusstsein, Speicher für Emotionen und Körperfunktionen.
- Uhane (Mittleres Selbst): Das Tagesbewusstsein, der Verstand und Wille.
- Aumakua (Hohes Selbst): Das Überbewusstsein, die spirituelle Verbindung zur göttlichen Ebene.
Santería: Die Santería-Religion (= Weg der Heiligen) ist eine Mischung aus afrikanischen Ritualen und katholischem Glauben. Afrikanische Glaubensvorstellungen (insbesondere die der Yoruba) werden mit katholischen Elementen synkretisiert, indem sie afrikanische Gottheiten (Orishas) mit katholischen Heiligen gleichsetzt. In der Glaubenswelt der Santeria besitzt alles – Menschen, Tiere, Pflanzen, Steine und Worte – Ashé. Ashé steht auch für die Fähigkeit, Dinge durch das gesprochene Wort geschehen zu lassen. Es ist die Kraft, Gebete und Wünsche in die Realität umzusetzen. Das Ziel vieler Santeria-Rituale ist es, das Ashé einer Person oder eines Ortes zu stärken oder wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Die Santeria-Religion kennt keine Polarisierung in das Gute und das Böse. Im Orí (=Kopf), als Zentrum der spirituellen Intuition und Träger des individuellen Schicksals, ist die Bestimmung verankert, die ein Mensch bei seiner Geburt mitbringt und die eine „teilweise“ Reinkarnation seiner Ahnen ist. Schwierige Lebenssituationen werden als Anzeichen dafür gesehen, dass das Orí verwirrt ist. Mittels Wahrsagung wird die Ursache erforscht, ob sie Ergebnis der Handlungen von Feinden (schwarze Magie), Ergebnis der eigenen Unausgeglichenheit (zu wenig Ashé) oder vom Schicksal bestimmt ist. Es gibt keine Abgrenzung zur Magie wie im Christentum. Die Anhänger der Santeria glauben, dass Orishas Wunder in der Liebe, im Glück, beim Gelderwerb und in der Gesundheit bewirken, die zumeist über die Santeros im Orakel erfragt und umgesetzt werden. Insbesondere glaubt man an Amulette und die magischen Kräfte in Pflanzen und Kräutern, die praktisch jedes Ritual benötigt. Die wichtigste Kräutermischung ist das omiero, das für fast alle Rituale unentbehrlich ist und aus mindestens 21 verschiedenen frischen Kräutern besteht, die in Regenwasser zerstampft werden. Diese Mischung dient als Heiltrank und zur Weihung der Glasperlenketten der Orishas und der Kaurischnecken beim Orakel.
Candomblé: Der Candomblé ist eine brasilianische Religion, die ihren Ursprung ebenfalls in Westafrika hat. Die Anhänger verehren Naturgötter, die sogenannten Orixás, die jeweils bestimmte Naturkräfte, Elemente oder Lebensbereiche repräsentieren (z. B. Iemanjá für das Meer oder Xangô für Feuer), d. h., sie sind personifizierte Naturgewalten. Der Orixá ist eine reine Kraft, immaterielles Ashé, das sich den Menschen nur wahrnehmbar macht, wenn es sich in einem von ihnen verkörpert. .Die Religion wird in Tempeln, den sogenannten Terreiros, praktiziert. Frauen nehmen oft eine führende Rolle als Priesterinnen (Mães-de-santo) ein. Ein zentraler Bestandteil sind Zeremonien mit Trommelmusik (Atabaques), Tanz und Gesängen, bei denen Gläubige in Trance fallen können, um eine direkte Verbindung zu den Orixás herzustellen. Die Candomblé-Religion hat heutzutage weltweit bis zu zwei Millionen Anhänger. Eine andere synkretistische afro-brasilianische Religion ist Umbanda. Sie verbindet Elemente des afrikanischen Spiritismus, des Katholizismus, indigener amerikanischer Traditionen und des Spiritismus (Kardezismus). Umbanda-Anhänger glauben an einen höchsten Gott (Olorum oder Oxalá). Darunter stehen ebenfalls die Orixás (siehe oben) und die Guias (Geistführer). Letztere kommunizieren in Zeremonien mit Geistern verstorbener Menschen. Eine wichtige Rolle spielt dabei das Medium, das während der Rituale (Giras) in Trance geht, um den Geistern zu ermöglichen, Heilungen durchzuführen oder Ratsuchenden spirituelle Beratung anzubieten. Umbanda betont Nächstenliebe, Demut und den kostenlosen Einsatz spiritueller Gaben für das Wohl anderer.
Maori: Die traditionelle Maori Religion verbindet Natur, Vorfahren und Götter (Atua) durch eine gemeinsame Ahnenlinie (Whakapapa) miteinander. Die Māori-Götterwelt (Atua) beginnt mit der Trennung des Himmelsvaters (Ranginui) und der Erdmutter (Papatūānuku) durch ihre Kinder:
- Tāne Mahuta: Gott des Waldes und der Vögel; er schuf den Raum für das Licht.
- Tangaroa: Herrscher über das Meer und alle Meereslebewesen.
- Tūmatauenga: Gott des Krieges und der menschlichen Aktivitäten.
- Rongo-mā-Tāne: Gott des Friedens und der Landwirtschaft (insbesondere der Kūmara).
Zentrale Glaubenskonzepte der Maori Religion sind:
- Mana: Eine spirituelle Kraft oder Autorität, die geerbt oder durch Taten erworben werden kann.
- Tapu: dient dem Schutz von Mana und unterliegt strengen Verhaltensregeln.
- Mauri: Die universelle Lebenskraft, die allen lebenden und unbelebten Dingen innewohnt.
- Noa: Der Zustand des Gewöhnlichen oder Freien, der durch Rituale erreicht wird, um die einschränkende Wirkung von Tapu aufzuheben
Auch heute noch sind Rituale wie das Karakia (Gebet/Beschwörung) und die Begrüßungszeremonie Pōwhiri üblich. Sie sind weiterhin feste Bestandteile des kulturellen Lebens der Maori auf dem Marae (Versammlungsplatz).
In der Ethnologie des 19. Jahrhunderts wurde der Totemismus oft als „Urreligion“ aller Menschen betrachtet. Damit wird eine religiöse Glaubensvorstellung beschrieben, bei der eine Stammesgruppe, eines Clans oder ein Individuum eine mythische Verwandtschaft zu einem bestimmten Naturobjekt – dem Totem – pflegt. Meist handelt es sich dabei um ein Tier, seltener um eine Pflanze oder Naturerscheinung. Das Totem gilt als mythischer Ahnherr oder Schutzgeist der Gruppe. Es dient als Identitätssymbol und verleiht dem Clan seinen Namen. Die „verwandten“ Naturobjekte dürfen weder getötet noch beschädigt oder gegessen werden- Und sexuelle Beziehungen innerhalb eines Totem-Clans sind verboten. Die Bedeutung der Totems ist von Kultur zu Kultur aber sehr unterschiedlich: Bei vielen indigenen Völker Australien sind (beziehungsweise waren) Totems krafttragende spirituelle Abzeichen, die die Menschen mit der Umwelt und der Traumzeit verbinden und die mit heiligen Orten, Zeiten, Symbolen oder Handlungen verbunden werden. Die südafrikanischen Khoisan sehen im Totem eine direkte gemeinsame Abstammung. Die Khoisan, dazu zählen die Khoikhoi (Hottentotten) und die San (Buschmänner)) sind genetischen Untersuchungen zufolge die älteste heute existierende Menschengruppe. Der Totemismus ist vor allem in animistischen Jäger- und Sammlerkulturen verankert, die eine starke Bindung an Tiere haben. Die Bedeutung des Totemismus wird immer geringer. Totemistische Vorstellungenfindet man heute noch vor allem im zentralen und südlichen Afrika, bei einigen australischen und melanesischen Stämmen und bei (noch) nicht christianisierten naturnah lebenden Indigenen Mittel- und Südamerikas vor. Ein bekanntes Beispiel für Totems sind die Totempfähle (Wappenpfähle) der Nordwestküsten-Indianer
In der modernen Religionswissenschaft hingegen gilt Animismus als eine der ältesten Religionsformen der Menschheit. Er basiert auf dem Glauben an eine Allbeseeltheit der Natur, bzw. dem Glaube dass die gesamte Natur, sowohl lebende als auch unbelebte Dinge – also auch Tiere, Pflanzen, Steine oder Flüsse – eine Seele oder einen Geist besitzen. Für Animisten gibt es keinen Unterschied zwischen spiritueller Welt und materieller Welt. Animismus umfasst eine Vielzahl lokaler Glaubenspraktiken indigener Kulturen weltweit. Glaubenssysteme mit einer animistischen Basis kennen keine allmächtigen, monotheistische Götter, obgleich es meist ein „höchstes Wesen“ (oftmals einen Herren der Tiere, ein göttliches Wesen das als Hüter der Tierwelt angesehen wird) gibt. Die Ureinwohner des nördlichen Japans (= Insel Hokkaidō), die Ainu, praktizierten den Bärenkult. Sie verehren Kamuy den Bär. Die Pygmäen (Zentralafrika) verehrten Kmvum, den himmlischen Schöpfergott und Herr der Tiere und Pflanzen. Die Eskimo verehrten Sedna, die Gebieterin der Fische und Meeressäuger, die auf dem Meeresgrund lebt. Die Cheyenne (USA) verehrten Ehyoph’sta, den Geist einer Büffelfärse in Frauengestalt. Die Maya (Yucatan) verehrten Yuntsil balam, der pfeifende Jaguargott, dem Hilfsgeister für einzelne Tierarten unterstehen. Allen diesen Götterwesen ist gemeinsam, dass sie bestimmte Tiere beschützen und darüber entscheiden, ob ein Tier getötet werden darf oder nicht. Bei manchen Ethnien war der lokale Geisterbeschwörer für die Kontaktaufnahme zum Tiergott zuständig. Schätzungsweise praktizieren weltweit rund 150 Millionen Menschen eine Form traditioneller animistischer Religion. Zudem finden sich animistische Elemente oft als Bestandteil in großen Religionen wie dem Hinduismus, Buddhismus oder dem Shintoismus wieder. Der Bön ist eine animistisch-polytheistische Religion Tibets mit starken schamanistischen Eigenschaften. Ahnenkult ist ein wichtiger Aspekt des Bön. Der Bön und der Buddhismus beeinflussten sich gegenseitig (→ Synkretismus: Vermischung verschiedener Religionen und religiöser Gebräuche), wobei der Buddhismus rituelle und schamanistische Elemente oder Bön-Gottheiten aus dem Bön übernahm und der Bön aus dem Buddhismus Aspekte wie die Vorstellung einer Reinkarnation oder des Karma. Die Dogon-Religion in Mali ist ein Glaubenssystem, das stark auf Ahnenverehrung, Naturbeobachtung und dem Schöpfergott Amma basiert. Amma ist d er höchste, allmächtige Gott, der das Universum und das Leben erschuf. Im Mittelpunkt der Religion stehen die Ahnengeister (Nommo), urzeitliche, fischähnliche Wassergeister/Halbgötter, die für Fruchtbarkeit und Ordnung sorgen. Der Lebe-Kult, bzw. die Verehrung des Erdgottes und eines unsterblichen Ahnen, der durch die Nommo wiederbelebt wurde. Der Binou-Kult, eine Form der Ahnenverehrung, die mit Totems und Schreinen verbunden ist und die Maskengesellschaft (Awa), die durch Rituale wie den alle 60 Jahre stattfindenden Sigi-Tanz das Gleichgewicht der Welt sichern. Ein besonderer Kernaspekt der Dogon-Religion ist die Dualität, ein fundamentales Konzept, dass alle Wesen aus komplementären Gegensätzen bestehen (männlich/weiblich). Die Dogon flohen vor ca. 800 Jahren vor dem Islam in das Bandiagara-Felsengebiet (Mali) Die Dogon besitzen angeblich überliefertes astronomisches Wissen über den Stern Sirius B, der mit bloßem Auge unsichtbar ist. Religiöse Motive der Dogon zeigen oft die „Arche“, mit der die Nommo zur Erde herabgestiegen sein sollen, sowie Spiralen, die die Entstehung des Universums aus dem „kosmischen Ei“ symbolisieren.
Indigene Religionen
Hauptmerkmale indigener Religionen sind ihre
- Verbundenheit mit der Natur: Pflanzen, Tiere, Landschaften und Elemente werden als beseelt verehrt.
- Animismus und Geisterglaube: Überzeugung, dass Naturgeister und Ahnengeister die Welt beeinflussen
- Ahnenerehrung: Ahnen gelten als Schutzgeister oder Mittler.
- Schamanismus/Rituale: Medizinmänner oder Schamanen nehmen rituell Einfluss auf das Leben und das Gleichgewicht der Natur.
- Mündliche Überlieferung: Wissen wird durch Geschichten, Lieder und Mythen weitergegeben, nicht durch heilige Schriften.
Peyotismus ist eine indigene religiöse Bewegung in Nordamerika, bei der der Verzehr des halluzinogenen Peyote-Kaktus (Lophophora williamsii) als Sakrament im Zentrum steht. Sie entstand unter Stämmen wie den Kiowa und Comanchen. Ein wichtiger Wegbereiter war der Comanchen-Anführer Quanah Parker. Indigene Völker in Mexiko (z. B. die Huichol) nutzen den Kaktus aber bereits seit über 5.000 Jahren für spirituelle und medizinische Zwecke. Die moderne Form ist untrennbar mit der Native American Church (NAC) verbunden, die traditionelle indigene Spiritualität mit christlichen Elementen verbindet. Die Native American Church wurde 1918 gegründet, um den Kult vor staatlicher Verfolgung zu schützen. In sogenannten „All-Night-Ceremonies“ sind Gebete, Gesänge mit Wassertrommeln und Rasseln sowie der rituelle Verzehr des Kaktus üblich. Die Zeremonien finden üblicherweise in Tipis statt.
Die traditionelle Religion der Irokesen, nordamerikanische Indianer, die einer gemeinsamen Sprachfamilie angehören, ist polytheistisch, stark naturverbunden mit einem großen Pantheon an Göttern. Hauptmerkmale sind das Konzept einer alles durchdringenden, übernatürlichen Kraft, die in allen Wesen, Dingen und Naturerscheinungen steckt. Der Glaube an Tarachiawagon (Großer Geist) der als Schöpfer und Hüter des Himmels verehrt wird und Wohlwollen für sein Volk fordert. Eine besonders wichtige Rolle spielt der Vegetationsgott Heno, der früher etwa in Dürrezeiten mit dem Donnertanzfest um Hilfe gebeten wurde. Das Donnertanzfest ist eine zentrale Zeremonie der Irokesen-Konföderation, die der Begrüßung der „Donnerer“ dient, die im Frühling zurückkehren, um den Regen zu bringen und die Gewässer der Erde zu erneuern. Mythologisch gesehen schützen die Donnerer die Menschen vor gefährlichen, unterirdischen Wesen. Der Tanz wird traditionell von Männern im Langhaus ausgeführt und gilt als einer der wenigen rein religiösen Tänze, die nicht zur bloßen Unterhaltung aufgeführt werden. Die Irokesen nennen sich selber Haudenosaunee – „Menschen des langen Hauses“. Die durchschnittliche Länge dieser Häuser, die 5 bis 20 Familien beherbergten, betrug etwa 25 m, Breite und Höhe lagen bei etwa 6 m.
Die Lakota gehören zur Sprachfamilie der Sioux (Lakȟóta) und leben als Teil der „Sieben Ratsfeuer“ (Oceti Sakowin) primär in den Prärien von North und South Dakota. Sie glauben an Wakan Tanka (das Große Geheimnis/der Große Geist), die höchste spirituelle Kraft, die das gesamte Universum umfasst, oder die Summe all dessen, was als geheimnisvoll, mächtig oder heilig galt. Die Wakampi wiederum sind Geistwesen, übernatürliche Wesen und Kräfte die ihren Ursprung in Wakan Tanka haben. Im Glauben der Lakota sind sie unsterblich. Die Wakampi können sich Menschen gegenüber sowohl wohlwollend als auch bösartig verhalten, spielen jedoch vorrangig eine wichtige Rolle bei der Erschaffung und Lenkung des Universums. Die Religion der Lakota betont die Verbundenheit mit allem Leben (Mitakuye Oyasin – „wir sind alle verwandt“) und verehrt die Erde, Tiere und Naturphänomene. Die Lakota sind davon überzeugt, dass alles auf der Erde beseelt ist, einschließlich Steinen, Bäumen und Tieren. Zentrale Glaubenselemente sind die von der Weißen Büffelkalbfrau gesammelten 7 Heiligen Riten. Diese beinhalten die Schwitzhütte (Inipi), die Visionssuche (Hanbleceya) und den Sonnentanz (Wiwanyang Wacipi). Die heilige Pfeife (Chanunpa) dient als Brücke zum Schöpfer und übermittelt Gebete. Die Religion der Lakota vertritt eine dreieinige Auffassung des menschlichen Geistes oder der Seele, bestehend aus den unsterblichen Komponenten Niyá , Nağí und šicų . Niyá ist das Leben oder der Atem; Nağí ist der Geist oder die Seele; šicų ist der Schutzgeist. Letzterer wird den Kindern bei der Geburt von den Sternen gegeben, um sie ein Leben lang zu begleiten und Schutz und Führung zu bieten. Der Paiute-Prophet Wovoka erlebte am 1. Januar 1889 während einer Sonnenfinsternis eine Vision. Wovoka berichtete, er sei in den Himmel aufgestiegen, habe Gott getroffen und alle seine bereits verstorbenen Vorfahren in einem Zustand von ewiger Jugend und Glückseligkeit gesehen. Gott gab ihm den Auftrag, zur Erde zurückzukehren und seinem Volk eine göttliche Botschaft des Friedens und der Moral zu bringen. Sie sollten nicht stehlen, nicht lügen und nicht kämpfen. Die Indigenen sollten einen rituellen Geistertanz im Kreis in regelmäßigen Abständen ausführen. Wenn sie dies täten, würde eine Apokalypse eintreten, die die weißen Siedler wegfegt und die Erde in ihren ursprünglichen, paradiesischen Zustand mit großen Büffelherden zurückversetzt. Die Teilnehmer tanzten oft tagelang (oft fünf Nächte lang) in Trance, trugen teilweise spezielle „Geisterhemden“ und suchten die Verbindung zur Geisterwelt. Die US-Regierung interpretierte den Tanz fälschlicherweise als Vorbereitung für einen bewaffneten Aufstand. Dies führte zur Eskalation, zur Tötung von Chief Sitting Bull und schließlich zum Massaker von Wounded Knee am 29. Dezember 1890, bei dem hunderte Lakota starben.
Daneben gibt es auch Weltanschauungen die den Gottesglaube leugnen oder auf gänzlich andere Weise interpretieren:
Atheismus ist die Ablehnung des Glaubens an Gott oder Götter (= schwacher Atheismus) oder die bewusste Überzeugung, dass keine Götter existieren (starker Atheismus). Den Atheisten reicht es zu wissen, dass der Mensch geboren wird, sein Leben lebt und stirbt.
Agnostizismus ist eine philosophische Ansicht, nach der die Existenz oder Nichtexistenz einer höheren Instanz (Gott) – ungeklärt oder grundsätzlich nicht beweisbar sind. Im Gegensatz zum Atheismus (der die Existenz Gottes verneint) und dem Theismus (der sie bejaht), bezieht sich der Agnostizismus auf das Wissen. Ein Agnostiker sagt: „Ich weiß es nicht“ oder „Es ist nicht möglich, es zu wissen“, weil die menschliche Vernunft nicht ausreicht, um transzendente Fragen abschließend zu beantworten.
Indifferentismus: Das Phänomen „religiöser Indifferentismus“ beschreibt im Gegensatz zum breit erforschten Feld des Atheismus eine Nicht-Haltung gegenüber Glaubensfragen. Religiöser Indifferentismus ist die Auffassung, dass es keinen Unterschied macht, welcher Religion man angehört, da alle Religionen gleichermaßen wahr (oder unwahr) seien oder zum selben Ziel führten. Gott ist den Menschen egal. So lautet die Kernthese.
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1Der Existenzialismus ist eine Philosophie, die den Menschen in seiner absoluten Freiheit und Eigenverantwortung ins Zentrum stellt. Der Grundgedanke lautet: „Die Existenz geht der Essenz voraus“. Das bedeutet, der Mensch existiert zuerst ohne festes Wesen oder Schicksal und bestimmt sein Selbst durch Handlungen und Entscheidungen selbst. Es gibt den atheistischen Existenzialismus (Sartre, Camus, Heidegger), der die Selbstbestimmung ohne Gott betont, und den christlichen Existenzialismus (Kierkegaard, Marcel), der den Sinn in Gott sucht. 2Der achtfache Pfad ist die vierte der Vier edlen Wahrheiten des Siddhartha Gautama (Buddha) und gibt eine Anleitung zum Erreichen der Erlösung (Nirwana). 3Kastenwesen ist die religiös begründete, streng hierarchische Aufteilung einer Gesellschaft in genau von einander abgegrenzte Schichten (Kasten), die sich durch gemeinsame Sitten und Lebensformen auszeichnen.