Die Christus-Reliquien
Reliquien sind Gegenstände kultischer religiöser Verehrung. Ein irdischer Überrest der Körper oder Körperteile von Heiligen oder ein Überbleibsel des jeweiligen persönlichen Besitzes. Sonderformen der Reliquien sind Berührungsreliquien, Gegenstände, mit denen Heilige zu Lebzeiten in Berührung kamen oder gekommen sein sollen, sowie Sekundärreliquien, Gegenstände, die beispielsweise mehrere Tage am Grab eines Heiligen waren und so selbst zu einer Reliquie werden.
Der Schwarze Stein ist eine heilige islamische Reliquie, die in der östlichen Ecke der Kaaba in Mekka eingemauert ist. Sie soll vom Erzengel Gabriel aus dem Paradies zur Erde gebracht worden sein. Ursprünglich soll der Stein strahlend weiß gewesen sein und sich erst durch die Sünden der Menschen schwarz verfärbt haben. Die genaue geologische Zusammensetzung ist nicht abschließend geklärt, da der Stein nie mit modernen wissenschaftlichen Methoden direkt im Labor untersucht wurde. Der sichtbare Teil besteht heute aus mehreren dunklen Bruchstücken (ca. 9,7–27 mm), die in einer dunklen Masse eingebettet und von einem silbernen Rahmen geschützt werden. Im Jahr 930 n. Chr. wurde der Stein von den Qarmaten (einer ismailitischen Sekte) geraubt und für über 20 Jahre in deren Stützpunkt in Al-Hasa festgehalten, bevor er nach Mekka zurückkehrte. Die verbreitetste wissenschaftliche Annahme ist, dass es sich um einen Meteoriten handelt. Andere Hypothesen vermuten Tektit (Glas durch Meteoriteneinschlag) oder vulkanisches Gestein wie Basalt.
Eine Zahnreliquie Buddhas, der linke Eckzahn, wird im Sri Dalada Maligawa (Zahntempel) in Kandy, Sri Lanka, in einem goldenen Schrein aufbewahrt. Der Zahn soll nach Buddhas Einäscherung in Kushinagar, Indien, gerettet worden sein. Im Stadtviertel Chinatown beherbergt der Buddha Tooth Relic Temple & Museum ebenfalls eine Zahnreliquie, die in einer riesigen Stupa aus 320 kg Gold ausgestellt ist. Ein weiterer Eckzahn wird in der Zahnreliquien-Pagode des Lingguang-Klosters verehrt.
Die Saint Anthony Chapel (Pittsburgh, USA) beherbergt die weltweit zweitgrößte Reliquiensammlung (nach dem Vatikan). Unter den über 5.000 zertifizierte Reliquien befinden sich ein Splitter vom Heiligen Kreuz, ein Dorn der Dornenkrone, ein Zahn des Heiligen Antonius von Padua sowie Gebeine aller Apostel. In der „Kammer der Heiligen Reliquien“ im Topkapi-Palast (Istanbul) befinden sich bedeutende islamische Reliquien, darunter der Mantel, ein Barthaar und der Zahn des Propheten Mohammed sowie der Stab des Moses. Wichtige Sammlungen im deutschsprachigen Raum sind der Domschatz von Aachen mit den Reliquien Karls des Großen (Krone, Zepter, Reichsschwert und Reichsapfel), der Dreikönigenschrein im Kölner Dom, die Reliquienkammer in der Residenz München oder der Eibinger Reliquienschatz.
Eine weitere weltbekannte Reliquie, der Schädel der Maria Magdalena befindet sich in der Basilika Saint-Maximin-la-Sainte-Baume in der Provence. 1974 durchgeführte Analysen ergaben, dass der Schädel einer Frau mediterraner Herkunft gehörte, die etwa 50 Jahre alt wurde. Eine DNA-Analyse zur endgültigen Identifizierung wurde von der katholischen Kirche bisher nicht gestattet. Obwohl die anthropologischen Daten (Alter, Geschlecht, Herkunft) mit der Überlieferung zu Maria Magdalena kompatibel sind, gibt es bisher keinen wissenschaftlichen Beweis für die Authentizität des Schädels. Ohne einen Vergleich mit Proben naher Verwandter oder eine Analyse der geografischen Herkunft bleibt die Identität spekulativ. Da auch keine C14-Datierung durchgeführt wurde, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, ob der Schädel tatsächlich aus dem 1. Jahrhundert stammt.
Eine besondere Verehrung genießen die Christusreliquien. Die meisten Christusreliquien werden im Vatikan, in der Basilika Santa Croce in Gerusalemme aufbewahrt. Unter den Reliquien befinden sich Gegenstände, denen folgender Ursprung zugeschrieben wird: kleinste Teile des Kreuzes Christi selbst (das große Holzstück des Heiligen Kreuzes im Vatikan wurde aus Santa Croce in Gerusalemme im Jahr 1629 in den Petersdom gebracht), ein Querbalken eines der Schächerkreuze, zwei Dornen der Dornenkrone, ein Heiliger Nagel vom Kreuz Christi und die Hälfte des Kreuzestitulus, der ursprünglich in einen Mauerbogen der Helenakapelle versteckt eingebettet und mit einem Stein mit der Aufschrift Titulus Crucis gekennzeichnet war. Diese Reliquien wurden einer Legende nach von Kaiserin Helena aus dem Heiligen Land mitgebracht. Als wichtigste Christusreliquie kann das Heilige Kreuz gelten, an dem Jesus Christus starb. Die Authentizität der Christusreliquien ist allerdings umstritten.
Zu den bedeutendsten Christusreliquien des Mittelalters zählen die Sandalen Christi. Papst Zacharias (741 bis 752) soll sie dem König der Franken Pippin III im Jahr 752 übereignet haben. Für Pippin waren die Sandalen sehr nützlich. Er hatte vor, die Abtei Prüm, in der Eifel, aufzuwerten. Also überließ er der Abtei riesigen Grundbesitz (Prümer Urbar) und zudem, wiederum auch zur Legitimation, die Reliquie. Die Abteikirche von Prüm erhielt daraufhin den Namen Sankt Salvator (Heiliger Erlöser), und das Kloster wurde in der Folge die bedeutendste Abtei und das Hauskloster der Karolinger. 1794 wurden die Sandalen und andere Reliquien vor den heranrückenden Revolutionstruppen in Sicherheit gebracht und gelangten nach Frankfurt, von wo aus sie 1810 nach Prüm zurückgelangten. Die Sandalen Christi, genauer: die Überreste eines reich verzierten Stoffschuhs aus der Merowingerzeit (fünftes bis achtes Jahrhundert), in den Reste der Sandalen Christi eingearbeitet worden seien, sind heute noch in der Sankt-Salvator-Basilika in Prüm zu sehen.Beim Grabtuch von Turin steht die kirchliche Anerkennung als Reliquie nach wie vor aus.
- Der heilige Gral
- Das heilige Kreuz
- Die Kreuzinschrift
- Die heiligen Nägel
- Die heilige Lanze
- Der heilige Rock
- Das heilige Grab
- Die Dornenkrone
- Das Turiner Grabtuch
- Das Abgarbild
Eine Reliquie die nur indirekt mit Christus zu zu tun hat, ist das heilige Haus. In der Basilika von Loretto steht hinter dem Altar ein kleines Haus – die „Santa Casa“ . Das Heilige Haus von Loreto ist der Überlieferung nach das Haus, in dem Maria, die Mutter Jesu, aufwuchs und in dem sich die Verkündigung des Herrn ereignete. Engel sollen das Haus im 13. Jahrhundert aus Nazareth durch die Lüfte nach Loreto transportiert haben, damit es nicht in die Hände der Muslime fiel. Das Haus ist 9,25 Meter lang, 4,1 Meter breit und 5 Meter hoch. Ein einziges kleines Fenster, spendet etwas Licht. Durch dieses Fenster gelangte der Überlieferung zufolge der Erzengel Gabriel ins Haus. Das Heilige Haus hat nur drei Wände. Es soll mit der vierten Seite genau an den Eingang der Verkündungsgrotte unter der Verkündigungsbasilika in Nazareth passen. Im Jahr 1263 wurde Nazareth von den Muslimen erobert und die Verkündigungsbasilika auf Befehl des Sultans Baibars I. zerstört. Damals wurden zahlreiche Reliquien nach Europa verschifft. In einem Mitgiftverzeichnis des Ehevertrages der Prinzessin Thamar Angelina Komnene von Epirus mit dem französischen Königssohn Philipp I. von Tarent von 1294 sind Steine, die vom heiligen Haus aufgeführt. Sie wären 1291 zunächst in das illyrische Epirus und nach der Eheschließung nach Italien gelangt und in Loreto wieder aufgebaut worden. Untersuchungen der Steine zeigten Graffiti mit aus hebräischen Buchstaben entwickelten christlichen Monogrammen, wie sie auch aus Jerusalem bekannt sind. Zumindest die Herkunft scheint damit sicher zu sein. Das Haus hat kein eigenes Fundament, was ein weiterer Beleg dafür sein könnte, dass die Geschichte im Kern wahr ist.“ Das Heilige Haus wurde in Loreto zunächst mit einer kleinen Kirche überbaut. Erst im 15. Jahrhundert wurde damit begonnen, die Basilika über das Heilige Haus zu bauen.