Der Sacambaya-Schatz

Die SCHATZSUCHE von STRATFORD D. JOLLY

Die Geschichte von dem Schatzsucher STRATFORD D. JOLLY beginnt in der Salle Prive in Monte Carlo an einem Tag im Januar 1928. Dort traf er Edgar Sanders einen Bergbauingenieur und ein alter Bekannter von ihm. Er erzählte das er nach Bolivien fliegen wolle, um dort erneut nach dem Sacambayaschatz zu suchen. Ich sollte ihn begleiten. Die ganze Vorgeschichte ist nachzulesen in einer Broschüre mit dem Titel „Die Geschichte des Jesuitengoldes, Minen in Bolivien und der Schatz am Sacambaya River, von Dr. Edgar Sanders, Ph.D. Eine der wichtigsten Hochburgen der Jesuiten war das Festungskloster von Plazuela. Das Kloster wurde 1635 an der Stelle wo der Fluss Khato in den Sacambaya mündet, erbaut. Jahrzehnte schürften die Jesuiten Gold in den Minen der umliegenden Berge, darunter die berühmten Goldminen von El Carmen und Tres Tertilias. Die spanische Krone beanspruchte ein Fünftel aller Schätze aus den Herrschaftsgebieten der Neuen Welt, ob Gold, Silber oder kostbare Steine, aber die Jesuiten zahlten diese nie. Im Jahr 1767 erließ die spanische Krone deshalb ein Dekret alle Jesuiten aus Südamerika zu vertreiben. Das Ende kam 1778, elf Jahre nach dem Erlass des Dekrets, als spanische Truppen die Anden überquerten, mit dem eindeutigen Befehl zur Deportation der Jesuiten nach Europa und zur Konfiszierung des gesamten angehäuften Gold. Laut den Aufzeichnungen wird der Wert des Plazuela-Schatzes auf sechzig Millionen Duros Reales (etwas über 12.000.000 £ in heutigem Geld) geschätzt. Dieser immense Schatz war das Ergebnis elfjähriger Ausbeutung der beiden oben genannten Goldminen und vieler Silberminen. Die Einnahmen des Ordens erreichten damals enorme Summen. Als die spanischen Truppen ankamen, fanden sie das große Kloster verlassen und keine Spur vom Jesuitengold. Die Jesuiten hatten ihre Schätze versteckt. Auch unter Folter verriet keiner der dort lebenden Indianer den Ort des Verstecks. Die Soldaten mussten das Land mit leeren Händen wieder verlassen. Seither wurden viele Anstrengungen unternommen, den Schatz der Jesuiten zu finden. So etwa durch General Mariano Melgarejo, Präsident von Bolivien, der um das Jahr 1865 mit einem großen Trupp von Soldaten nach Plazuela ging und dort erfolglos nach dem Schatz zu graben. Sowohl er als auch andere spätere Schatzsucher hatten keine Ahnung wo die Jesuiten ihr Gold versteckt hatten. Einer lokalen Überlieferung zufolge sollte sich das Versteck in einem Hügel namens Negro Muerto am rechten Ufer des Flusses Sacambaya befinden, wo auch das Kloster stand. Der Name kommt von einer Höhle auf einer Höhe von 13.000 Fuß oberhalb des Klosters. Fast dreihundert Indianer waren dort begraben worden. Angeblich waren sie das Opfer einer Epidemie waren, aber einem anderen Bericht zufolge waren es jene Indianer, die  halfen, den Schatz in Sacambaya zu verstecken und danach umgebracht wurden. Tatsächlich war der Schatz aber im Caballo oder Cavallo Cunca versteckt, einem steilen Hügel am linken Ufer des Flusses. Doch diese Tatsache war bis zum Jahr 1905 nicht bekannt. Einer der deportierten Jesuiten, Pater Gregorio San Roman, hatte einen jüngeren Bruder, der 1778 Präfekt der peruanischen Stadt Callao war. Bevor Pater San Roman nach Spanien zurückkehrte besuchte er seinen Bruder in Callao und hinterließ ihm eine Beschreibung des Verstecks, die später als San Ramon Manuskript bekannt wurde. Es ist ein steiler Hügel am linken Ufer des Flusses Sacambaya gegenüber dem Kloster von Plazuela, bedeckt mit dichtem Wald, die Spitze des Hügels ist flach mit langem Gras bewachsen. Mitten im hohen Gras, liegt ein großer Stein in Form von einem Ei. Wenn Sie unter diesem Stein fünf Cordas (= 165 m) (> Die Corda war ein altes italienisches Maß und entsprach etwa 33 m) tief graben, stoßen sie auf das Dach einer großen Höhle. Fünfhundert Indianer brauchten zweieinhalb Jahre, um diese auszuhöhlen. Das Dach der Höhle ist vierundzwanzig Cordas (= 792 m) lang und es gibt zwei Kammern. Ein langer schmaler Gang, führt von der Kammer auf der Ostseite zum Haupteingang, zweihundert Cordas (= 7 km) entfernt. Beim Erreichen der Tür müssen Sie große Vorsicht walten lassen. Die Tür ist aus Eisen und innen rechts, an der Wand steht eine Statue der Madonna, gemacht aus reinem Gold, drei Fuß hoch, die Augen zwei große Diamanten; sie wurde dort zum Wohle der Menschheit aufgestellt. Wenn Sie den Gang weitergehen, finden Sie in der ersten Kammer siebenunddreißig Haufen Gold und viel Gold, Silberschmuck und Edelsteine. Beim Betreten der zweiten Kammer finden Sie in der rechten Ecke eine große verschlossene Kiste; in dieser Kiste sind neunzig tausend Duros Reales in Silbergeld und dreißig Säcke mit Gold. Verteilt in Vertiefungen auf beiden Seiten des Tunnels und in den beiden Kammern sind insgesamt einhundertsechzig Haufen von Gold versteckt, deren Wert auf sechzig Millionen Duros Reales geschätzt wurde. Beim Betreten der Kammern ist große Sorgfalt geboten, denn es wurde Gift ausgelegt, das ausreicht, um ein ganzes Regiment niederzustrecken. Die Wände der beiden Kammern wurden durch große Granitblöcke verstärkt; die Kammern befinden sich in einer Tiefe von fünf cordas (= 165 m) gut bedeckt mit Erde und Steinen. Wenn Sie den Gang weitergehen kommen sie an eine Mauer zwanzig Fuß (ca. 38 m) hoch. Hinter der Mauer liegt der Fluss, denn sie überqueren müssen, um auf der anderen Seite auf das Kloster, die  Kirche und andere Gebäude zu stoßen. Im Jahr 1905, suchte der Engländer Cecil Prodgers mit einem Team nach dem Schatz. Doch er wurde krank und musste nach England zurückkehren. Dort traf er Sanders und übergab diesem seine Aufzeichnungen. Er hatte geschrieben „Als ich dort ankam“, „wurde mir klar, ich hatte den richtigen Hügel gefunden. Die wesentlichen Punkte in San Romans Dokument war absolut korrekt. Doch verschiedene Hinweise ließen mich zu dem Schluss kommen, dass das Dokument nicht wirklich vom Jesuiten Gregorio San Roman selbst stammte. Ich vermute, dass Folgendes passiert ist: „Als Pater San Roman auf seiner Rückreise durch Callao kam, traf er sicherlich seinen Bruder, den Präfekten. Diesem erzählte er von dem Schatz, mit Einzelheiten, wie er zu finden sei. Es war wahrscheinlich der Bruder, der die erhaltenen Informationen aufgezeichnet hatte. Dies würde auch erklären, warum alle wesentlichen Punkte richtig, aber einige Details falsch, oder vielmehr unverständlich waren. Eines dieser verwirrenden Details ist die Annahme, dass der eigentliche Eingang zur Schatzhöhle sich unter dem eiförmigen Stein befindet. Ich glaube, der eiförmige Stein wurde nur dort platziert um den richtigen Hügel zu markieren. Als eine Art Markierung und das der Haupteingang zur Höhle sich in einer Entfernung von zweihundert cordas (etwa 7 km) in Richtung Kloster befindet. Als ich bei Ausgrabungen herausfand, dass der Eingang zu den Schatzkammern nicht unterhalb des eiförmigen Stein lag, beschloss ich den gesamten Hügel abzusuchen um den Eingang zu finden. 1926 waren meine Bemühungen erfolgreich. Als erstes entdeckte ich eine riesige, künstliche Steinstruktur, einen quadratischen Steinhaufen, den Square Stone Heap. Ein perfektes Rechteck, zweifellos von Menschenhand gemacht. Die Struktur war grob gemessen, sechshundert und achtzehn Fuß lang und einhundertacht und zwanzig Fuß breit. Die genaue Entfernung zum eiförmigen Stein ist nicht genau bekannt, aber grob geschätzt müsste er ungefähr zweihundert Cordas (= 7 km)  entfernt vom Steinhaufen liegen. Des Weiteren entdeckte ich einen Tunnel. Ich glaube, das ist einer der sekundären Eingänge zu den Kammern. Der Tunneleingang liegt direkt gegenüber dem Hügel auf dem das Kloster von Plazuela steht, etwas abseits vom Square Stone Heap. Das Tunneldach liegt über dem Niveau des Flusses und der Tunnelboden etwa zwanzig Fuß unter dem Flussniveau. Der Tunnel war vom Boden bis zum Dach mit Erde und Steinen befüllt. Als wir uns mühselig durchgegraben hatten, stießen wir etwa vier Meter weiter auf eine unzementierte Wand aus losen Steinen, die die gesamte Breite des Tunnels blockierte. Hinter der Wand fanden wir ein Kruzifix und eine Steinkiste, in der ein rundes Stück Holz offenbar ursprünglich ein Holzgehäuse, plaziert war. Darin befand sich ein gut erhaltenes Stück Pergament, auf dessen einer Seite in Spanisch geschrieben stand:

„Wenn Sie diesen Ort erreichen, ziehen Sie sich zurück. Dieser Ort ist dem allmächtigen Gott gewidmet und demjenigen, der es wagt, einzutreten erwartet ein schmerzlicher Tod und ewige Verdammnis in der Welt, in die er geht. Haltet euch fern von diesem Ort, denn wir haben hier Reichtümer versteckt, die ihr nicht anrühren sollt. Die Reichtümer, die gehören Gott und sind nicht für Menschen bestimmt. Im Namen Gottes, der Vater, Sohn und Heiliger Geist. Amen.‘“

Das Schriftstück wurde von Professor Sir Edward Denison Ross, CIE, Ph.D., MRAS, FASB, Direktor der Schule für Orientalische Studien der Universität London und einer der größten lebenden Autoritäten für solche Manuskripte untersucht und für echt erklärt. Dieses Schriftstück ist meiner Meinung nach ein schlüssiger Beweis, dass dieser Tunnel einer der Eingänge in die Kammern ist, in denen der Schatz aufbewahrt wird. Der Tunnel war sehr gut versteckt und gründlich ausgefüllt mit Steine ​​und Schutt. Offenbar hofften diejenigen, die ihn gebaut haben, dass niemand ihn finden würde, aber falls das doch passieren sollte, ließen sie das Pergament dort, um die Leute abzuschrecken. Dass der Schatz am Ende des Tunnels versteckt ist wird durch die folgenden Sätze angedeutet:

* Die Reichtümer, die Gott, unserem Herrn, gehören, sind nicht für Menschen/ „ * Haltet euch fern von diesem Ort, denn wir haben hier Reichtümer versteckt, die ihr nicht anrühren sollt/“

Doch im Juli endete der Tunnel in einer Sackgasse. Und es war klar, dass die Schatzsucher auf unberührten Fels gestoßen waren. Es besteht daher auch die Möglichkeit, dass der Tunnel bewusst als Sackgasse angelegt wurde. Dass die Jesuiten den Tunnel nur gegraben hatten um darin das Kruzifix und das Pergament zu deponieren, in der Hoffnung, die Suchenden würden veranlasst werden, ihre Bemühungen auf eben diesen bestimmten Ort, der aber eine halbe Meile vom Standort des Square Stone Heap lag, zu konzentrieren. Und dass die Enttäuschung sie schließlich dazu bringen würde, die Suche aufzugeben. Es gab immer die Möglichkeit das der Schatz entweder beim Kloster Plazuela, dem Priorat Cuticutini der Skeletthöhle auf dem Hügel Negro Muerto oder dem Square Stone Heap vergraben sein könnte. Das Priorat von Cuticutini, das früher eine Inkafestung war, lag auf einem Vorgebirge an der Kreuzung der beiden Flüsse Khato und Cuti?. Beide Flüsse führen häufig Hochwasser. mit der Folge, dass im Laufe von Jahren viel von der Landzunge, auf der das Priorat stand weggespült worden war. Was noch übrig blieb, ist ein Gebiet etwa 350 Meter lang und 100 Meter Meter breit. Vom Priorat selbst waren nur noch Ruinen vorhanden. Fast alle ehemaligen Schatzsucher hatte mit ihrer Suche nach dem Schatz von Sacambaya jedoch auf dem Gipfel des Cavallo Cunca begonnen. Auch Prodgers. Er hatte unter anderem auch den fünf Meter hohen und mit vierzehn Meter Durchmesser großen Egg-Stein, der ursprünglich den Hügel Cavallo Cunca krönte, mit Dynamit gesprengt. Er glaubte dass er das Dach einer Kammer entdeckt hatte, die mit großen Platten aus massivem Felsgestein bedeckt war. Doch trotz aller Mühe gelang es ihm nicht zur Höhle vorzustoßen. Er starb, bevor er seine Arbeit beenden konnte. Sanders und ich beschlossen die Spitze des Hügels nochmals zu erkunden. Wir glaubten, dass der Schacht ursprünglich ein Bergwerk gewesen sein könnte. Wenn die Mine ausgebeutet worden wäre, hätten die Jesuiten einige der Schächte und Tunnel nutzen können um den zweihundert Cordas langen Tunnel zur Schatzkammer zu bauen. Ein alter Indianer, angeblichh 137 Jahre alt, hatte einem seiner Nachkommen, der für uns arbeitete, erzählt, dass wir den Schatz am richtigen Ort suchten! Er sagte uns, er erinnere sich, wie sein Vater ihm erzählte, dass die Jesuiten an genau dieser Stelle große Erdarbeiten durchgeführt hätten. Die erneute Erkundung des Hügels schien aussichtsreich, denn eine Gruppe Schatzsucher hatte im vorherigen November mit einer Goldsuchmaschine überall in Plazuela, Cavallo Cunca und dem Hügel Negro Muerto nach Edelmetallen gesucht. Sie hatten keine Ergebnisse erzielt, doch als sie den Square Stone Heap erreichten, hätte der Indikator am Gerät ausgeschlagen. Da mittlerweile die Regenzeit angebrochen war, wurde die Suche für dieses Jahr abgebrochen. Sanders kehrte nach Europa zurück, um später eine neue Expedition zu organisieren. Im Jahr 1926 kam er zurück und führte seine Suche fort. Doch alle Versuche den Schatz zu bergen waren erfolglos.

Fasst man alle Hinweise zusammen ergeben sich folgende Möglichkeiten für eine Suche nach dem Sacambaya-Schatz: Entweder beim Kloster Plazuela, dem Priorat Cuticutini, der Skeletthöhle auf dem Hügel Negro Muerto oder dem Square Stone Heap. Wobei letzterer am aussichtsreichsten erscheint.