Tödliche Berge

Ein Erdrutsch ist das Abgleiten größerer Erd- und Gesteinsmassen, meistens ausgelöst durch starke Niederschläge (langandauernder Regen oder Starkregen) und das dadurch bedingte Eindringen von Wasser zwischen vorher gebundene Bodenschichten. Durch die Schwerkraft und die Verminderung der Haftreibung zwischen den Bodenschichten rutscht der Hang (bei ausreichend großer Hangneigung) ab. Ein großer Erdrutsch wird auch Bergrutsch oder Bergsturz genannt. Ein Erdrutsch unterscheidet sich vom Bergsturz durch die geringere Geschwindigkeit. Bei Bergstürzen verhält sich das Gestein großräumig wasserähnlich, kann auf einer geneigten Gleitbahn eine Geschwindigkeit von über 100 km/h erreichen und sogar an gegenüberliegenden Hängen aufbranden. Die Ablagerungsgebiete können Volumina von mehreren Millionen Kubikmetern und Flächenausdehnungen von mehr als 10 Hektar erreichen. Ein Erdrutsch bewegt sich meist in komplexer, rotierender Bewegung nach unten. Je nach Entstehungsort können auch Bäume, Eis- oder Schneemassen oder Bestandteile menschlicher Bauwerke zum Materialstrom beitragen. Diese Art von Naturkatatrophe wird oft unterschätzt. Doch die Folgen sind katastrophal – oft müssen ganze Siedlungen evakuiert werden. Erdrutsche werden meist durch anhaltende Regenfälle und Starkregen ausgelöst, da der starke Niederschlag die Bodenschichten auflöst und auseinander schwemmt. Begünstigt werden Erdrutsche außerdem durch vorherige Naturkatastrophen wie starke tektonische Bewegungen und oder durch Frost. Starker Schneefall kann ebenso denselben Effekt wie Regen haben und zur Verringerung der Haftreibung beitragen. Als anthropogene Ursache für einen Erdrutsch gilt beispielsweise die Abholzung der Wälder oder der Bergbau. Besonders in Entwicklungsländern haben Erdrutsche enorme Auswirkungen auf Menschen und ihre Umgebung. Nicht selten führen Bergrutsche zu Obdachlosigkeit, Nahrungsmittelverlust oder im schlimmsten Fall zum Tod der betroffenen Menschen. Weltweit besonders betroffene Regionen: West- und Zentral-Afrika, Myanmar, Haiti, Nepal, Bangladesch, Sri Lanka aber auch das Gebiet um den Ätna in Sizilien

Die größten Erdrutsche der Geschichte

1. Der Yungay-Erdrutsch, Peru (1970) Der Yungay-Erdrutsch von 1970 war eine katastrophale Schuttlawine, die durch das schwere Ancash-Erdbeben ausgelöst wurde und die peruanische Stadt Yungay sowie zehn umliegende Dörfer zerstörte. Der Erdrutsch wurde durch ein starkes Erdbeben der Stärke 7,9 ausgelöst, dessen Epizentrum vor der Küste Perus im Pazifischen Ozean lag. Yungay und das nahe gelegene Ranrahirca wurden fast vollständig begraben, wobei Schätzungen zufolge 18.000 bis 20.000 Menschen in Yungay ums Leben kamen.
2. Die Erdrutsche nach dem Haiyuan-Erdbeben, China (1920) Das Beben löste Tausende von Lössrutschungen aus, da die Erde in der Region aus lockerem, durch Wind abgelagertem Löss bestand. Im Epizentrum erreichte das Beben die höchste Stufe (XII) auf der Mercalli-Skala, was einer totalen Zerstörung entspricht.Ganze Dörfer wurden unter Schlamm und Gestein begraben, wie zum Beispiel Sujiahe im Kreis Xiji, wo die meisten Häuser zerstört wurden. Die Zahl der Todesopfer wird auf mindestens 258.000 bis 273.000 geschätzt, allein 73.000 Menschen starben im Kreis Haiyuan.
3. Die Armero-Tragödie, Kolumbien (1985) Die Armero-Tragödie war eine verheerende Naturkatastrophe in Kolumbien, als der Ausbruch des Vulkans Nevado del Ruiz eine massive Schlammlawine (Lahar) auslöste, die die Stadt Armero fast vollständig unter sich begrub und rund 23.000 bis 25.000 Menschen tötete. Der Nevado del Ruiz, ein schneebedeckter Vulkan, brach nach längerer Ruhephase aus und schmolz dabei die Eis- und Schneekappe. Das geschmolzene Eis vermischte sich mit vulkanischer Asche und Geröll zu einem schnell fließenden Schlammstrom, der mit hoher Geschwindigkeit ins Tal raste. Die Lawine erreichte Armero am späten Abend, begrub 85 % der Stadt unter mehreren Metern Schlamm und Geröll und tötete die meisten Einwohner.
4. Der Erdrutsch von Diexi, China (1933) Der Erdrutsch von Diexi 1933 war eine katastrophale Folge eines Erdbebens der Stärke 7,5 in Sichuan, China, der nicht nur die Stadt Diexi zerstörte und über 9.000 Menschen tötete, sondern auch den Minjiang-Fluss blockierte und riesige Erdrutschseen bildete, deren Durchbruch 45 Tage später eine verheerende Flutwelle auslöste, die weitere Tausende das Leben kostete und die alte Stadt unter dem Diexi-See versenkte.
5. Der Erdrutsch am Vulkan Casita, Nicaragua (1998) Der Erdrutsch am Vulkan Casita in Nicaragua ereignete sich 1998 infolge des Hurrikans „Mitch“ und führte zu einer katastrophalen Schlammlawine, die mehrere Gemeinden unter sich begrub. Die Katastrophe wurde durch zehn Tage Dauerregen ausgelöst. Dieser extreme Niederschlag führte zu einem Aufbau von überschüssigem Porenwasserdruck in den stark zerklüfteten Felsen der Vulkanflanke, was eine Hanginstabilität verursachte. Schließlich brach ein großer Teil der Südflanke des Vulkans ab und rutschte als riesige Lawine aus Steinen, Bäumen, Wasser und Schlamm (ein sogenannter Lahar) ins Tal. Sieben Gemeinden, darunter El Porvenir und Rolando Rodriguez, wurden vollständig unter meterhohen Schlammmassen begraben und  das umliegende Land auf einer Fläche von rund 28 qkm zerstört. Offiziell wurden 864 Tote geborgen. Es wird jedoch davon ausgegangen, dass insgesamt über 2.000 Menschen ums Leben kamen, da weitere rund 1.500 Menschen unter dem Schlamm begraben blieben und nie geborgen werden konnten.
6. Die Vargas-Tragödie, Venezuela (1999) Die Vargas-Tragödie  war eine verheerende Naturkatastrophe in Venezuelas Bundesstaat Vargas, ausgelöst durch tagelange, extreme Regenfälle, die zu massiven Erdrutschen und Schlammlawinen führten und Tausende von Menschenleben forderten (Schätzungen 10.000–30.000) sowie die Küstenregion und Infrastruktur zerstörten.
7. Der Erdrutsch von Oso, Vereinigte Staaten (2014) Dieser tödlichste einzelne Erdrutsch in der Geschichte der Vereinigten Staaten.  wurde durch ungewöhnlich starke Regenfälle in den vorangegangenen Wochen ausgelöst, die den Boden sättigten und instabil machten. Ein kollabierter Hang  raste mit einer Geschwindigkeit von etwa 64 km/h über den North Fork Stillaguamish River hinweg. Dabei wurden etwa 50 Häuser zerstört und ein fast 1,6 km langer Abschnitt der State Route 530 begraben. Rund 18 Millionen Tonnen Material (Sand, Lehm und eiszeitliche Ablagerungen) rutschten ab. Die Trümmerwand erreichte Höhen von bis zu 21 Metern und legte eine Strecke von fast 1,5 km zurück. 43 Menschen verloren ihr Leben.
8. Die Aberfan-Katastrophe, Wales Eine instabile Abraumhalde der Zeche Merthyr Vale Colliery rutschte nach heftigen Regenfällen ab. Die Halde war auf natürlichen Wasserquellen errichtet worden, was den Schlamm verflüssigte und eine Lawine aus rund 140.000 Kubikmetern Bergwerksschutt auslöste. Die schwarze Schlammlawine raste mit hoher Geschwindigkeit den Berghang hinunter und begrub die Pantglas Junior School sowie mehrere Wohnhäuser unter sich. Insgesamt starben 144 Menschen, darunter 116 Kinder, die sich zum Zeitpunkt des Unglücks gerade in ihren Klassenzimmern befanden. Die Aberfan-Katastrophe gilt als eines der schwersten Grubenunglücke in der britischen Geschichte.
9. Die Erdrutsche von Zhouqu, China (2010) Die Erdrutsche von Zhouqu ereigneten sich 2010 in der nordwestchinesischen Provinz Gansu und forderten mindestens 1.144 Todesopfer. Ganze Dörfer und Teile der Stadt Zhouqu wurden von den gewaltigen Schlammmassen begraben oder überflutet. Gebäude wurden zerstört, und Straßen, Brücken sowie Telefon- und Stromverbindungen wurden unterbrochen. Auslöser waren heftige Monsunregenfälle, die in Kombination mit topografischen und möglicherweise auch menschlichen Faktoren (wie Abholzung) zu der Katastrophe führten. 
10. Die Erdrutsche von Kedarnath, Indien (2013) Die Erdrutsche und Überschwemmungen in der Region Kedarnath im Juni 2013 waren eine der verheerendsten Naturkatastrophen in der Geschichte Indiens, ausgelöst durch extrem starke Monsunregenfälle und einen Wolkenbruch. Die massiven Regenfälle führten in Verbindung mit einer Gletscherschmelze zu einem Dammbruch des Chorabari-Gletschersees, der sich flussaufwärts des Kedarnath-Schreins befand. Die daraus resultierende riesige Wassermenge bahnte sich ihren Weg durch das Tal. Die Kombination aus Wasser und Geröll, ein sogenannter Murgang, zerstörte auf seinem Weg durch das Mandakini-Tal Häuser, Brücken, Dämme und ganze Städte, einschließlich des Pilgerortes Kedarnath. Offiziellen Angaben zufolge wurden mehr als 6.000 Menschen getötet oder gelten als vermisst.

Zu den Hauptauslösern von Erdrutschen gehören:

  • Erdbeben (die Vibrationen lockern Hänge)
  • vulkanische Aktivität (Vulkanausbrüche und schmelzendes Eis erzeugen Lahare)
  • Starkregen (Wassersättigung schwächt den Boden)
  • Gletscherschmelze (destabilisiert Hänge in hohen Gebirgen)
  • menschliche Aktivität (Abholzung, Bergbau und Bautätigkeiten beschleunigen die Erosion)

Gegen Erdrutsche, bei denen sich Millionen Kubikmeter Erde lösen, sind die Menschen machtlos. Hier hilft nur Beachtung der geologischen Lehren die aus Erdrutschen gezogen werden können sind: 

  1. Gefahrenzonen erkennen. Historische Aufzeichnungen belegen häufig frühere Erdrutsche in demselben Gebiet. Siedlungen sollten diese Bereiche meiden.
  2. Frühwarnsysteme integrieren. Sensoren, die Niederschlag, Bodenbewegung und Hangverformung messen, können Leben retten.
  3. Die natürliche Vegetation erhalten. Bäume und Wurzeln helfen, den Boden zu festigen und Wasser aufzunehmen.
  4. Nachhaltige Infrastruktur planen. Bei Straßenbau, Bergbau und Bauvorhaben sollten Hangstabilitätsanalysen berücksichtigt werden.
  5. Öffentliche Bildung. Sensibilisierungskampagnen können Menschen lehren, Warnzeichen wie Risse, schief stehende Bäume oder ungewöhnliche Bodengeräusche zu erkennen.

Erdrutsche im Meer oder in Seen, insbesondere von oberhalb des Wasserspiegels in diese Gewässer hinein, können Tsunamis auslösen und dadurch auch in größerer Entfernung Zerstörungen verursachen. Bei entsprechender Größe des Erdrutsches kann die Flutwelle an benachbarten Küstenhängen Höhen von mehreren hundert Metern erreichen.

Hier einige Beispiele aus dem Zeitraum vor etwa 73.000 Jahren bis 2025: Vermutlich nach einem Ausbruch oder nach einem Erdbeben rutschte vor ca. 73.000 Jahren die gesamte Ostflanke des heutzutage rund 2.800 Meter hohen Vulkans Pico do Fogo ins Meer und verursachte einen Megatsunami von bis zu 170 Metern Höhe. Ein Bergsturz von 25 bis 35 km³, der an der Ostflanke des Ätna sich ereignete, ins Ionische Meer verursachte den sogenannten Ätna-Tsunami im östlichen Mittelmeer. Der Tsunami erreichte Höhen von bis zu 34 Metern in Süditalien und noch von rund 18 Metern Höhe auf Malta. Ein schwerer Vulkanausbruch auf Santorin (möglicherweise VEI 7) zerstörte große Teile der Insel und schuf eine mehrere Kilometer im Durchmesser messende und bis zu 390 Meter tiefe Caldera. Der Ausbruch soll bis zu 60 Meter hohen Wellen entlang der Küsten des gesamten östlichen Mittelmeerraumes verursacht haben. Ein Bergrutsch in das östliche Areal des Genfersees im Jahr 563 löste einen Tsunami von geschätzt bis zu 16 Metern Höhe aus. Ein Erdbeben mit einer Magnitudenstärke von geschätzt 5,9 bis 6,3 im Kanton Waadt löste einen Felssturz oberhalb von Yvorne aus. Die Felsmassen verursachten einen bis zu 13 Meter hohen Tsunami, der unter anderem Genf und Lausanne überschwemmte. Ein schweres Erdbeben mit einer Magnitudenstärke von geschätzt 7,9 erschütterte die Südküste von Honshū. Das Beben löste einen Tsunami aus, der Höhen von bis zu zehn Metern erreichte (entlang der Küsten der Bōsō-Halbinsel wurden sogar Höhen von bis zu 30 Metern erreicht und welcher die Südküsten von Kinki und Chūbu schwer verwüstete. Ein schweres Erdbeben mit einer Magnituden-Stärke von geschätzt 8,6 bis 8,8 ereignete sich etwa 90 Kilometer nordwestlich der peruanischen Stadt Lima (seinerzeit zum spanischen Vizekönigreich Peru gehörend). Das Beben verursachte mehrere Tsunamis, die mit Höhen von bis zu 24 Metern auf die Küste trafen. Vor allem die Hafenstädte Callao und Chancay wurden durch die Wellen schwer zerstört. In der Sundastraße explodierte die Vulkaninsel Krakatau (damals zu Niederländisch-Indien gehörend), vermutlich in einer Stärke von geschätzt VEI 6. Der Zusammenbruch der unterhalb des Niveaus des Meeresspiegels liegenden und durch die Eruption entleerten Magmakammer des Vulkans ließ Meerwasser in den gewaltigen Krater nachströmen. Dieser Einsturz und die mit ihm verbundenen enormen Wasserbewegungen wiederum lösten Tsunamis aus, die an der Südküste Sumatras bis zu 42 Meter Höhe erreichten. Die Wellen zerstörten rund 165 Dörfer entlang der Küstenlinien der umliegenden Inseln. Ein Bergsturz vom Berg Langhamaren in den norwegischen Fjord Tafjorden (Kommune Fjord, Vestlandet), etwa drei Millionen Kubikmeter Gestein stürzten aus rund 700 Meter Höhe in den Fjord, generierte einen Tsunami, der am Einschlagsort der Gesteinsmassen über 60 Meter Höhe ereichte. Die beiden Orte Tafjord und Fjørå wurden von bis zu 17 Meter hohen Wellen getroffen und völlig verwüstet, wobei das Wasser über 300 Meter landeinwärts vordrang. Mit einer Magnituden-Stärke 8,6 erschütterte ein schweres Erdbeben die Westausläufer der Aleuten. Das Zentrum des Bebens lag im Aleutengraben, nahe der Andreanof Islands. Das Beben verursachte Tsunamis von bis zu 23 Metern Höhe auf Unimak Island. Die Tsunamis überquerten den gesamten Pazifik. Auf Kauaʻi (Hawaii) traten Wellen von bis zu elf Metern Höhe auf, auf den Marquesas-Inseln erreichten die Wellen noch sechs Meter Höhe. Das Erdbeben von Valdivia, das mit einer Magnituden-Stärke von 9,5 stärkste Erdbeben des 20. Jahrhunderts, erzeugte einen bis zu 25 Meter hohen Tsunami im Pazifik, der vor allem im Süden Chiles schwere Schäden verursachte. Durch einen Bergrutsch am Monte Toc wurde der gerade erst geflutete Stausee von Vajont in Nordost-Italien nahezu völlig aufgefüllt. Die Gesteinsmassen verdrängten dabei grob die Hälfte der im Stausee gespeicherten Wassermassen (rund 50 Millionen Tonnen), die mit einer bis zu 200 Meter hohen Welle über die Staudamm-Krone gedrückt wurden (die Staumauer selbst hielt stand). Die dabei entstehende Flutwelle zerstörte die direkt unterhalb des Dammes liegende Gemeinde Longarone fast völlig, die Ortschaften Pirago, Rivalta und Villanova wurden schwer in Mitleidenschaft gezogen. Durch ein Erdbeben im Indischen Ozean vor der Insel Sumatra, das eine Magnitude um 9,3 hatte – das drittstärkste je gemessene Beben –, ereignete sich eine der bisher schlimmsten Tsunamikatastrophen der Geschichte. Mindestens 231.000 Menschen in acht asiatischen Ländern wurden getötet. Die Wellen breiteten sich mehrere tausend Kilometer bis nach Ost- und Südostafrika aus und forderten dort weitere Opfer. Ein schweres Erdbeben der Magnitudenstärke von 8,8 ereignete sich südöstlich von Kamtschatka. Das Beben löste Tsunamis von bis zu sechs Metern Höhe aus.