Antike Weltwunder

Sie gelten als die bedeutensten Bauwerke der Antike die sieben alten Weltwunder. Doch bis auf die Pyramiden ist keines davon erhalten geblieben.Seit Jahrhunderten versuchen Forscher herauszufinden, wie die verschollenen Bauwerke einst aussahen. Im 2. Jahrhundert vor Christus listet der Schriftsteller Antipatros von Sidon erstmals vollständig die sieben Bauwerke auf: Die Statue des Zeus von Olympia, das Grab des Königs Maussolos in Halikarnassos, die hängenden Gärten der Semiramis in Babylon, der Koloss von Rhodos, der Leuchtturm von Alexandria, der Tempel der Artemis in Ephesos und die Pyramiden von Gizeh. 

Die Pyramiden von Gizeh (Ägypten):  Die Cheops-Pyramide
Die Zeusstatue des Phidias (Griechenland): Die Zeus-Statue des Phidias war eine sitzende Kolossalstatue des Zeus für den im Jahre 456 v. Chr. fertiggestellten Zeustempel von Olympia.  Die Statue war aus Gold und Elfenbein über einem hölzernen Gerüst gefertigt. Der Thron bestand aus Ebenholz. Zeus hielt in seiner Rechten Nike (Siegesgöttin in der griechischen Mythologie), in seiner Linken einen Stab. Basis und Thron waren darüber hinaus mit freiplastischen Figuren und Reliefs reich geschmückt, Die Zeusstatue wurde erst ab 438/435 v. Chr., also fast zwanzig Jahre nach Ende der Bauarbeiten des Zeustempels, von Phidias geschaffen, der bis um 430 v. Chr. an dieser Statue, einem seiner größten Meisterwerke, arbeitete. Während Fundamentreste der Statuenbasis in Olympia erhalten sind, ist die Statue selbst verloren und nur noch aus Münzdarstellungen und antiken Beschreibungen zu rekonstruieren. Einer Legende des 12. Jahrhunderts zufolge befand sich die Statue im 5. Jahrhundert n. Chr. in Konstantinopel, wo sie im Jahr 475 einem Brand zum Opfer fiel. 
Der Artemis-Tempel (Türkei): Der Tempel der Artemis in Ephesos war der Göttin Artemis Ephesia gewidmet. Er soll von den mythischen Amazonen bzw. ihrer Königin Otrere gegründet worden sein. Es gab mehrere Bauphasen. Angeblich wurde unter dem kaum bekannten Tyrannen Pythagoras im 7. Jahrhundert v. Chr. ein  archaischer Tempel  errichtet, der noch vor Fertigstellung durch Überschwemmung zerstört wurde.  Mit einem Nachfolgetempel wurde um 550 v. Chr. begonnen. Die Bauarbeiten dauerten 120 Jahre. Der aus einem weiß-bläulichen Marmor der Gegend errichtete Tempel  erhob sich auf einem 111,7 Meter × 57,3 Meter großen, nur zweistufigen Unterbau, mit einem nach oben offenen Sekos (hofartiger Kultraum). 106 ionische Marmorsäulen von rund 19 Metern Höhe umgaben den Sekos. Die Säulenfüße (Säulenbasis) vom ephesischen Typ standen auf etwa 2,30 Meter breiten Sockeln. Ein Friesband, aus Lotosblüten und Palmetten im Wechsel, schmückte die Säulenhälse. Die zwei Meter hohe Artemis-Statue im offenen Sekos war aus Rebholz gefertigt und mit Gold und Silber verkleidet. Der Tempel fiel am 21. Juli 356 v. Chr. einer Brandstiftung durch Herostratos zum Opfer. Der Sage nach soll in der Nacht des Brandes Alexander der Große, der später auch große finanzielle Hilfe zum Wiederaufbau des Tempels leistete, geboren worden sein. Der spätklassische Neubau, mit dem schon bald darauf begonnen wurde, dauerte rund hundert Jahre. Der Artemistempel  hatte laut Plinius 127 Säulen mit einer Höhe von rund 18 Metern und verfügte über ein Steindach. Nach seinem Bericht soll er über 36 mit Reliefs verzierte Säulen, columnae caelatae, verfügt haben. 
Das Grabmal von Mausolos (Türkei): Das Mausoleum des Maussolos, eines Kleinkönigs von Karien und persischen Satrapen (377–353 v. Chr.),  wurde etwa 368 bis 350 v. Chr. in Halikarnassos, auf einer 105 m × 244 m großen Felsterrasse auf einem Hügelhang an der ägäischen Südwestküste der heutigen Türkei errichtet. Die Fundamentplatte maß 32 m × 38,40 m, der Bau erreichte eine Höhe von insgesamt etwa 46 m. Der Sockel aus drei leicht zurückgesetzten Stufen war aus grünem Vulkangestein gefertigt und mit Marmor verkleidet. Darüber erhob sich eine Ringhalle mit 36 (9 auf 11) ionischen Säulen, zwischen denen Skulpturen (z. B. Götterfiguren) in Übergröße aufgestellt waren. Der oberste Abschluss der dritten Stufe (Podium, 18,5 m) unterhalb der Säulen sowie ein Band hinter den Säulen und der Quadrigasockel waren mit prächtigen Relieffriesen mit Amazonenkämpfen, Wagenrennen und Lapithen- und Kentaurenkämpfen verziert. Das Dach des Bauwerks bildete eine 24-stufige Pyramide (7 m), der oberste Abschluss des Grabmals eine von Maussollos und Artemisia gelenkte Marmor-Quadriga auf einem Sockel mit Fries auf der Pyramidenspitze. Das Mausoleum wurde durch ein Erdbeben im 12. Jahrhundert schwer beschädigt, blieb in seinem Fundament jedoch nahezu das gesamte Mittelalter hindurch erhalten.  Augenzeugenberichten zufolge wurde das Mausolem dann 1404 und noch einmal 1523 dann von den Rittern des Johanniterordens abgebrochen, um Baumaterial für deren Festung St. Peter zu gewinnen. 
Die hängenden Gärten von Babylon (Irak): waren nach den Berichten griechischer Autoren zufolge eine aufwändige Gartenanlage in Babylon am Euphrat. Nach den antiken Schriftstellern lagen die Hängenden Gärten neben oder auf dem Palast und bildeten ein Quadrat mit einer Seitenlänge von 120 Metern. Die Terrassen erreichten eine Höhe von ca. 25 bis 30 Metern. Die dicken Mauern und Pfeiler des Aufbaugerüstes waren überwiegend aus Brandziegeln hergestellt, unter den einzelnen Stufenabsätzen sollen sich Gänge befunden haben. Nach der allgemeinen Überlieferung sollen die Gärten von Königin Semiramis errichtet worden sein. Nach Herodot (Historien I,184) war Semiramis eine der zwei Königinnen, die ganz Asien regierten. Es gab mehrere Lokalisierungsversuche. So wird etwa die von  dem Archäologen und Bauforscher Robert Koldewey im Nordostteil des Südpalastes des Nebukadnezars II. in Babylon ausgegrabene Anlage, als Überrest der hängenden Gärten gedeutet. Der deutsche Archäologe Wolfram Nagel lokalisiert die Gärten im Westen der Südburg,  einem Stadtteil der antiken Stadt Babylon und nimmt einen Neubau in persischer Zeit durch Atossa, die Mutter Xerxes I., an. Der deutsche Althistoriker Kai Brodersen hingegen nimmt an, dass diese Gärten nie existierten, sondern dass ein unzugänglicher Palastgarten Nebukadnezars II. im Laufe der Jahrhunderte in der Fantasie der Autoren immer wunderbarere Formen annahm. Die Assyriologin und Keilschrift-Expertin Stephanie Dalley von der University of Oxford stellte die Theorie auf, die Hängenden Gärten seien der Palastgarten des assyrischen Königs Sanherib gewesen, der rund 100 Jahre vor dem babylonischen König Nebukadnezar II. gelebt hatte. In seinem Willen, Ninive zur ersten Stadt des Reiches zu machen, die es an Größe und Pracht mit der großen Rivalin Babylon aufnehmen konnte, entfaltete Sanherib unter dem Einsatz riesiger Zwangsarbeiterheere eine alles bisherige übersteigende Bautätigkeit. Der Palastgarten in Ninive am Tigris sei für Sanheribs Gattin Tašmetu-Šarrat erbaut und mittels einer archimedischen Schraube bewässert worden. Das Wasser kam durch einen Aquädukt bei Jerewan. Die Theorie wird gestützt durch topografische Untersuchungen , historische Quellen und archäologische Funde, darunter Überreste von Aquädukten in Ninive, die mit den Beschreibungen der Hängenden Gärten übereinstimmen. So sei das Aquädukt Teil des großen Atrush-Kanals, der durch den assyrischen König Sanherib zwischen 703 und 690 vor Chr. erbaut wurde, um in Ninive u. a. die weitläufigen Gärten zu bewässern, mit Wasser aus der Khenis-Schlucht, das 48 km nach Norden umgeleitet wurde.
Der Koloss von Rhodos (Griechenland): Der Koloss von Rhodos war eine über 30 Meter hohe, monumentale Bronze-Statue des griechischen Sonnengottes Helios in der antiken griechischen Stadt Rhodos. Sie wurde etwa 292 v. Chr. nach zwölfjähriger Bauzeit vollendet. Sie wurde nach dem glücklichen Ausgang der Belagerung von Rhodos (305–304 v. Chr.) errichtet, die im Rahmen der Auseinandersetzungen zwischen den Nachfolgern Alexanders des Großen stattgefunden hatte. Aus den antiken Textquellen geht eindeutig hervor, dass der Koloss von Rhodos aus gegossener Bronze , einer Legierung aus Kupfer und Zinn bestand. Eine Höhe von 70 Ellen ist überliefert, das sind 30–35 Meter. Der Bau habe so viel Rohmaterial verschlungen, dass die damals bekannten Kupfererzquellen zu versiegen drohten. Ein starkes, heute in das Jahr 226/225 v. Chr. datiertes Erdbeben, das große Zerstörungen in der Stadt hervorrief, brachte auch den Koloss von Rhodos zum Einsturz. Laut Plinius dem Älteren überdauerte das Standbild nur 66 Jahre, damit war es das kurzlebigste der sieben Weltwunder. Der ehemalige Standort  ist bisher unbekannt.  Vorgeschlagen wurde auf der Mole St. Nikolaus oder auf der Akropolis. Ein neuerer Vorschlag lokalisiert das lang gesuchte Helios-Heiligtum Oberhalb des Stadions, in dem jährlich Spiele zu Ehren von Helios durchgeführt wurden. Der Nachweis der Lokalisierung steht aber noch aus.
Der Leuchtturm von Pharos (Ägypten): Der Leuchtturm von Alexandria war der erste historisch überlieferte Leuchtturm und bis ins 20. Jahrhundert mit etwa 115 bis 160 Metern der höchste Leuchtturm, der je gebaut wurde. Er stand bei der Insel Pharos, eine kleine Insel nahe der ägyptischen Küste, 25 Kilometer westlich des kanopischen Nilarmes. Kanopus,war eine antike ägyptische Küstenstadt im westlichen Nildelta. Die Stadt war der wichtigste ägyptische Handelshafen neben Herakleion vor der Gründung Alexandrias. Der Leuchtturm wurde östlich der eigentlichen Insel Pharos in die Einfahrt des großen Eunostos-Hafens gebaut, die durch mehrere Riffe behindert war. Er stand bei einem Riff zwischen den beiden Hauptpassagen. Der Turm wurde von Sostratos von Knidos von etwa 299 bis 279 v. Chr. im Auftrag von Ptolemaios I. erbaut, aber erst unter der Herrschaft von Ptolemaios II. fertiggestellt. Der Turm stand auf einer ca. 190 m langen und ebenso breiten, großen steinernen Plattform aus Granit, die zusätzlich mit Götterstandbildern geschmückt war. Auf dem quaderförmigen Unterbau erhob sich ein oktogonaler Aufbau mit einer Höhe von ungefähr 30 Metern und 11 Metern Seitenlänge. Auf diesem befand sich eine Dachlaterne in Form eines 9 Meter hohen Säulenrondells (Zylinders). Über dem Säulenrondell war die eigentliche Lichtquelle mit dem Leuchtfeuer. Den krönenden Abschluss bildete eine 7 bis 8 Meter hohe Poseidonstatue. Es wird vermutet, dass die Lichtquelle ein von Archimedes konstruierter Metallhohlspiegel war, bei Tage und ein Öl- oder Pechfeuer bei Nacht. Das Leuchtfeuer soll nachts 300 Stadien (56,4 km, 1 Stadion = 188 m) weit sichtbar gewesen sein. Der römische Historiker Ammianus Marcellinus und andere berichten von einem Seebeben südlich von Kreta am 21. Juli 365 n. Chr., das Alexandria und den Turm schwer getroffen haben soll. Wiederum zwei Erdbeben in den Jahren 1303 und 1323 oder 1375 zerstörten den Turm vollständig.  Die Trümmer wurden im Meer liegen gelassen. Archäologen konnten nun  Überreste des architektonischen Meisterwerks der Antike zu bergen. Den Forschenden gelang es, 22 riesige Fundamentblöcke aus dem Meer an Land zu schaffen. Mithilfe von speziellen Kränen hat ein Archäologenteam von der französischen Forschungsorganisation CNRS 22 nun die antiken Fundamentblöcke des Leuchtturms geborgen. Unter den Steinblöcken befinden sich demnach nicht nur Bodenplatten, sondern auch Teile eines riesigen Tores und eines Monuments im ägyptischen Stil.