Rätselhafte Kulturen
Das „rätselhafte“ Volk der Azteken fasziniert bis heute durch den rasanten Aufstieg von nomadischen Außenseitern zu den Herrschern eines riesigen Imperiums in Zentralmexiko. Ihr größtes Rätsel ist ihre Herkunft: Laut Legende stammen sie aus Aztlán, einer Insel im Norden, deren exakte Lage Archäologen bis heute nicht zweifelsfrei bestimmen konnten. Geleitet von einer Prophezeiung ihres Gottes Huitzilopochtli gründeten sie 1325 ihre Hauptstadt Tenochtitlán mitten im Texcoco-See. Sie errichteten Tenochtitlán mit Dämmen, Aquädukten für Trinkwasser und schwimmenden Gärten (Chinampas) zur Nahrungsversorgung. Ihre Religion gründete auf dem Glaube, dass die Sonne nur weiterziehen würde, wenn den Göttern (wie dem Kriegsgott Huitzilopochtli) menschliche Herzen und Blut geopfert werden. Diese Praxis galt als existenziell für das Fortbestehen der Welt. Die Azteken besaßen ein komplexes Schriftsystem aus Glyphen, führten akribisch Buch über Steuern und Geschichte und nutzten einen hochpräzisen astronomischen Kalender. In der aztekischen Mythologie wird die Weltgeschichte in fünf Zeitalter oder „Sonnen“ unterteilt. Jede der bereits stattgefundenen Epochen wurde von einer anderen Gottheit beherrscht und endete mit einer katastrophalen Zerstörung der Welt. Das gilt auch für die fünfte Epoche.
- Die Erste Sonne: Jaguar-Sonne (Nahui Ocelotl), Herrscher: Tezcatlipoca, Bewohner: Riesen, die aus Lehm erschaffen wurden. Die Welt wurde von Jaguaren verschlungen, nachdem Tezcatlipoca von seinem Rivalen Quetzalcoatl gestürzt worden war.
- Zweite Sonne: Wind-Sonne (Nahui Ehecatl): Herrscher: Quetzalcoat, Bewohner: Menschen, die noch unvollkommen waren. Ein gewaltiger Wirbelsturm fegte über die Erde. Die überlebenden Menschen verwandelten sich in Affen.
- Dritte Sonne: Regen-Sonne (Nahui Quiahuitl: Herrscher: Tlaloc (Gott des Regens). Die Welt wurde durch einen Feuerregen (Vulkanausbrüche) zerstört. Die Überlebenden wurden zu Vögeln.
- Vierte Sonne: Wasser-Sonne (Nahui Atl): Herrscherin: Chalchiuhtlicue (Göttin der Gewässer). Eine gigantische Sintflut überflutete die Welt. Die Menschen retteten sich, indem sie sich in Fische verwandelten.
- Fünfte Sonne: Erdbeben-Sonne (Nahui Ollin): Herrscher: Tonatiuh. Dies ist das gegenwärtige Zeitalter. Die Azteken glaubten, dass diese Ära durch gewaltige Erdbeben enden würde. Um diesen Untergang hinauszuzögern und die Sonne am Leben zu erhalten, opferten sie Blut und Menschenleben.
Diese kosmischen Zyklen sind detailreich auf dem berühmten Stein der Sonne dargestellt, der im Haupttempel von Tenochtitlán gefunden wurde. Innerhalb weniger Jahre (1519–1521) wurde das gewaltige Reich durch den Spanier Hernán Cortés zerstört. Begünstigt wurde dies durch eingeschleppte Krankheiten, moderne Waffen und Allianzen der Spanier mit von den Azteken unterdrückten Nachbarvölkern.
Das Volk der Inka stammte ursprünglich als Hirtenvolk aus der Region um die heutige Stadt Cusco in Peru, wo sie um das 12. Jahrhundert das Königreich Cusco gründeten. Ihre Gründung geht auf Manco Cápac zurück, den ersten Sapa Inca des Inkareiches. Laut der bekanntesten Legende war er der Sohn des Sonnengottes Inti und stieg zusammen mit seiner Schwestergemahlin Mama Ocllo aus dem Titicacasee empor. Er trug einen goldenen Stab bei sich, der an der Stelle im Boden versinken sollte, an der ein neues Reich gegründet werden sollte – dies geschah im fruchtbaren Tal von Cusco. Die Inka erbauten beeindruckende Städte und Festungen mit einer hohen Präzision. Riesige Steine wurden ohne Mörtel so passgenau zusammengefügt, dass selbst heute kein Messer dazwischen passt. Viele ihrer Siedlungen, darunter Machu Picchu, wurden in extrem unzugänglichen Höhenlagen von fast 2.400 Metern errichtet. Die Logistik und der Zweck dieser Orte geben Forschern nach wie vor Rätsel auf; eine Theorie besagt, dass z. B. Machu Picchu eine königliche Residenz oder ein religiöses Heiligtum war. Sie legten ein riesiges Netzwerk aus Straßen und Hängebrücken an, um ihr Reich zu verbinden, sowie fortschrittliche Bewässerungs- und Entwässerungssysteme, die noch heute funktionieren. Ein Schriftsystem kannten die Inka jedoch nicht. Informationen wurden wahrscheinlich mit einem System aus geknoteten Schnüren, den sogenannten Quipus, aufgezeichnet. Die genaue Entschlüsselung dieses Systems ist bis heute nicht vollständig gelungen. Nachrichten über das riesige Straßennetz wurden durch spezialisierte und schnelle Stafettenläufer, die sogenannten Chasquis, übermittelt, die täglich bis zu 240 Kilometer zurücklegten. Im Rahmen ihres komplexen religiösen Weltbildes, das den Sonnenkult und die Anbetung von Viracocha einschloss, praktizierten die Inka auch Menschenopfer, insbesondere von Kindern, die in ewiger Jugend weiterleben sollten. Der Untergang des Inka-Reiches (ca. 1532–1572) wurde primär durch spanische Konquistadoren unter Francisco Pizarro herbeigeführt. Pizarro nutzte einen internen Thronfolgekrieg, eingeschleppte Pockenepidemien und überlegene Waffen (Stahl, Feuerwaffen, Pferde), um das riesige Reich zu destabilisieren. Die Gefangennahme und Hinrichtung des Inka-Herrschers Atahualpa im Jahr 1533 besiegelte den Zusammenbruch.
Im Titicacasee wurden Überreste einer versunkenen Zeremonienstätte entdeckt, die mit der präinkaischen Kultur von Tiwanaku (auch Tiahuanaco) (ca. 500 n. Chr.) in Verbindung stehen. Die Tiwanaku-Kultur (auch Tiahuanaco) war eine der bedeutendsten Prä-Inka-Zivilisationen Südamerikas, die ihr Zentrum im heutigen Bolivien nahe dem Titicacasee hatte. Das Zentrum war ein bedeutender Wallfahrtsort. Ihre Mythologie, in deren Zentrum oft die Gottheit Viracocha stand, beeinflusste später maßgeblich die Inka. Im See wurden die Überreste eines riesigen Unterwassertempels entdeckt, der auf die Zeit vor den Inkas (ca. 1000–1500 Jahre alt) geschätzt wird. Taucher fanden zudem gepflasterte Straßen, landwirtschaftliche Terrassen und eine über 800 Meter lange Steinmauer. Im See liegt die Isla de la Luna (Mondinsel, Bolivien), die den Iñak Uyu (Tempel der Sonnenjungfrauen) beherbergt. Der Tempel war ein religiöses Zentrumund ein Inka-Konvent für Frauen aristokratischer Herkunft. Während die heute sichtbaren Gebäude primär der Inka-Zeit (ca. 1000–1500 n. Chr.) zugeordnet werden, ist die frühere Nutzung des Ortes durch die Tiwanaku-Kultur ab etwa 700 n. Chr. ebenfalls durch Funde belegt.
Auch die bis heute rätselhafte Stadt Teotihuacan war von ihrer Struktur her einzigartig. Die gesamte Stadt folgte einem rechtwinkligen Grundplan. Es wurde eine ganz neue Art von Häusern mit mehreren getrennten Wohnungen gebaut. Diese Mehrfamilienhäuser umfassten mehrere Wohnungen, die von einer gemeinsamen Mauer umgeben waren und nur durch eine „Haustür“ betreten werden konnten. „Diese Wohntkomplexe waren für damalige Zeiten eine einzigartige Form urbanen Wohnens, nicht nur in Mittelamerika, sondern weltweit. Sie ähnelten damit bereits modernen Großstädten. Die Städte der Maya, Tolteken und anderer früher Kulturen Mittelamerikas besaßen Tempelpyramiden, mindestens einen königlichen Palast, Ballspielplätze und formelle Plazas, um die sich die wichtigsten Gebäude gruppierten. Nicht jedoch Teotihuacan. Hier gab es keinen zentralen Königspalast, auch keine Ballspielplätze und keine von öffentlichen Gebäuden umgebenen zentralen Plazas. Das und der strikte, rechtwinklige geordnetee Bauplan, der auch die Wohnviertel umfasste, unterscheidet Teotihuacan von allen anderen Städten dieser Zeit. Die riesige Hauptstadt Teotihuacan war vor rund 1.800 Jahren nicht nur die größte Stadt Amerikas sondern auch und eine der größten der damaligen Welt: Bis zu 125.000 Menschen lebten dort. Die riesige Ruinenstadt mit ihren gewaltigen Tempeln brachte sogar die Azteken zum Staunen. Sie verehrten Teotihuacan als Geburtsstätte der Götter. Sie diente sogar als Vorbild für die nur 40 Kilometer entfernt errichtete aztekische Hauptstadt Tenochtitlan. Von welchem Volk Teotihuacan erbaut wurde und warum diese Hochkultur um 750 zugrundeging, ist bis heute nur in Teilen geklärt.
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