Nahtoderfahrungen

Nahtoderfahrungen (NTE) sind subjektive Erlebnisse an der Schwelle zum Tod, die durch außerkörperliche Gefühle und Erfahrungen gekennzeichnet sind. Dazu gehören u. a. die Erfahrung eines bewussten Seins ohne physischen Körper, Licht-, Jenseits- und Weltraumerfahrungen, Gefühle von Liebe, Frieden, Geborgenheit und Schmerzlosigkeit und in wenigen Fällen von Angst und Bedrängnis. Einige Beispiele:  Ein häufiges Phänomen ist das Gefühl, durch einen dunklen Tunnel zu fliegen, an dessen Ende ein sehr helles, warmes Licht wartet.  Personen berichten, über ihrem Körper zu schweben und die Szenerie aus der Vogelperspektive zu beobachten. Andere wiederum schildern, dass ihr Leben wie ein Film an ihnen vorbeizieht, oft aus der Perspektive anderer Personen. Einige Betroffene berichten auch von Begegnungen mit verstorbenen Angehörigen oder Wesen, mit denen sie jeweils kommunizieren. erichtet. Nahtoerfahrungen treten oft bei Herzstillstand auf. Später zeigte sich jedoch, dass derartige Erlebnisse auch von Umständen, die nicht lebensbedrohend sind, ausgelöst werden können, wie zum Beispiel Epilepsie oder Meditation. Beim Vergleich von Nahtoderfahrungen in lebensbedrohenden Situationen mit solchen in nicht lebensbedrohenden Situationen wurden bezüglich Intensität und Inhalten der Erlebnisse keine Unterschiede festgestellt. Eine Erklärung für solche Phänomene ist die oft religiös motivierte „Überlebenshypothese“, die Nahtoderfahrungen als Beleg für das Weiterleben einer Seele nach dem Tod sieht. Andere betrachten Nahtoderfahrungen als einen Ausdruck der Unabhängigkeit des Bewusstseins von Gehirn und Körper. In Weltanschauungen außerhalb religiöser Tradition werden auch Deutungen angeboten, wonach das Gehirn sozusagen eine Art Empfangsgerät für ein unkörperlich existierendes Bewusstsein sei. Die These von einer Fortexistenz des Bewusstseins nach dem Tod wurde auch von einer Reihe von Medizinern vertreten, darunter Pionieren der Nahtodforschung wie Raymond A. Moody der  Berichte von Menschen, die klinisch tot waren und wiederbelebt wurden untersuchte. Dabei identifizierte er wiederkehrende Elemente wie das Tunnelerlebnis, das Lichtwesen und die Lebensrückschau. Oder Maurice S. Rawlings, der der Meinung war, dass bis zu 50 % der Nahtoderfahrungen negativ oder „höllenartig“ seien. Diese würden jedoch oft unmittelbar nach der Wiederbelebung vom Unterbewusstsein verdrängt, weshalb in der Literatur meist nur von positiven Licht-Erlebnissen die Rede sei. Er sah die negativen Erfahrungen als Bestätigung der biblischen Hölle und warnte davor, dass es ohne Glauben an Christus „nicht sicher sei zu sterben“.  Oder Pim van Lommel,  der die Theorie vertrat dass das Gehirn nicht der Erzeuger des Bewusstseins ist, sondern lediglich als Schnittstelle oder Filter (ähnlich einem TV-Empfänger) für ein „nicht-lokales“ Bewusstsein fungiert. Dr. Sam Parnia ist ein britischer Mediziner und einer der weltweit führenden Experten auf dem Gebiet der Wiederbelebungsforschung  und ein weiterer Pionier bei der Erforschung des menschlichen Bewusstseins an der Schwelle zum Tod. In s einen Studien AWARE I und II untersuchte er Hunderte von Patienten nach einem Herzstillstand. Dabei wurden erstmals Gehirnwellen-Aktivitäten (EEG) dokumentiert, während Patienten klinisch tot waren, was auf ein Fortbestehen des Bewusstseins hindeutet. Parnia vertritt die These, dass der Tod kein Moment, sondern ein Prozess ist, der durch moderne Technik (wie ECMO-Maschinen oder spezielle Medikamenten-Cocktails) potenziell über Stunden hinweg umkehrbar sein könnte. Ein anderer Mediziner, der vor allem durch seine interdisziplinäre Forschung zu Nahtoderfahrungen bekannt wurde war Walter van Laack. Er vertritt die These, dass Nahtoderfahrungen keine reinen Fehlfunktionen des Gehirns sind, sondern Hinweise auf ein Fortbestehen des Bewusstseins nach dem Tod geben könnten. So ähnlich Dr. Bruce Greyson ebenfalls ein weltweit führender Experte auf dem Gebiet der Nahtodforschung. Greyson vertritt die These, dass Bewusstsein nicht allein ein Produkt des Gehirns sein muss, da viele Patienten während eines Herzstillstands klare und strukturierte mentale Prozesse berichten. Er entwickelte die Greyson-Skala,  weltweit am häufigsten genutzte wissenschaftliche Methode zur Quantifizierung und Validierung von Nahtoderfahrungen.  Die Skala dient dazu, Berichte über Nahtoderfahrungen objektiv zu bewerten und von anderen Halluzinationen oder Träumen abzugrenzen.  Sie besteht aus 16 Fragen, die in vier Kategorien unterteilt sind: kognitive, affektive, paranormale und transzendentale Merkmale. Pro Frage werden 0 bis 2 Punkte vergeben. Ab einer Punktzahl von 7 oder höher gilt ein Erlebnis offiziell als Nahtoderfahrung. Neurowissenschaftler der Ecole Polytechnique Fédérale de Lausanne, Schweiz, behaupten, das eine Schädigung des bilateralen okzipitalen Kortex zu visuellen Merkmalen von Nahtoderfahrungen wie dem Sehen eines Tunnels oder von Lichtern führen kann. Des Weiteren das eine „Schädigung von ein- oder beidseitigen Temporallappenstrukturen wie dem 1Hippocampus  und der 2Amygdala zu emotionalen Erfahrungen, Erinnerungsflashbacks oder einem Lebensrückblick führen kann. Das lässt den Schluss zu, dass künftige neurowissenschaftliche Studien wahrscheinlich die neuroanatomischen Grundlagen der Nahtoderfahrung aufdecken werden, was zu einer Entmystifizierung des Themas führen wird, ohne dass paranormale Erklärungen erforderlich sind. Und schließlich Dr. Charlotte Martial eine renommierte belgische Neurowissenschaftlerin  am Coma Science Group der Universität Lüttich. Sie gilt als international führende Expertin auf dem Gebiet der Nahoderfahrungen (NDEs) und der Erforschung veränderter Bewusstseinszustände. Sie untersucht primär Zustände „diskonektierten Bewusstseins“ – Momente, in denen Personen äußerlich nicht reagieren (z. B. während eines Herzstillstands oder einer Vollnarkose), aber dennoch subjektive, oft mystisch geprägte Erfahrungen machen. Sie konzentriert sich darauf, Nahtoderfahrungen (NDEs) von einem rein anekdotischen Phänomen in ein messbares, neurobiologisches Forschungsfeld zu überführen. Ihre Forschungen zeigen dass die temporoparietale Verzweigung (TPJ) im Gehirn eine Schlüsselregion bei Nahtoderfahrungen ist. Eine Fehlfunktion oder elektrische Stimulation dieses Bereichs kann das Gefühl erklären, vom eigenen Körper getrennt zu sein (außerkörperliche Erfahrungen). Martial vermutet, dass NDEs eine evolutionäre Weiterentwicklung der Thanatose („Sich-Totstellen“) bei Tieren sein könnten – ein Schutzmechanismus des Gehirns, um mit ausweglosen, lebensbedrohlichen Situationen umzugehen.

Studien zufolge erleben vier Prozent aller Menschen eine Nahtoderfahrung. Viele wollen nicht darüber reden, doch es gibt eine große Anzahl von Nahtoderzählungen. Menschen, die der festen Überzeugung sind, das Jenseits gesehen zu haben, als sie aus einer lebensbedrohlichen Situation oder einer OP wieder ins Leben zurückfanden. Die Nahtoderfahrung sorgt bei den Betroffenen meist für die Gewissheit, dass der Tod nicht das Ende ist. Doch solche Erlebnisse sind wissenschaftlich schwer zu beweisen, was die Erzählungen darüber unglaubwürdig macht. Auf der anderen Seite, gibt es weltweit etliche Schilderungen von Patienten, die ihren OP-Saal detailgetreu beschreiben konnten, obwohl sie klinisch tot waren und die Objekte im Raum identifiziert haben, die sie aus der Lage des Patienten auf dem Krankenbett unmöglich hätten sehen können.
 Menschen mit Nahtoderlebnissen berichten häufig von einem Tunnel, an dessen Ende Licht erstrahlt. Das Licht wird je nach Religionszugehörigkeit als Sonne, Gott, Engel oder als Widerspiegelung des allerhöchsten Bewusstseinszustandes des Menschen identifiziert. Bei einer anderen Nahtoderfahrung haben die Betroffenen oft das Gefühl, über ihrem Körper zu schweben und zu beobachten, was geschieht. Nur Augenblicke später scheint sich eine Art Tunnel zu öffnen. In ihn fühlt sich der Betroffene „rasend schnell hineingezogen“ bis hin zu einem hellen, nicht blendenden Licht an dessen Ende. Dieses Phänomen kann naturwissenschaftlich erklärt werden. Physiker kennen das als relativistischen Dopplereffekt, Searchlight-Effekt, Lorentzkontraktion oder auch Zeitdilatation. Bei einem schnell, bewegten Objekt, das sich z. B. mit annähernder Lichtgeschwindigkeit durch das, Weltall bewegt, kommt es zu einer Bündelung der Lichtstrahlen von vorn, während die übrigen Teile des Alls mit Annäherung an die Lichtgeschwindigkeit immer dunkler erscheinen. Dabei hat der Betrachter das Gefühl, durch eine dunkle Röhre hindurch eine strahlende Lichtquelle am Ende dieses fiktiven Tunnels anzusteuern.
 Die hypnotische Regression ist eine Anwendung der Hypnose, bei der die Versuchsperson ein früheres Lebensalter nochmals durchlebt und die in dem entsprechenden Lebensalter wahrgenommenen Gefühle und Erlebnisse durchläuft. Die Priesterärzte der Sumerer haben bereits viertausend Jahre v. Chr. erfolgreich mit Hypnose gearbeitet und therapiert. Aus Ägypten stammt der Papyrus Eber, eine Schriftrolle, die 1500 Jahr v. Chr. niedergeschrieben wurde und einer der ältesten Hypnosetexte ist. Hypnotische Verfahren sind u. a. aus dem Asklepioskult (Tempelschlaf) bei den Griechen oder auch im Schamanentum, bei den Medizinmännern und Heilungstraditionen primitiver Völker bekannt. Hypnose gehört zu den ältesten psychischen Heilmethoden der Menschheit. In klinischen Studien konnte die Wirksamkeit von Hypnose im Bereich der Medizin nachgewiesen werden. Doch erst 2006 wurde die Hypnotherapie vom wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie wissenschaftlich anerkannt.  Es gibt bis heute aber keine befriedigende oder umgreifende Theorie der Hypnose, trotz ihrer erwiesenen Wirksamkeit. Hypnotische Regression wird auch dazu verwendet, um Bilder und Eindrücke von früheren Reinkarnationen ins Bewusstsein zu rufen. Dieses auch als Reinkarnationstherapie oder Rückführungstherapie bekannte Verfahren geht davon aus, dass Reinkarnation einer Seele über eine Vielzahl von Erdenleben existieren. Daher seien Erinnerungen an diese vergangenen Erdenleben möglich. Der Glaube an eine Reinkarnation (Wiedergeburt) des Menschen existiert in den Weltreligionen Hinduismus und Buddhismus. Wiedergeburt setzt aber voraus, dass es ein Leben nach dem Tod gibt. Es muss etwas übrig bleiben, was wiedergeboren werden kann.


Die Frage, was passiert nach dem Tod, wird seit dem Altertum erörtert.

Die andere Seite, das „Jenseitige“, entzieht sich aber leider der empirischen Überprüfung (und damit der Wissenschaft). Das Jenseits ist damit im wesentlichen Gegenstand des Glaubens, nicht des Wissens. Wir wissen, dass wir sterben müssen, doch wir wissen nichts über das, was uns im Tod und danach erwartet. Es gibt hauptsächlich drei Ansätze, um die Frage gibt es, ein Leben nach dem Tod zu beantworten:

  1. Ablehnung: Mit dem Tod endet die Existenz eines menschlichen Individuums.
  2. Annahme eines Lebens nach dem Tod, das als endgültiger Zustand verstanden wird: Eine andere Wirklichkeit, die sich jenseits der Naturwirklichkeit befindet
  3. Reinkarnation: Nach dieser Vorstellung, die von einer Wiedergeburt ausgeht, überdauert die Seele des Menschen, den Tod des Körpers.

Auch im Christentum wird die Frage nach einem Leben nach dem Tod erörtert. Den Ursprung des Todes sieht die Kirche als Straffolge der Sünde. Der Mensch sei ursprünglich für das Paradies, die Gemeinschaft mit Gott, erschaffen worden. Der Vertrauensbruch beim Sündenfall habe zur Verbannung aus dem Paradies und somit zur räumlichen Trennung von Gott zu Lebzeiten geführt. Adam habe durch Übertretung des göttlichen Prüfungsgebotes den Tod auf die ganze Menschheit gezogen.

Gen 2,16-17: Dann gebot Gott, der Herr, dem Menschen: Von allen Bäumen des Gartens darfst du essen, doch vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse darfst du nicht essen; denn sobald du davon isst, wirst du sterben.

Gen 3,19: Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du zurückkehrst zum Ackerboden; von ihm bist du ja genommen. Denn Staub bist du, zum Staub musst du zurück.

Wo bei diesen durch Hypnose oder Suggestion herbeigeführten Erinnerungen die Grenze zwischen Illusion und Realität liegt, ist unbestimmt und daher umstritten. Der US-amerikanische Hypnosetherapeut Michael Newton war von der Existenz früherer Leben überzeugt. Er konzentrierte sich in seiner Technik der Rückführung unter Hypnose hauptsächlich auf Zeiten, die der Mensch angeblich in einer jenseitigen Welt zwischen den Leben verbringen soll. Es ist ihm gelungen, seine Klienten mittels Hypnose in diese Sphäre zwischen ihren Leben zurückzuversetzen. Er hat während seiner mehr als 30-jährigen Praxis eine sogenannte „Landkarte“ der geistigen Welt erarbeitet, in der die Menschen nach dem Tod und vor einem neuen Leben (Reinkarnation) existieren sollen.

Der kanadische Psychiater Ian Stevenson dokumentierte Aussagen von Kindern, die ohne Hypnose von „Erinnerungen an frühere Leben“ berichteten. Seine Untersuchungsergebnisse stellen derzeit die besten Argumente dar, dass die Reinkarnation ein reales Naturphänomen sei. Stevenson selbst sprach jedoch nie von Beweisen in diesem Zusammenhang, sondern nur von Fällen, die Reinkarnation nahelegen.

Anmerkung des Autors: Ich glaube, dass Reinkarnation kein esoterisches Hirngespinst, sondern real ist; Seelen können auf der Erde in ein anderes Leben wiedergeboren werden, sie können aber auch auf anderen Planeten wiedergeboren werden. Seelen können vielleicht in andere Dimensionen wechseln. Vielleicht stammen alle Seelen aus einer Urquelle, in die sie irgendwann nach zahlreichen Reinkarnationen zurückkehren. Wir wissen es nicht, aber wir werden es erfahren.

Trennlinie

Der 1Hippocampus befindet sich am inneren Rand des Temporallappens und ist eine zentrale Schaltstation des limbischen Systems. Es gibt einen Hippocampus pro Hemisphäre. Er ist enorm wichtig für die Gedächtniskonsolidierung, also die Überführung von Gedächtnisinhalten aus dem Kurzzeit- in das Langzeitgedächtnis. Der 2Amygdala ist Teil des limbischen Systems, das allgemein eine wichtige Rolle bei der emotionalen Bewertung und Wiedererkennung von Situationen sowie der Analyse möglicher Gefahren spielt.