Atlantis
In der Mitte des 4. Jahrhunderts berichtet der griechische Philosoph Plato (* 428/427 † 348/347 v. Chr.) als Erster über das mythische Inselkönigreich Atlantis. Von ihm ist uns die einzige Beschreibung von Atlantis überliefert. In der Mitte des Inselkönigreiches, auf dem Gipfel eines kleinen Hügels, standen ein Palast, andere Kanäle und ein Tempel, das Zentrum einer ausgedehnten Stadt, die sich von einem Ende zum anderen über fast 20 Kilometer hin erstreckte. Um den Hügel herum verlief ein Graben – tatsächlich ein Kanal – voller Segelschiffe. Darum waren in konzentrischen Kreisen weitere Kanäle gebaut. Diese Wasserwege waren durch wieder mittels eines großartig angelegten Systems von Docks und Häfen mit der offenen See verbunden, über die die wertvollen Güter des Landes in den Rest der bekannten Welt ausgeführt wurden.
Atlantis war laut Plato die Hauptinsel eines großen maritimen Seereichs, die ausgehend von jenseits der Säulen des Herakles (heute bekannt als „Straße von Gibraltar“) große Teile Europas und Afrikas unterworfen hatte. Atlantis verfügte über eine starke Marine mit 1.200 Kriegsschiffen und 240.000 Mann Besatzung allein für die Flotte der Hauptstadt. Nach einem gescheiterten Angriff auf Athen sei Atlantis schließlich um 9.600 v. Chr. infolge einer Naturkatastrophe untergegangen. An einem Tag und in einer Nacht fiel die ganze Insel, mehr als 500 Quadratkilometer, einer Katastrophe von unübertroffenen Ausmaßen zum Opfer. Atlantis zerbarst in einem Vulkanausbruch, auf den ein Erdbeben und eine riesige Flutwelle (Tsunami) folgte, und innerhalb von vierundzwanzig Stunden war es im Meer verschwunden. Plato beschreibt auch das damalige Athen. Das alte Athen war laut Plato eine reine Landmacht, die aber ganz Attika bis zum Isthmus von Korinth beherrscht haben soll. Obgleich in der Nähe der Küste gelegen, verfügte es über keine Häfen und betrieb keine Seefahrt. Als Athen von Atlantis angegriffen worden sei, habe es die Angreifer zurückschlagen und besiegen können. Plato selbst schreibt, dass der Grund dafür, dass in den antiken Aufzeichnungen der erfolgreiche Abwehrkampf der Athener gegen die Übermacht der Atlantiden nicht erwähnt wird, eine große, verheerende Flut, den Untergang der herrschenden Oberschicht an den Küsten zur Folge gehabt habe. Es habe nur ein kleiner Teil des Lesens und Schreibens unkundiger Bauern, die in den Bergregionen lebten, überlebt. Dadurch sei das komplette Wissen, das sich die Griechen bis dahin angeeignet hatten, verloren gegangen. Eine ähnliche Theorie besagt, dass der Einschlag eines Asteroiden für den Untergang von Atlantis verantwortlich ist. Otto Muck einer der einflussreichsten Atlantis-Forscher des 20. Jahrhunderts, entwickelte eine Theorie, nach dem durch den Einschlag eines Asteroiden aus der Apollo-Gruppe im westlichen Atlantik die Großinsel Atlantis versank. Als mögliche Kandidaten einer solchen Kollision mit der Erde gelten jene etwa 20 % sogenannter erdnaher Asteroiden, die auf ihrer Bahn der Erdbahn dichter als 0,05 astronomische Einheiten (1 AE =149 597 870 700 Meter) kommen und daher auf einer Zeitskala von 100 Jahren durch Bahnstörungen auf Kollisionskurs geraten können. Sie bewegen sich nicht wie die meisten Asteroiden im Asteroidengürtel um die Sonne, sondern im Bereich der inneren Planeten. Durch den Einschlag des Asteroiden sollen die ungeheuren Flutwellen entstanden sein, die Atlantis versinken ließen. Interessant ist auch die Vermutung Mucks, die durch den Asteroideneinschlag verursachten Überschwemmungen seien als Sintflut in die Sagen und Mythen der Völker östlich und westlich des Atlantiks eingegangen sein.
Anmerkung des Autors: Möglichwerweise gibt es eine ganz andere Erklärung für den Untergang von Atlantis. Als Schmelzwasserpuls 1A wird eine Phase besonders schnellen Ansteigens des Meeresspiegels am Ende der letzten Kaltzeit bezeichnet. Der Puls setzte vor ungefähr 14.200 bis 14.700 Jahren ein und ließ den Meeresspiegel innerhalb von 400 bis 500 Jahren global um 16 – 25 Meter ansteigen. Als Quelle des Schmelzwassers wird ein kollabierender Eisschild, vermutlich in der Antarktis angenommen. Schmelzwasserpuls 1B ist eine Periode schnellen oder nur beschleunigten postglazialen Meeresspiegelanstiegs, von dem einige Hypothesen annehmen , dass er zwischen 11.500 und 11.200 Jahren zu Beginn des Holozäns und nach dem Ende der Jüngeren Dryaszeit auftrat . Der Schmelzwasserpuls 1B ist in der Karibischen See auch als katastrophales Anstiegsereignis 2 bekannt. Vielleicht war ein Schmelzwasserpunkt der wahre Grund für den Untergang der atlantischen Zivilisation. Die Frage, ob Atlantis wirklich existiert hat, ist aber bis heute ungeklärt. Seit vielen Jahrhunderten wird Atlantis von Archäologen gesucht. Gefunden hat es noch niemand. Manche Forscher halten Atlantis auch für eine Erfindung Platons. Doch es gibt ein gewichtiges Gegenargument. Platon war dafür bekannt, dass er von ihm erfundene Geschichten von tatsächlichen Begebenheiten immer deutlich unterschieden hat. Atlantis hat Platon aber nie als Mythos bezeichnet. Außerdem verfügte Platon über ältere Atlantisquellen. Er hat wiederholt beteuert, sein Atlantisbericht sei eine Nacherzählung alter ägyptischer Texte. Ein Vergleich der historischen Angaben des Atlantisberichts mit zeitgenössischen ägyptischen Texten, belegen diese Behauptung Platons. Helena Petrowna Blavatsky, die Gründerin der Theosophen, vertrat die Ansicht, die Atlanter seien kulturelle Helden gewesen (im Gegensatz zu Platon, der sie hauptsächlich als militärische Bedrohung beschrieb). Sie glaubte an eine Form der Rassenentwicklung (im Gegensatz zur Primatenevolution). In ihrem Evolutionsprozess bildeten die Atlanter die vierte „Wurzelrasse“, der die fünfte, die „arische Rasse“, folgte, die sie mit der modernen menschlichen Rasse gleichsetzte. die Zivilisation von Atlantis habe ihren Höhepunkt vor 1.000.000 bis 900.000 Jahren erreicht, sich aber durch interne Konflikte selbst zerstört, die durch den gefährlichen Einsatz psychischer und übernatürlicher Kräfte ihrer Bewohner ausgelöst worden seien. Rudolf Steiner, der Begründer der Anthroposophie und der Waldorfschulen, sowie andere bekannte Theosophen wie Annie Besant schrieben in ähnlichem Sinne über eine derartige kulturelle Evolution.
Eine weniger bekannte Version über Atlantis stammt vom sogenannten schlafenden Prophet, dem US-amerikanischen Medium Edgar Cayce. Dieser behauptete, dass Atlantis existiert hatte und beschrieb es als einen großen Kontinent mit fortschrittlicher Technik, der vor ca. 10 Millionen Jahren von den ersten Menschen der Erde besiedelt wurde. Er erstreckte sich vom Golf von Mexiko bis Gibraltar. Cayce fügte hinzu, das Atlantis durch eine Atomexplosion zerstört worden sei (nachdem die Einwohner die Technik der Nuklearspaltung beherrscht hätten), etwa um das Jahr 1000 v. Chr. – nahe dem Datum, das Plato angesetzt hatte. Und ergab die Lage von Atlantis mit Nord-Bimini an, einer kleinen Insel des Bahama-Atolls, mit der Prophezeiung, daß ein Teil der Tempel schon 1968 oder 1969 entdeckt werden könnte. Und tatsächch entdeckte der Tiefseetaucher Dr. J. Hanson Valentine 1968 einige merkwürdige unterseeische Bauten vor der Küste von Nord-Bimini. Sie waren nur aus der Luft deutlich zu erkennen, aber als er hinabtauchte um nachzuforschen, fand er heraus, daß es sich um die Mauern von etwas handelte, was ein gewaltiger Hafen mit Kais und Dämmen zu sein schien. Die Mauern, etwa einen halben Kilometer lang, bestanden aus massiven Steinquadern von jeweils mehr als fünf Quadratmetern. Anschließende Forschungsexpeditionen haben Dr. Valentines Schlussfolgerungen abwechselnd unterstützt und bestritten. Eine Untersuchung im Jahr 1970 kommt zu dem Ergebnis, dass die Steine eine Naturerscheinung darstellen, die als Erosion von Strandfelsen bekannt ist. Für die Einwirkung von Menschenhand konnten keine Anhaltspunkte festgestellt werden. Zwei weitere Forschungsexpeditionen vor Bimini brachte jedoch ganz andere Ergebnisse. Der Leiter der Expeditionen, Dr. David Zink aus Kalifornien, förderte einen Steinquader mit einer Kante zutage, in die Spund und Nut eingearbeitet waren. Seine Schlußfolgerung: Alles in allem genommen glauben wir, dass die Bauten vor Bimini eher archäologischen als geologischen Ursprungs sind, doch ihr Zweck bleibt weiterhin ein Rätsel.
Ein weiterer Atlantisforscher war Ignatius Loyola Donnelly, ein US-amerikanischer Politiker und Autor. Er behauptete, Atlantis sei ein großer Kontinent im Nordatlantik gewesen. Dieser sei in prähistorischer Zeit durch einen verheerenden Vulkanausbruch im Meer versunken. Die Berggipfel des untergegangenen Kontinents ragen noch heute aus dem Wasser – die Azoren. Einige Bewohner von Atlantis hätten die Katastrophe überlebt und seien nach Europa und Mittelamerika geflohen. Dort hätten sie den Ureinwohnern die Kunst des Schreibens, der Metallurgie und des Pyramidenbaus gebracht.
Es gibt andere, auch heute noch verfügbare historische Quellen, die von Atlantis berichten. Der griechische Gelehrte Apollonius von Rhodos (* 295 v. Chr.; † 215 v. Chr.) erwähnt in seiner Argonautica eine als Atlantide bezeichnete Insel. Atlantiden sind die Bewohner der Insel Atlantis. Der römische Schriftsteller und Naturforscher Plinius der Ältere (* 23 oder 24, † 79) erwähnt in seiner Historia Naturalis ebenfalls Atlantis. In seinen Bemerkungen zu den Inseln vor der Westküste Afrikas bemerkt Plinius, dass es dort eine Atlantis genannte Insel gegeben habe. Bemerkenswert ist, dass er wie vor ihm schon Plato den Krieg zwischen den Athenern und Atlantern als erste verzeichnete Schlacht der Geschichte beschreibt. Wie weiter oben bereits erwähnt, war laut Plato die Hauptstadt auf der Hauptinsel des Inselreichs von Atlantis ringförmig angelegt. In ihrer Mitte stand eine Akropolis und neben ihr stand ein Poseidontempel mit einer großen Statue des Meeresgottes auf einem sechsspännigen Streitwagen. In der Nähe der Akropolis befanden sich auch die Häuser der Herrscher und der Mächtigen. Die Stadtmitte war durch eine ringförmige Mauer umschlossen. Drei weitere ringförmige Mauern umschlossen die gesamte Stadt und schützten sie vor Feinden. Zwei der außen liegenden Kanäle wurden als Häfen genutzt, so hatte Atlantis einen Kriegshafen und einen Handelshafen. Plato beschreibt das Inselreich und die Hauptstadt der Atlantiden so detailliert, als sei er dort gewesen. Was natürlich nicht der Fall war, aber möglicherweise verfügte er über Quellen, die es heute nicht mehr gibt. Geologische Untersuchungen haben zwar ergeben, dass es um 9.600 vor Christus an der von Plato beschriebenen Stelle keine große Insel im Atlantik gegeben hat. Doch das ist noch kein Beweis dafür, dass Atlantis nicht existiert hat. Das Inselreich wurde schon an den unterschiedlichsten Orten vermutet und gesucht. Die Haupttheorie stützt sich auf die Angaben Platos und vermutet Atlantis im Antlantik bei den Kanarischen Inseln. In seinen Dialogen „Timaios“ und „Kritias“ beschreibt Plato die Lage des Inselreichs äußerst genau. Die Hauptinsel lag außerhalb der „Säulen des Herakles“ im/am Atlantìs thálassa, wie schon Herodot den Atlantik nennt. Plato sind in seiner Beschreibung aber möglicherweise zwei bemerkenswerte Fehler unterlaufen. Es ist sehr wahrscheinlich, daß Atlantis, falls es überhaupt je existiert hat, nicht jenseits der Herkulessäulen, sondern im Mittelmeer selbst lag. Zweitens hat Plato vielleicht, als er von dem Untergang als einem Geschehnis 9000 Jahre vor der ägyptischen Priestererzählung berichtet, irrtümlich 9000 statt 900 geschrieben. Wenn das stimmt, müsste man das Datum des Untergangs von Atlantis ungefähr mit 1500 v. Chr. statt 9600 v. Chr. ansetzen. Und im Jahre 1500 v. Chr. ereignete sich eine der schrecklichsten Katastrophen der Antike. Archäologen wissen heute, dass die Kultur von Atlantis, wie Plato sie beschreibt, sehr der hochentwickelten minoischen Kultur der Bronzezeit ähnelt, die auf den Inseln der Ägäis bis zum 15. Jahrhundert v. Chr. blühte. Sie nahm ezwa um 1470 v. Chr. ein jähes Ende. Um diese Zeit riss ein Vulkanexplosion von unvorstellbarer Zerstörungskraft das gesamte Innere der minoischen Insel Kalliste – heute Santorin genannt – die auf halbem Wege zwischen Kreta und dem griechischem Festland liegt. Meerwasser strömte ein und füllte den zurückbleibenden Krater. Eine Flutwelle von möglichwerweise siebzig Meter Höhe brach von der Insel los und bewegte sich mit einer Geschwindigkeit von mehr als 220 Stundenkilometern und hatte bald Kreta erreicht, das Herz des minoischen Reiches. Sie spülte entlang der Nordküste alle Städte und Dörfer fort und vernichtete den Hafen, der die Hauptstadt Knossos versorgte. Die Welle rollte weiter zur Küste von Nordafrika, wo ihre Folgen vielleicht Grund für die alttestamentarische Legende von Moses Teilung des Roten Meeres gewesen sein könnten. Man hat ferner vermutet, daß der mehr als 160.000 Quadratkilometer bedeckende Ascheregen aus dem Vulkanausbruch, der Ursprung der Legende von den zehn Plagen gewesen sein könnte.
Andere Theorien vermuteten Atlantis bei Kreta, Malta, im adriatischen Meer, im Marmara Meer, im Asowschen Meer, bei Tartessos (iberische Südküste), bei Sizilien, Sardinien, der Küste von Asturien, bei Durrer (Albanien), Helike (in der Nähe vom heutigen Aegio), oder in der Provinz Manisa (Türkei). Helike war eine bedeutende Stadt im antiken Griechenland und die führende Macht im frühen Achaiischen Bund aus zwölf griechischen Stadtstaaten. Sie lag im Norden der Peloponnes, am Golf von Korinth. Im Winter des Jahres 373 v. Chr. erschütterte ein schweres Erdbeben Helike und ließ sämtliche Gebäude zusammenfallen. Kurz darauf überschwemmte eine riesige Flutwelle die Stadt sowie zehn Kriegsschiffe aus Sparta, die im Hafen vor Anker lagen. Das Wasser der Flut ging nicht zurück, sondern bildete für mehrere Jahrhunderte eine Art Lagune. So berichten die antiken Autoren Pausanias und Ovid, dass die Ruinen von Helike noch zu ihrer Zeit (1./2. Jahrhundert n. Chr.) von der Wasseroberfläche aus zu sehen waren. Es gab Überlegungen, wonach der Untergang von Helike den Zeitzeugen Platon zu seiner Erzählung über Atlantis inspiriert haben soll.
Doch diese Theorien wurden mittlerweile alle verworfen. Es gibt noch eine weitere interessante Theorie, die eine Verbindung zwischen Atlantis und der Schwarzmeerbeckenflutung um 5.600 v. Chr. herstellt. Dieser Theorie zufolge geht die Atlantis-Erzählung auf den Untergang einer hypothetischen Kultur im Nordwesten des Schwarzen Meeres zurück. Eine ganz andere, eher unwahrscheinliche Theorie behauptet, dass die Überreste von Atlantis, von der Plato im vierten Jahrhundert v. Chr. sprach, in Mauretanien, Afrika zu finden sind. Dort gibt es eine seltsame Formation, die als Guelb er Richat (deutsch: Richat-Struktur oder Auge der Sahara) bekannt ist.
Die ringförmige, kraterähnliche geomorphologische Struktur ist aus dem Weltall so gut zu sehen, sie bei Shuttle-Missionen von den Astronauten als Landmarke zur Orientierung benutzt wurde. Die erstmals in den 1930er-Jahren entdeckte Richat-Struktur wurde ursprünglich für einen Meteoritenkrater gehalten, was aber wegen fehlender Impaktgesteine bestritten wird. Der Sahara-Forscher Théodore Monod vertritt die Auffassung, es könne sich um eine vulkanische Explosion auf der Erde handeln. Die Entstehung dieser kreisförmigen Struktur ist strittig, eine aktuellere Studie geht davon aus, dass es sich um eine 100 Millionen Jahre alte Kuppel aus geschmolzenem Gestein handelt, die von Wind und Wasser erodiert und geformt wurde. Die konzentrischen Ringwälle haben einen Durchmesser von 45 Kilometern, sind nur wenige Meter hoch und bestehen aus Sedimentgestein. Das entspricht ziemlich genau der Beschreibung Platos in Größe und Form der Stadt. Plato sprach von 127 Stadien oder 23,5 km (38 Meilen) im Durchmesser und kreisförmig –, auch die Berge, die er im Norden beschrieb, sind vorhanden, ebenso wie Beweise für die antiken Flüsse, die nach Plato um die Stadt herum flossen. Ob sich Atlantis nun hier befand oder nicht, archäologische Funde, die diese Theorie unterstützen könnten, gibt es nicht. Auf jeden Fall geht die Suche nach dem mythischen Inselreich Atlantis weiter. Tartessos war nach antiker Überlieferung ein Königreich bzw. eine Hafenstadt an der Südküste der Iberischen Halbinsel westlich der Säule des Herkules (Straße von Gibraltar). Die Stadt war in der Antike für ihren sagenhaften Metallreichtum bekannt. Nach einer Theorie soll es sich um Scheria, dem sagenhaften reichen Land der Phaiaken aus Homers Odyssee handeln. Nach einer anderen Theorie wird Tartessos mit Atlantis gleichgesetzt. 2004 wurden, gestützt auf Satellitenbilder, ringförmige, mutmaßlich von Menschenhand geschaffene, Strukturen im Mündungsgebiet des Flusses Guadalquivir entdeckt. 2011 machte dort schließlich ein Forscherteam von der University of Hartford Spuren einer altertümlichen Stadt aus. Die ringförmig angelegten Stadtgrundrisse, sollen angeblich Reste des legendären Atlantis sein. Gestützt wird diese Theorie durch drei Argumente: Laut Plato war Atlantis ringförmig angelegt, lag westlich der Säulen des Herkules und ging in einem riesigen Tsunami unter. Auslöser für die vermutete Atlantis-Katastrophe war vermutlich der Impakt eines Kometenfragments im Atlantik. Auch der an mehreren Stellen des Alten Testaments erwähnte Ort Tarschisch (Tarsis) soll identisch mit Tartessos sein. Tarsis lag jenseits der Straße von Gibraltar am westlichen Rand des Mittelmeers.
Inzwischen gibt es eine weitere These. Danach habe Atlantis im algerischen Hochland gelegen. Die Fakten aus Platos Geschichte passen zur Region. Die Ausmaße der zentralen Hochebene etwa entsprächen ungefähr denen des von Plato beschriebenen Zentrums von Atlantis. Auf Satellitenbildern seien konzentrische Kreise erkennbar – wie von Plato geschildert. Bei dem Binnenmeer, an dem Atlantis nach Plato gelegen haben soll, handele es sich um den ausgetrockneten Tritonsee. Das soll heute der Schott el-Dscherid sein, ein großer Salzsee im heutigen Südtunesien. Der See hat im Altertum durch den Fluss Triton mit dem Mittelmeer in Verbindung gestanden. Der See ist nicht weit von Äthiopien entfernt und nahe dem Atlas-Gebirge am Ozean gelegen, dem größten dieses Landstriches. Vom Tritonissee heißt es, dass dessen Teile in der Nähe des Ozeans vom Gebirge abgerissen wurden, sodass er völlig verschwand. Verantwortlich für diese Naturkatastrophe waren gewaltige Feuerausbrüche (Vulkan), welche schließlich in ein finales Erdbeben mündeten. Entsprechende Hinweis auf dort stattgefundene vulkanische Aktivitäten sind geologisch nachgewiesen. Das auch von Plato erwähnte Erdbeben habe Atlantis zerstört, was als Untergang im Meer fehlinterpretiert, wurde. Der Historiker Herodot erwähnt ein „libysches Volk der Atlanter im Nordwesten Afrikas, 60 Tagesreisen von Ägypten entfernt“. Herodot zeigt den Standort auf seiner Karte der gesamten damals bekannten Welt. Eine Überlieferung, die von dem griechischem Geschichtsschreiber Diodorus Siculus niedergeschrieben wurde, bringt den Tritonsee (in wörtlicher Übersetzung Tritonsumpf) mit Amazonen in Verbindung, die auf der Insel Hespera im Tritonsumpf gelebt haben sollen. Auch der griechische Historiker Diodor hat in seinem Geschichtswerk beschrieben, wie ein Stamm kriegerischer Frauen aus Libyen unweit der afrikanischen Küste gegen die Atlanter kämpften. Sie töteten alle Männer und machten die Frauen zu ihren Sklavinnen. Das lässt nur einen Schluss zu. Atlantis lag nicht im Atlantik und auch nicht im Schwarzen Meer, wie andere behaupten, sondern im Mittelmeer. Die Insel Lampedusa soll ein Überbleibsel des im Meer verschwundenen sagenumwobenen Atlantis sein. Eine schöne Theorie, die den Beweis aber schuldig bleibt. Vor der Küste Kubas wurden im Jahre 2000 mysteriöse, geometrische Strukturen in großer Tiefe entdeckt. Wissenschaftler deuteten die Strukturen als geometrisch angeordnete Blöcke und Gänge, die den Grundrissen von Straßen und Gebäuden ähnelten. Doch der vielleicht bemerkenswerteste Fund war eine kleine graue Platte aus einem unbekannten Material, die in fast 700 Metern Tiefe entdeckt wurde. Diese Platte, die etwa 20 bis 30 Zentimeter lang und ein bis zwei Zentimeter dick war, erregte das besondere Interesse der Wissenschaftler. Ihre Oberfläche wies keine Anzeichen von maritimen Organismen auf, was für ein Objekt in dieser Tiefe äußerst ungewöhnlich ist. Eine Analyse der Platte war jedoch nicht möglich, da keine Proben entnommen wurden. Ein ferngesteuertes Mini-U-Boot machte Bilder, die Kalksteinblöcke in verschiedenen Formen und Größen, darunter einige quadratische Blöcke und ein pyramidenförmiger Stein von etwa einem Meter Durchmesser zeigen. Diese Entdeckungen verstärkten die Hypothese, dass die Strukturen von intelligenten Wesen erschaffen worden sein könnten. Eine Theorie besagt, dass es sich um die Überreste einer untergegangenen Zivilisation handelt, die möglicherweise durch eine geologische Katastrophe wie ein Erdbeben oder einen Erdrutsch im Meer versank. Diese Theorie stützt sich auf das Vorhandensein von Abriss- und Rutschzonen im Westen des Fundorts, die auf eine tektonische Aktivität in der Region hinweisen. Wenn diese Hypothese zutreffen würde, könnte die Stadt, die einst über dem Meeresspiegel lag, durch einen plötzlichen Abbruch des Untergrunds in die Tiefe gestürzt sein. Eine alternative Erklärung ist, dass die Strukturen auf natürliche geologische Prozesse zurückzuführen sind. Es wird auch über eine Verbindung zu Atlantis, der sagenumwobenen Insel, die laut dem griechischen Philosophen Plato einst vom Meer verschluckt wurde spekuliert. Es gibt Theorien, die von einer alten, untergegangenen Insel im Karibischen Meer sprechen, die einst eine Verbindung zwischen der Yucatán-Halbinsel und Kuba gebildet haben könnte. Einige Forscher vermuten, dass diese Insel möglicherweise von den Vorfahren der Maya bewohnt wurde und schließlich durch eine geologische Katastrophe im Meer versank. Diese Hypothese stützt sich auf lokale Legenden der Maya und der Yucatecos, die von einer verschwundenen Insel berichten, die einst Teil ihres kulturellen Erbes war. Die Frage ob es sich um natürliche Formationen oder die Überreste einer antiken Zivilisation oder gar Atlantis handelt, bleibt offen.
Eine neue Wendung nimmt die Suche nach Atlantis seit 2015. In einem 2.600 Jahre alten Schiffswrack entdeckte die sizilianische Küstenwache das mystische Metall „Oreichalkos„. In dem Schiffswrack wurden 39 Barren eines gelblichen Metalls gefunden. Den Beschreibungen antiker Quellen zufolge könnte es sich bei dem Fund um Barren aus dem Metall Oreichalkos handeln. Die anschließend durchgeführte Röntgenfluoreszenzanalyse ergab eine Zusammensetzung von 75–80 % Kupfer, 15–20 % Zink und kleine Mengen von Nickel, Blei und Eisen. Das entspricht der Beschreibung Platos. Der griechische Philosoph Plato berichtet in seinem Dialog Kritias, dass Oreichalkos ein „feurig schimmerndes Metall“ sei, eine Legierung aus Blei, Kupfer und Zink, das die Bewohner von Atlantis „nach Gold“ am meisten schätzten. Die Atlanter hätten ihre Königsburg und den darin liegenden Tempel mit dem Metall überzogen und verziert.
In der Alchemie versteht man unter Oreichalkos verschiedene sagenhafte Legierungen aus je nach Quelle Gold, Silber, Kupfer und Quecksilber oder anderen Ausgangsstoffen.