Boten des Bösen
Sie galten als Boten des Bösen oder Strafe Gottes: die großen Seuchen, die jeweils viele Menschenleben kosteten. Seuchen können nach ihrer räumlichen und zeitlichen Ausbreitung eingeteilt werden.
- Endemie: Krankheiten, die dauerhaft gehäuft in einer begrenzten Region oder einer Population vorkommen, wobei die Fallzahlen relativ konstant bleiben (z. B. Malaria in tropischen Gebieten).
- Epidemie: Ein zeitlich und örtlich begrenztes, massives Auftreten einer Krankheit, das über das normale Maß hinausgeht (z. B. eine regionale Cholera-Welle).
- Pandemie: Eine weltweite Ausbreitung einer Infektionskrankheit über Kontinente hinweg, meist zeitlich begrenzt (z. B. Influenza-Pandemien oder COVID-19).
Eine andere Einteilung kann nach Art der Krankheitserreger erfolgen:
- Bakterielle Seuchen: Verursacht durch Bakterien (z. B. Pest, Cholera, Tuberkulose).
- Virale Seuchen: Verursacht durch Viren. Aktuell im Januar 2026 stehen besonders die Influenza-Subklade K („Super-Grippe“) sowie Mpox, Vogelgrippe und das Oropouche-Virus im Fokus der Gesundheitsbehörden.
- Parasitäre Seuchen: Verursacht durch Einzeller oder Würmer (z. B. Malaria, Schlafkrankheit).
- Andere Erreger: Seltener können auch Pilze (Mykosen) oder Prionen seuchenartige Züge annehmen.
Sonderformen sind z. B. Zoonosen: Krankheiten, die von Tieren auf Menschen übertragen werden (z. B. Vogelgrippe, Ebola), oder Tierseuchen: Diese betreffen ausschließlich oder primär Tierpopulationen (z. B. Afrikanische Schweinepest, Amerikanische Faulbrut bei Bienen).
Schon seit der Antike waren die Zivilisationen mit verschiedenen Epidemien konfrontiert, die häufig mehrere Jahre dauerten. Traurige Berühmtheit haben in Europa Pest, Cholera, Pocken und Typhus erlangt. Die bedeutendste Epidemie in Europa ist die schwarze Pest, die in den Jahren 1347 bis 1352 25 bis 50% der Bevölkerung dahingerafft hat. Nach diesen historischen Epidemien waren die Menschen, die sie überlebt hatten, gegen die verursachenden Erreger immun. Bei der jährlichen saisonalen Grippe handelt es sich um eine ansteckende Krankheit, die durch mehrere, gleichzeitig zirkulierende Stämme des Influenza-Virus hervorgerufen wird. Neue Stämme treten regelmässig durch Mutation oder Kreuzung auf
Epidemische Erkrankungen können je nach Übertragungsart in vier Familien unterteilt werden:
- Krankheiten des Verdauungssystems: Durchfallerkrankungen, Cholera, Salmonellen usw. Die Übertragung erfolgt hauptsächlich durch mit Fäkalkeimen verunreinigtes Wasser
- Krankheiten, deren Erreger sich durch Tröpfchen, die beim Husten und Niesen entstehen, übertragen: Diphtherie, Grippe, COVID-19, Masern, Tuberkulose usw.
- Sexuell übertragbare Krankheiten: AIDS, Syphilis, Hepatitis B, humane Papillomaviren usw.
- Durch Stiche oder Bisse von Tieren (Mücken, Zecken, Flöhe) übertragene Krankheiten: Zeckenenzephalitis (FSME); Malaria, Gelbfieber, Denguefieber, Zika usw.
Der rasante Klimawandel der letzten Jahre führt dazu, dass sich Erreger in Gegenden ausdehnen können, deren Klima bislang verhinderte, dass sie ansässig werden. Hierzu gehört beispielsweise das Dengue-Virus, das eigentlich eine tropische Infektionskrankheit ist. Für seine Übertragung auf den Menschen ist es auf Mückenarten angewiesen (z.B. Tigermücke), die sich erst kürzlich hierzulande ansiedeln konnten.
Es gibt in der Geschichte der Menschheit zahlreiche Pandemien, bei der die Krankheitserreger unbekannt waren. So z. B. die Attische Seuche (430–426 v. Chr. ), die Antoninische Pest (165–180 (bis 190), die Cyprianische Pest (250–270 ) oder das Italienische Fieber. Letzteres brach im Zeitraum 876- 927 dreimal aus. Auch der nicht identifizierte Krankheitserreger der Englischen Schweißkrankheit erfasste in fünf Seuchenwellen Europa, hauptsächlich England. Der letzte Ausbruch war in England, Niederlande, Schweiz, Deutschland, Dänemark, Schweden und Norwegen, Litauen, Polen und Russland. Mitte des 14. Jahrhunderts wurden die Menschen in Europa plötzlich von einer seltsamen Krankheit heimgesucht: Sie bekamen Fieber, merkwürdige Beulen am ganzen Körper, und kurz darauf starben sie – einer nach dem anderen. Die als „Schwarzer Tod“ bezeichnete Pest-Pandemie zwischen 1347 und 1351 löschte rund ein Drittel der damaligen Bevölkerung Europas aus. Erst 1894 wurde der Pesterreger vom Schweizer Arzt Alexandre Yersin entdeckt. Heute weiß man, dass es sich bei der Pest um eine bakterielle Infektionskrankheit handelt, die im Mittelalter vor allem durch Ratten und andere Nagetiere auf Flöhe und durch Flohbisse auf Menschen übertragen wurde. Die Ratten trugen das verantwortliche Bakterium in sich und wurden von den Flöhen gestochen. Starben die Ratten, befielen die Flöhe auch Menschen und infizierten sie. Da die hygienischen Zustände im Mittelalter schlecht und sowohl Flöhe als auch Ratten alltäglich waren, konnte sich die Krankheit gut ausbreiten. Jedes Jahr erkranken laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) auch heute noch bis zu 3000 Menschen an der Pest. Die Pest ist heute aber gut mit Antibiotika behandelbar.
Die Pandemie mit der höchsten Anzahl an Todesfällen war mit Abstand die Spanische Grippe. Die als Spanische Grippe bezeichnete Influenza-Pandemie umrundete 1918 binnen weniger Monate die Erde. Sie trat sogar in Inuitdörfern und auf der Insel Samoa auf. Bis 1920 tötete sie mehr Menschen, als im gesamten Ersten Weltkrieg starben. Die Asiatische Grippe im Jahr 1957/58 und die Hongkong-Grippe im Jahr 1968 verursachten geschätzt jeweils eine Million bis vier Millionen Tote. Im 21. Jahrhundert forderte die oft als Schweinegrippe oder Neue Grippe bezeichnete Pandemie im Jahr 2009/2010 laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) ungefähr 200.000 Tote. Die Grippe wird auch Influenza genannt und durch Viren ausgelöst. Influenza-Viren sind hoch ansteckend und werden durch Tröpfchen- oder Kontaktinfektion übertragen.
Top Ten der Pandemien
| Epidemie | Beginn/Zeitraum | Opfer | Erreger | |
| 1 | Schwarzer Tod (Pest) | 1347-1351 | ~ 75-200 Mio. | Yersinia pestis |
| 2 | Spanische Grippe | 1918-1919 | ~ 50 Mio. | H1N1-Influenzavirus |
| 3 | Justinianische Pest | ab 541 (mehrere Jahrzehnte) | ~ 30-50 Mio. | Yersinia pestis |
| 4 | HIV/AIDS | seit 1981 | ~ 36 Mio. | HIV |
| 5 | COVID-19 | seit 2019 | ~ 20 Mio. | SARS-CoV-2 |
| 6 | Antoninische Pest | 165-180 n. Chr. | ~ 5-10 Mio. | vermutlich Pocken oder Masern |
| 7 | Hongkong-Grippe | 1968-1970 | ~ 1-2 Mio. | H3N2-Influenzavirus |
| 8 | Asiatische Grippe | 1957-1958 | ~ 1,1 Mio. | H2N2-Influenzavirus |
| 9 | 6. Cholera-Pandemie | 1899-1923 | ~ 1 Mio. | Vibrio cholerae |
| 10 | Russische Grippe | 1889-1890 | ~ 700.000 |
vermutlich H3N8 oder H2N2 |