Das 1000jährige Reich

Mit dem Millenium, dem tausendjährigen Reich der Offenbarung Johannes,  wird der Glaube an die Wiederkunft Jesu Christi (Parusie) und das Errichten seines tausend Jahre währenden Reiches verbunden. Bevor diese 1000 Jahre beginnen, wird die erste Auferstehung stattgefunden haben. Die erste Auferstehung ist das Auferstehen aller Gläubigen. Es korrespondiert mit der Lehre von Jesus über die „Auferstehung der Gerechten“ und die „Auferstehung des Lebens“. Die zweite Auferstehung ist die Auferstehung aller Ungläubigen; die zweite Auferstehung ist mit dem zweiten Tod verbunden. Es korrespondiert mit der Lehre von Jesus über die „Auferstehung des Gerichts“ Johannes 5, 28-29: Wundert euch nicht darüber! Die Stunde kommt, in der alle, die in den Gräbern sind, seine Stimme hören und herauskommen werden: Die das Gute getan haben, werden zum Leben auferstehen, die das Böse getan haben, zum Gericht. Zeitlich zwischen der ersten und der zweiten Auferstehung liegt das tausendjährige Reich. Joh 20,4: Dann sah ich Throne; und denen, die darauf Platz nahmen, wurde das Gericht übertragen. Ich sah die Seelen aller, die enthauptet worden waren, weil sie an dem Zeugnis Jesu und am Wort Gottes festgehalten hatten. Sie hatten das Tier und sein Standbild nicht angebetet und sie hatten das Kennzeichen nicht auf ihrer Stirn und auf ihrer Hand anbringen lassen. Sie gelangten zum Leben und zur Herrschaft mit Christus für tausend Jahre. Der Ausdruck „erste Auferstehung“ ist in der Heiligen Schrift nur im Evangelium des Johannes 20, 5-6: zu finden: Die übrigen Toten kamen nicht zum Leben, bis die tausend Jahre vollendet waren. Das ist die erste Auferstehung. Selig und heilig, wer an der ersten Auferstehung teilhat. Über solche hat der zweite Tod keine Gewalt. Sie werden Priester Gottes und Christi sein und tausend Jahre mit ihm herrschen. Damit wird angedeutet, dass diejenigen, die bei der Wiederkunft Christi entrückt worden sind, und die Märtyrer aus der großen Trübsal vom Endgericht ausgenommen sind.

Der Glauben an die Wiederkunft Jesu Christi und das Errichten seines tausend Jahre währenden Reiches (genannt Tausendjähriges Reich oder tausendjähriges Friedensreich) wurde ursprünglich als Millenarismus bezeichnet. Dieser Begriff wird auch allgemein verwendet als Bezeichnung für den Glauben an das nahe Ende der gegenwärtigen Welt, manchmal verbunden mit der Erschaffung eines irdischen Paradieses (Garten Eden). Es gibt drei Strömungen: Der Amillenarismus beruht auf der Auslegung des Abschnitts 20,1–6 der Offenbarung und geht von einem Zeitabschnitt von tausend Jahren aus, in welchem Satan gebunden ist und Christus mit seinen Priestern herrscht. Der Prämillenarismus geht von einer zukünftigen tausendjährigen Herrschaft Christi auf Erden aus und legt die Offenbarung wörtlich aus. Der Postmillenarismus beruht auf der Auslegung des 20. Kapitels der Offenbarung und geht von einer Rückkehr Jesus Christus erst nach dem 1000-jährigen Reich aus. Der römische Bischof Augustinus verwarf den Millenarismus nach anfänglicher Befürwortung zugunsten eines Konzeptes, das den Anbruch des Millenniums mit dem ersten Erscheinen Jesu Christi gleichsetzte (Amillenarismus). Als 1000 n. Chr. Christus jedoch ausblieb, wurde es für Anhänger des Amillenarismus notwendig, auch die Dauer der 1000 Jahre allegorisch aufzufassen. Jetzt sollten die 1000 Jahre für einen unbestimmten Zeitraum zwischen den beiden Kommen Christi stehen. Satan sei zwar gebunden, aber noch nicht ganz – das gegenwärtige Zeitalter sei, nach Augustinus, als Kampf zwischen der (weltweiten) Kirche Jesu Christi (der Ekklesia) und der nichtchristlichen Welt zu sehen. Katholische Kirche, evangelisch-lutherische Kirchen und reformierte Kirchen vertreten in der Praxis inzwischen eine Mischung aus Postmillenarismus und Amillenarismus. Bei Adventisten, Baptisten, der Bibelforscherbewegung, den Christadelphians, den Jehovas Zeugen, den Mormonen, in Pfingstgemeinden, der Neuapostolischen Kirche und evangelikalen Freikirchen dagegen ist die millenaristische Lehre, einschließlich einer Naherwartung der Parusie, weiterhin stark verbreitet.