Die Greuel des Krieges
Der Philosoph Thomas Hobbes schrieb in seinem Widmungsbrief an den Grafen von Devonshire seines 1642 erschienenen und auf Latein verfassten Buches «De Cive» (Vom Bürger). Zitat: «HOMO HOMINI LUPUS EST!». Es bedeutet: „Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf“. Damit umschreibt er Kriege, als organisierte, gewaltsame Massenkonflikte zwischen Staaten oder bewaffneten Gruppen. Krieg führt zu erheblichen Schäden an der Infrastruktur und verursacht großes Leid. Krieg existiert erst seit Einsetzen der Jungsteinzeit: Mit sozialen Abhängigkeiten und Landbesitz gab es Gründe, andere Gruppen zu überfallen. Die Ursprünge liegen tief in der menschlichen Vergangenheit, sind also ein Erbe aus der Erdgeschichte. Ein Beispiel: „Das Verhalten von Schimpansengruppen zueinander erinnert durchaus an Krieg. Es gibt Bündnisse von Männchen, die bei günstigen Gelegenheiten plötzlich angreifen und mitunter auch Mitglieder anderer Gruppen töten.“ Zwar halten Schimpansengruppen normalerweise respektvollen Abstand von fremden Territorien, dennoch wagen sich manchmal kleine Gruppen in die besetzten Gebiete. Treffen die Männchen dann auf einen einzelnen Artgenossen, ist gemeinschaftlicher Mord nicht unüblich. Auch wenn Schimpansenmännchen meist Konkurrenten sind, verbünden sie sich gelegentlich bei der Ausweitung von Territorien. Das ist die Urform des Krieges. Solche Verhaltensweisen können sich in ähnlicher Weise auch in der Frühzeit des Menschen abgespielt haben. Krieg entstand aber erst mit sozialen Hierarchien, als die Populationen größer wurden, sich Ackerbau und Viehzucht entwickelten. Kriegerische Auseinandersetzungen könnten in der Evolution der menschlichen Psychologie ein Fundament für immer kompliziertere Formen des Krieges gewesen sein.“ Es gibt zahlreiche Gründ für Kriege auf der Welt. Manche Länder oder Gruppen wollen mehr Macht oder Land. Andere streiten um wichtige Rohstoffe wie Wasser oder Öl. Viele Länder und Völker bekämpfen sich bis heute. Manche sagen deshalb, dass Krieg zu führen für uns Menschen genauso normal sei wie zu atmen. Viele Anthropologen betonen aber, dass es keinen wissenschaftlichen Beleg dafür gibt, dass Menschen biologisch auf Krieg programmiert sind. Während individuelle Aggression existiert, ist organisierter Krieg ein kulturelles Verhaltensmuster, das oft erst mit sesshaften Gesellschaften und dem Kampf um Ressourcen entstand. Manche Forscher sehen eine lange Geschichte der Gewalt, andere Forscher halten dagegen, dass viele frühe Gesellschaften weitgehend friedlich zusammenlebten. Krieg ist also eher eine Entscheidung von Gesellschaften und Machthabern, um Interessen durchzusetzen, als eine unvermeidliche biologische Notwendigkeit des Menschen.
Die ältesten Kriege der Welt
| Der älteste archäologisch nachgewiesene Krieg der Welt fand vor etwa 5500 bis 6000 Jahren im Norden des heutigen Syriens und Irak statt. Die Zerstörung der Stadt Hamoukar durch Angriffe gilt als einer der frühesten städtischen Kriege. Archäologische Funde belegen, dass die Siedlung ca. 3500 v. Chr durch Kriegsführung, inklusive der Nutzung von Schleuderkugeln, zerstört wurde. Bei Ausgrabungen der rund 6000 Jahre alten Stadt Hamoukar stießen die Archäologen auf große Mengen hartgebrannter Lehmkugeln, offensichtlich die Munition einer vorzeitlichen Artillerie von Schleudern. Nach Ansicht der Archäologen wurde die Stadt vor 5500 Jahren von Truppen der mesopotamischen Großmacht Uruk angegriffen, erobert und niedergebrannt. |
| Als ein weiteres sehr altes Zeugnisse für wiederkehrende, organisierte menschliche Gewalt weltweit gilt das Gräberfeld Jebel Sahaba (Sudan, ca. 12.000–11.000 v. Chr.). In diesem Friedhof wurden die Überreste von mindestens 61 Individuen (Männer, Frauen und Kinder) gefunden. Über 40 % der Skelette Spuren von Pfeilspitzen oder tödlichen Verletzungen auf. Neuere Forschungen zeigten dass viele Individuen sowohl verheilte als auch tödliche Wunden aufwiesen. Dies deutet eher auf anhaltende, über Generationen hinweg geführte Kleinkriege, Überfälle und Scharmützel statt einer einzigen großen Schlacht hin. Die Fundstelle wird der Qadan-Kultur zugeordnet, einer Gemeinschaft von Jägern, Fischern und Sammlern. Als Hauptgrund für die Gewalt wird der Kampf um knappe Ressourcen vermutet. Jebel Sahaba widerlegt die Theorie, dass organisierte Gewalt erst mit der Sesshaftigkeit und dem Ackerbau (Neolithikum) begann. Es belegt, dass bereits mobile Jäger-und-Sammler-Gruppen unter ökologischem Druck komplexe Formen der zwischenmenschlichen Gewalt entwickelten. |
| Die Schlacht von Megiddo (15. Jahrhundert v. Chr.) wurde zwischen ägyptischen Truppen unter Pharao Thutmosis III. und einer großen rebellischen Koalition kanaanäischer Vasallenstaaten unter der Führung des Königs von Kadesch ausgetragen. Sie ist die erste Schlacht, die in relativ zuverlässigen Details dokumentiert wurde. Alle Details der Schlacht stammen aus ägyptischen Quellen – vor allem aus den Hieroglypheninschriften in der Annalenhalle des Amun-Re-Tempels in Karnak , Theben (heute Luxor ), verfasst vom Militärschreiber Tjaneni. In Megiddo wurde erstmals der Kompositbogen eingesetzt und die erste Zahl der Gefallenen gezählt. |
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Der Krieg der Sumerer vs. Elamiten (ca. 2.700 v. Chr.) gilt als der erste längere Krieg der aufgezeichneten Geschichte. Es handelte sich um eine Reihe von Kämpfen, bei denen sumerische Stadtstaaten (wie Ur, Lagasch) und Elam (oft von Susa aus) über Hunderte von Jahren um die Vorherrschaft in Mesopotamien und dem angrenzenden iranischen Hochland kämpften. So etwa die kriegerische Auseinandersetzung zwischen dem sumerischen Kish und Elam. König Enmebaragesi von Kisch soll die Elamiten besiegt und deren Waffen als Beute mitgebracht haben. Die Elamiten zerstörten später das Reich von Ur und beherrschten Sumer für zwei Jahrzehnte. Elam wurde aber schließlich im 7. Jahrhundert v. Chr. vom assyrischen König Ashurbanipal zerstört, bevor die Perser das Gebiet übernahmen. |
Die schlimmsten Kriege der Welt
| Die An-Lushan-Rebellion (755–763) während der chinesischen Tang-Dynastie, forderte laut historischen Quellen bis zu 36 Millionen Opfer. Ursachen der Rebellion waren persönlicher Ehrgeiz, politische Machtkämpfe am Hof (insbesondere mit der Familie Yang) und die wachsende Autonomie regionaler Militärgouverneure. Der mächtige General An Lushan, genoss das Vertrauen von Kaiser Xuanzong, bevor er gegen ihn rebellierte. An Lushan eroberte die östliche Hauptstadt Luoyang, rief sich zum Kaiser der neuen Yan-Dynastie aus und nahm später die Hauptresidenz Chang’an ein, was den Kaiser zur Flucht zwang. Die Rebellion scheiterte letztlich an internen Machtkämpfen der Aufständischen (An Lushan wurde von seinem eigenen Sohn ermordet) und durch die militärische Unterstützung der Tang durch ausländische Verbündete wie das Uigurische Khaga. Die Zentralmacht der Tang-Kaiser wurde dennoch dauerhaft geschwächt. Die Macht verschob sich hin zu regionalen Militärherrschern, was das Reich instabil machte und schließlich zum Untergang der Dynastie im Jahr 907 beitrug. |
| Der Einfall der Mongolen unter der Führung von Dschingis Khan und seinen Nachfolgern in zahlreiche Staaten Asiens und Europas begründete das größte zusammenhängende Landreich der Geschichte. D er sogenannte Tartarensturm forderte schätzungsweise 30 bis 40 Millionen Menschenleben. Die ersten Erkundungszüge der Mongolen im Jahr 1223 führten zur vernichtenden Niederlage russischer Fürsten in der Schlacht an der Kalka. Unter dem Mongoleherrscher Batu Khan, ein Enkel Dschingis Khans, wurden die russischen Fürstentümer (u. a. Kiew 1240) unterworfen. 1241 drangen die Mongolen nach Polen und Ungarn vor. Wichtige Entscheidungsschlachten 1241 waren der Sieg über ein deutsch-polnisches Ritterheer in Liegnitz , bei dem Herzog Heinrich II. von Schlesien zu Tode kam. Und die Vernichtung des ungarischen Heeres unter König Béla IV. in Muhi. 1258 wurde unter der Führung des Mongolenherrschers Hülegü, ein weiterer Enkel Dschingis Khans, die Hauptstadt des Abbasiden-Kalifats dem Erdboden gleichgemacht, was das Ende des Goldenen Zeitalters des Islam markiert. Trotz ihrer militärischen Überlegenheit zogen sich die Mongolen 1242 überraschend aus Mitteleuropa zurück. Gründe waren der Tod des Großkhans Ögödei was die Rückkehr der Anführer zur Wahl eines Nachfolgers erforderte. Zudem verwandelte ein nass-kalter Frühling die ungarische Steppe in Sumpfland, was die Bewegung der Kavallerie und die Versorgung der Pferde erschwerte. Es waren auch nicht genug Weideflächen für die riesigen Pferdeherden vorhanden. Als Folge der mongolischen Überfälle etablierte sich ca. 1240 im westlichsten Teil des Mongolischen Reiches, bestehend aus Russland , Ukraine, Kasachstan und Kaukasus ein mächtiges, turko-mongolisches Khana, die Goldene Horde, die über 250 Jahre lang Tributherrschaft ausübte. Ab dem 13. Jahrhundert ermöglichte dieses Großreich eine relative Stabilität, die als Pax Mongolica (Mongolischer Friede) in die Geschichte einging. So konnte sich auch ein sicherer Handel auf der Seidenstraße entwickeln, was den Austausch von Technologien wie Schießpulver, Kompass und Buchdruck zwischen Ost und West deutlich begünstigte. |
| Der Taiping-Aufstand (1850–1864), ein verheerender Bürgerkrieg in China forderte geschätzt 20 bis 30 Millionen Tote. Er gilt als der blutigste Bürgerkrieg der Weltgeschichte, erschütterte die Qing-Dynastie in ihrem Fundament. Hong Xiuquan, ein gescheiterter Beamtenanwärter, hielt sich nach religiösen Visionen für den jüngeren Bruder Jesu Christi. Er gründete die „Gesellschaft der Gottesanbeter“ mit dem Ziel, das mandschurische Kaiserhaus zu stürzen. 1851 rief Hong das Taiping Tianguo (Himmlisches Reich des Großen Friedens) aus. 1853 eroberten die Rebellen Nanjing und machten es zu ihrer Hauptstadt. Der Aufstand wurde durch wirtschaftliche Not, Korruption, Überbevölkerung und die Schwächung Chinas nach dem Ersten Opiumkrieg befeuert, scheiterte aber schließlich an internen Machtkämpfen und der militärischen Unterstützung der Qing durch westliche Mächte (wie Großbritannien und Frankreich), die ihre Handelsinteressen gefährdet sahen. Die Folgen des Aufstandes: 17 Provinzen wurden verwüstet; weite Teile des Jangtse-Tal wurden entvölkert. Der enorme Verlust an Menschenleben (oft durch Hunger und Seuchen) übertraf die Opferzahlen des Ersten Weltkriegs. |
| Der Erste Weltkrieg (1914–1918) forderte durch Kämpfe, Hunger und Krankheiten Rund 15 bis 22 Millionen Todesopfer. Das Attentat von Sarajevo am 28. Juni 1914 auf den österreichisch-ungarischen Thronfolger Franz Ferdinand war der Auslöser. Ein komplexes System aus Bündnissen führte dazu, dass aus einem regionalen Konflikt binnen Wochen ein globaler Krieg wurde. Es kam zum Einsatz von Giftgas, Panzern, Flugzeugen und U-Booten. An der Westfront erstarrten die Fronten in kilometerlangen Schützengräben. Schlachten wie jene um Verdun forderten Hunderttausende Opfer für minimale Geländegewinne. Erst der Eintritt der USA 1917 in den Krieg und die Russische Revolution veränderten die Machtverhältnisse entscheidend. Am 11. November 1918 wurde der Waffenstillstand von Compiègne unterzeichnet: Das war das Ende von vier Kaiserreichen (Deutsches Reich, Österreich-Ungarn, Osmanisches Reich und Russland. Im Versailler Vertrag wurde Deutschland die alleinige Kriegsschuld zugesprochen und zu hohen Reparationen sowie Gebietsabtretungen verpflichtet. |
| Mit ca. 70 bis 85 Millionen Toten war der Zweite Weltkrieg der verlustreichste Krieg aller Zeiten. Das NS-Regime strebte unter Adolf Hitler nach „Lebensraum im Osten“ und der totalen Vormachtstellung in Europa und begann den Krieg am 1. September 1939 mit dem deutschen Überfall auf Polen. Kurz darauf erklärten Großbritannien und Frankreich Deutschland den Krieg. Die Deutsche Wehrmacht errang schnelle Siege in Polen, Frankreich sowie Nord- und Westeuropa. Mit dem „Unternehmen Barbarossa“ begann 1941 ein Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion. Nach dem Angriff Japans auf Pearl Harbor 1942 traten die USA in den Krieg ein. Die deutsche Niederlage in der Schlacht von Stalingrad markierte den militärischen Wendepunkt. Die Schlacht gilt als eine der grausamsten Schlachten der Geschichte. Die Hunderttausende Wehrmachtssoldaten, die Stalingrad auf Geheiß Hitlers angriffen erlebten ein monatelanges Gemetzel, Hunger und Kälte im strengen russischen Winter. Vor allem aber die Verzweiflung, als Hitler den bereits im November 1942 eingekesselten Soldaten befahl, trotz aussichtsloser Lage weiterzukämpfen. Aus der Hölle von Stalingrad, gab es für 240.000 der 300.000 eingeschlossenen Soldaten kein Entkommen. Die Landung der Alliierten in der Normandie (D-Day) 1944/45 und der Vormarsch der Roten Armee führten zum Zusammenbruch des NS-Staates. In Europa endete der Krieg am 8. Mai 1945 mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht. In Asien endete er am 2. September 1945 mit den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki in Japan. |
Die längsten Kriege der Welt
| Als längster Krieg der Geschichte gilt die Reconquista auf der Iberischen Halbinsel. Der Kampf zwischen christlichen Königreichen und maurischen Herrschern dauerte rund 781 Jahre. Der Krieg begann etwa 722 n. Chr. mit der Schlacht von Covadonga und endete 1492 rund 780 Jahre später mit der Übergabe Granadas an die Katholischen Könige. Führende christliche Königreiche waren Asturien, Kastilien, León, Aragón und Navarra gegen muslimische Gebiete, die als Al-Andalus bekannt waren. 1085 fiel Toledo, das alte westgotische Machtzentrum. 1212 fand die Entscheidungsschlacht von Las Navas de Tolosa statt, die den Zusammenbruch der muslimischen Vorherrschaft einleitete. Im eigentlichen Sinne war die Reconquista ununterbrochener Krieg, sondern eine Abfolge von Feldzügen, Siedlungsbewegungen und Phasen der Koexistenz. |
| Der 335 Jahre andauernde Krieg zwischen den Niederlanden und den Scilly Islands war der längste Krieg mit der niedrigsten Opferzahl. Der „Krieg“ brach 1651 mit dem Ende des Englischen Bürgerkriegs aus. Trotz seiner Dauer kam dabei kein Mensch zu Schaden, ja nicht einmal ein einziger Schuss wurde abgefeuert. Alle Beteiligten vergaßen nach nur wenigen Monaten, dass sie sich im Krieg befanden. Der Langzeitkonflikt hatte seine Wurzeln im englischen Bürgerkrieg von 1642 bis 1649. Während des Englischen Bürgerkrieges wurden die Anhänger der Monarchie von den Britischen Inseln verdrängt. Die königstreue Marine zog sich daraufhin auf die Scilly-Inseln zurück. Nach Kämpfen forderte der niederländische Admiral Maarten Tromp, der mit seinen Schiffen vor Scilly ankerte, am 30. Mai 1651 als Ausgleich für Piraterie Reparationen von den Royalisten. Da er keine zufriedenstellende Antwort erhielt, erklärte er daraufhin den Krieg. Die niederländischen Schiffe vor Scilly zogen ab wieder ab, ohne Kriegshandlungen aufgenommen zu haben. Mit der Unterzeichnung des Friedensvertrags am 17. April im Jahr 1986 endete der 335 Jahre andauernde Krieg zwischen den Niederlanden und den Scilly Islands. |
| Der Konflikt zwischen England und Frankreich (1337–1453), der als Hundertjähriger Krieg bekannt ist, dauerte tatsächlich 116 Jahre. Er bezeichnet traditionell die Zeit von 1337 bis 1453, in der englische Könige versuchten, ihre Ansprüche auf den französischen Thron mit Waffengewalt durchzusetzen. Dennoch bestand dieser Konflikt aus mehreren Phasen und einzelnen Kriegen, die erst später als ein einziger Komplex gesehen wurden. Hintergrund der andauernden Kämpfe bildeten ein lehensrechtlicher Streit um die Besitzungen und die Rolle der englischen Könige als Herzöge von Aquitanien im Königreich Frankreich und der sich daran anschließende Streit um die Thronfolge in Frankreich zwischen dem englischen König Edward III. (Haus Plantagenet) und dem französischen König Philipp VI. (Haus Valois). Letzten Endes waren es die Valois, die siegreich aus der langjährigen Auseinandersetzung hervorgingen. |
| Der Konflikt in Myanmar(seit über 60 Jahren) wird als der am längsten andauernde Bürgerkrieg der Welt bezeichnet. In dem Land existieren seit 1948 – dem Jahr, in dem es Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich erlangte – eine repressive Militärherrschaft und ein Bürgerkrieg mit ethnischen Minderheiten. Im Jahr 2017 begannen die Tatmadaw (die Streitkräfte Myanmars) und lokale Sicherheitskräfte eine Kampagne zur “ethnischen Säuberung” gegen die muslimische Minderheit der Rohingya. Tausende wurden ermordet und ganze Dörfer niedergebrannt. Fast 880.000 Rohingya sind aus dem Land geflohen. Die die Militärführung unter General Min Aung Hlaing, die sich am 1. Februar 2021 an die Macht geputscht hatte, kontrolliert primär die großen Städte wie Yangon und Mandalay, während weite Teile des ländlichen Raums und der Grenzregionen von ethnischen bewaffneten Organisationen (EAOs) und der People’s Defence Force (PDF) gehalten werden. Ein Ende des Bürgerkriegs ist nicht abzusehen. Myanmar steht am Rande des Staatszerfalls. |
| Der Dreißigjährige Krieg von 1618 bis 1648 war ein Konflikt um die Hegemonie im Heiligen Römischen Reich und in Europa, der als Religionskrieg begann und als Territorialkrieg endete. Er bestand aus vier Hauptabschnitten: der Böhmisch-Pfälzische Krieg (1618–1623), der Dänisch-Niedersächsische Krieg (1625–1629), der Schwedische Krieg (1630–1635) und der Schwedisch-Französischer Krieg (1635–1648). Am 23. Mai 1618 stürmen protestantische Adlige die Burg von Prag, Sitz des Königs von Böhmen, und werfen kurzerhand die königlichen Statthalter aus dem Fenster. Mit diesem Fenstersturz begann einer der längsten und blutigsten Kriege in Europa. Dabei ging es nur vordergründig um den Kampf zwischen Protestanten (Reformation) und Katholiken. Zwischen diesen bestanden tiefe religiöse Spannungen. Hinzu kamen politische Konflikte zwischen den Reichsständen und dem habsburgischen Kaiser. Es war ein Krieg der Söldnerheere, die das Land plünderd durchzogen. Berühmte Feldherren waren Wallenstein (kaiserlich) und der Schwedenkönig Gustav II. Adolf. Schätzungen zufolge verstarben etwa 40 % der Bevölkerung im Heiligen Römischen Reich durch Kampfhandlungen, Hunger und Seuchen wie die Pest. |
| Der Krieg gegen den Terror kurz GWOT, begann nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA. Darunter verstand die damalige Regierung Bush den Kampf sowohl gegen terroristische Vereinigungen als auch gegen Staaten, die terroristische Organisationen unterstützen. Im Krieg gegen den Terror im Irak, in Afghanistan und in Pakistan sind weit über eine Million Menschen getötet worden. Der „Krieg gegen den Terror“ als offener, großflächiger Militäreinsatz (wie in Afghanistan bis 2021) ist weitgehend beendet, bleibt aber als sicherheitspolitische Strategie aktuell. Der Fokus verschob sich von direkter Invasion auf punktuelle Drohnenangriffe, Geheimdienstoperationen und Bekämpfung der Terrorfinanzierung. |
Ungelöste Konflikte
Konflikte und Gewalt sind ungehindert auf dem Vormarsch. Nach Angaben der UN nehmen Konflikte und Gewalt weltweit zu. Die UN warnt, dass der Frieden auf der Welt so stark bedroht ist wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Zu den ungelösten Konflikten, die sich zudem noch verschlechtern, gehören der Konflikt in der Ukraine, der Krieg in Afghanistan, die politische Instabilität im Libanon, der Krieg im Jemen, die Rohingya-Krise in Myanmar und der Konflikt in Äthiopien.