Die heimliche Invasion
Invasive Arten sind Tier- und Pflanzenarten oder Mikroorganismen, die durch menschlichen Einfluss (bewusst oder unbewusst) in neue Lebensräume eingeführt wurden, in denen sie natürlich nicht vorkommen, sich dort stark ausbreiten und nachweislich ökologische, wirtschaftliche oder gesundheitliche Schäden verursachen, etwa durch Verdrängung heimischer Arten oder Veränderungen von Lebensräumen. Sie sind eine der Hauptursachen für das globale Artensterben, da sie mit einheimischen Arten um Nahrung und Lebensraum konkurrieren. Sie verändern Ökosysteme fundamental, indem sie Nahrungsnetze zerstören oder Lebensräume umgestalten. Einige Arten können Krankheitserreger übertragen (z. B. asiatische Tigermücke) oder lösen Allergien aus (z. B. Ambrosia). Ihre Ausbreitung erfolgt oft schleichend und die verheerenden Folgen werden oft erst spät erkannt. Ein Grund für die zunehmende Verbreitung ist der Klimawandel. Wärmere Temperaturen ermöglichen es wärmeliebenden Arten, sich auch in Nordeuropa zu etablieren. Eine weitere Ursache ist das Freilassen von Haustieren. Ausgesetzte Exoten aus Aquarien oder Terrarien sind ein wachsendes Problem für den Artenschutz und die Biodiversität. Doch nicht jede gebietsfremde Art ist invasiv, viele fügen sich unauffällig in bestehende Ökosysteme ein oder bleiben lokal begrenzt. So etwa der Fasan, der ursprünglich aus Asien stammt, aber bereits in der Antike eingebürgert wurde und sich stabil in die Agrarlandschaft einfügt. Oder der Damhirsch, eine orientalische Hirschart, die heute in vielen europäischen Wäldern lebt, ohne einheimische Arten zu verdrängen. Viele Nahrungspflanzen wie Kartoffel, Mais und Tomate sind gebietsfremd, aber nicht invasiv. Auch ursprünglich gebietsfremde Zierpflanzen wie der Flieder, die Sonnenblume oder der Lavendel sind ökologisch unbedenklich.
In Deutschland bereits etablierte invasive Arten, oder Einzelfunde:
Besonders invasive Krebsarten stellen eine massive Bedrohung für heimische Ökosysteme dar und zählen zu den Hauptursachen für den weltweiten Artenrückgang. In Deutschland sorgt aktuell vor allem eine neue invasive Ameisenart für Aufsehen:, die Große Drüsenameise (Tapinoma magnum). Die Ameisen bilden riesige „Superkolonien“ mit Millionen Tieren. Sie unterhöhlen Gehwege, dringen in Häuser ein und verursachen durch das Nisten in Stromkästen Kurzschlüsse sowie Internet- und Stromausfälle. Die Art aus dem Mittelmeerraum ist komplett schwarz, etwa 2 bis 3,5 mm groß. Bei Störung geben sie einen ranzigen, butterartigen Geruch ab. Die Ameisen sind sehr aggressiv gegenüber heimischen Arten und Menschen; sie beißen sofort zu. Ganz aktuell wurde in der Stuttgarter Wilhelma eine neue invasive Art nachgewiesen. Bei dem Fund handelt es sich um eine Asiatische Nadelameise (Brachyponera chinensis). Im Gegensatz zu Tapinoma magnum verfügt diese Art über einen Stachel. Ein Stich kann bei Menschen heftige allergische Reaktionen bis hin zu einem lebensgefährlichen anaphylaktischen Schock auslösen.
| Die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) ist eine invasive Insektenart, die sich zunehmend in Deutschland verbreitet. Sie ist mit 3 bis 8 mm relativ klein (kleiner als eine 1-Cent-Münze) und hat einen tiefschwarzen Körper mit silbrig-weißer Musterung. Markante Merkmale sind ein weißer Längsstreifen auf dem Rücken (Kopf bis Halsschild) und fünf weiße Ringe an den Hinterbeinen. Die Mücke kann über 20 Krankheitserreger übertragen, darunter das Dengue-Virus, das Chikungunya-Virus, das Zika-Virus und das West-Nil-Virus. Besonders das Denguefieber ist gefährlich und kann innere Blutungen verursachen. Die Mücken tragen in unseren Breite, die Viren allerdings nicht von Geburt an in sich. Damit eine Tigermücke eine der Tropenkrankheiten übertragen kann, muss sie zuvor eine infizierte Person gestochen haben. Das Risiko steigt daher durch infizierte Reiserückkehrer. Die Art sticht anders als die meisten hiesigen Arten, auch am Tag. Sie sind ausserdem extrem aufdringlich. Anders als heimische Mücken legen die Tigermücken ihre Eier nicht in Seen, Teiche oder Tümpel. Sie verbreiten sich eher im stehenden Wasser offener Gefäße wie Regentonnen oder auch alten Autoreifen. Den Tieren reichen schon kleinste Wasseransammlungen wie auf Planen, verstopften Abflussrinnen oder Pflanzenschalen. |
| Die Asiatische Hornisse (Vespa velutina nigrithorax) breitet sich in Deutschland rasant aus. Sie ist etwas kleiner als die heimische Hornisse, fast vollständig schwarz mit einem breiten gelb-orangen Streifen am Hinterleib und auffällig gelben Beinspitzen. Im Gegensatz zur heimischen Art jagt sie gezielt Honigbienen (bis zu 85 % ihrer Nahrung) und kann ganze Bienenvölker schwächen. Sie belagert auch die Fluglöcher, was dazu führt, dass Bienen den Stock nicht mehr verlassen und das Volk verhungert Eine Gefahr für Menschen besteht nicht. Die Asiatische Hornisse ist grundsätzlich friedfertig, verteidigt ihr Nest jedoch extrem aggressiv, daher ist ein Sicherheitsabstand von mindestens 5 Metern einzuhalten! Nester können bis zu 5.000 Individuen umfassen und befinden sich oft hoch in Baumwipfeln. |
| Chinesische Wollhandkrabbe (Eriocheir sinensis): In Deutschland ist diese invasive Art heute in fast allen Flusssystemen mit Zugang zur Nordsee (insbesondere Elbe und Weser) weit verbreitet. Auffälligstes Merkmal und namensgebend ist der dichte, pelzartige Haarbesatz an den Scheren, der vor allem bei Männchen stark ausgeprägt ist. Sie ist katadrom, das heißt, sie lebt überwiegend im Süßwasser, wandert aber zur Fortpflanzung flussabwärts ins Meer (Brack- und Salzwasser). Ein Weibchen kann zwischen 250.000 und 1 Million Eier produzieren. Als Allesfresser ernähren sie sich von Wasserpflanzen, Muscheln, Insektenlarven und Fischlaich. Sie verdrängen heimische Arten durch Nahrungskonkurrenz und Prädation (z. B. Fressen von Fischlaich) und können die Krebspest übertragen. Durch ihre Wühltätigkeit in Uferböschungen destabilisieren sie Deiche und Wasserläufe. Große Exemplare werden in asiatischen Märkten für etwa 16 Euro pro Kilogramm als Delikatesse verkauft. |
| Kalikokrebs (Faxonius immunis (Orconectes immunis)): Der Kalikokrebs gilt als „Killermaschine“ für heimische Gewässer, da er als Allesfresser Amphibienlaich, Libellenlarven und Wasserpflanzen radikal dezimiert. Zudem überträgt er die für heimische Edelkrebse tödliche Krebspest. Die Art ist extrem widerstandsfähig. Weibchen legen bis zu 500 Eier, und die Jungtiere sind bereits nach wenigen Monaten geschlechtsreif. Er kann sogar kurze Strecken über Land wandern, um neue Lebensräume zu erschließen. |
| Kamberkrebs (Orconectes limosus): Der Kamberkrebs ist extrem anpassungsfähig und besiedelt fast alle Gewässertypen, inklusive verschlammter oder belasteter Gewässer. Arttypisch ist die kräftige seitliche Bedornung im Wangenbereich vor der Nackenfurche. Charakteristisch sind darüber hinaus die orangen Scherenspitzen, die mit einem dunklen Band farblich abgesetzt sind, und die rostroten Querbinden auf der Rückenseite des Pleons (Hinterleib). Der Kamberkrebs ist überwiegend nachtaktiv, verlässt seine Verstecke aber auch regelmäßig tagsüber. In geeignetem Substrat legt er Wohnhöhlen an, kann sich aber auch im schlammigen Grund oder zwischen Wasserpflanzen verbergen. Durch seine hohe Fortpflanzungsrate und Aggressivität verdrängt er heimische Arten aktiv von ihren Standplätzen. Er ist selbst weitgehend immun gegen den Erreger (Aphanomyces astaci) der Krebspest, trägt ihn aber weiter, was für heimische Arten wie den Edelkrebs oder Steinkrebs meist tödlich endet. In hohen Dichten kann er Wasserpflanzenbestände und das Makrozoobenthos (kleine Gewässertiere) stark dezimieren. |
| Signalkrebs (Pacifastacus leniusculus): Der Signalkrebs stellt eine massive Bedrohung für das heimische Ökosystem dar, weil immuner Überträger der Krebspest, einer für europäische Flusskrebse (wie Edel- und Steinkrebs) tödlichen Pilzerkrankung ist und weil er durch seine höhere Fortpflanzungsrate, Aggressivität und schnellere Entwicklung heimische Arten aktiv verdrängt. Ausserdem dezimiert er als Allesfresser Fischlaich, kleine Fische und Wasserpflanzen, was das biologische Gleichgewicht stört. Namensgebend ist ein heller (weißer bis türkisblauer) Fleck im Scherengelenk, der besonders beim Öffnen der Scheren sichtbar wird. Die Unterseite der Scheren ist meist leuchtend rot. Er erreicht eine Länge von etwa 12 bis 16 cm, in Ausnahmen bis zu 20 cm. Der Signalkrebs ist äußerst anpassungsfähig und besiedelt sowohl fließende als auch stehende Gewässer, von kühlen Bächen bis hin zu schlammigen Teichen. Da er als hervorragender Speisekrebs gilt, wird er mancherorts gezielt befischt, um die Bestände zu kontrollieren und gastronomisch zu nutzen. |
| Roter Amerikanischer Sumpfkrebs (Procambarus clarkii): Adulte Tiere sind leuchtend rot bis dunkelrot/schwarz gefärbt mit charakteristischen roten Dornen oder Höckern an den Scheren. Er ist extrem robust gegenüber Hitze, Sauerstoffmangel und Austrocknung. Bei Trockenheit gräbt er sich bis zu einem Meter tiefe Höhlen. Besonders nach Regenfällen wandert er über Land, um neue Gewässer zu besiedeln. Ein Weibchen kann bis zu 800 Eier tragen und sich mehrmals im Jahr vermehren. Der Sumpfkrebs ist ebenfalls Überträger der Krebspest. Während er selbst immun ist, sterben heimische Arten wie der Edelkrebs bei Kontakt innerhalb weniger Tage. Als aggressiver Allesfresser vertilgt er Amphibien, Fischlaich, Insektenlarven und Wasserpflanzen. Ausserdem kann seine Wühltätigkeit die Stabilität von Dämmen und Uferböschungen gefährden. Er gilt weltweit als Delikatesse. |
| Marmorkrebs (Procambarus fallax f. virginalis): Der Marmorkrebs ist die einzige bekannte Flusskrebsart, die sich ausschließlich durch Jungfernzeugung (Parthenogenese) fortpflanzt. Alle heute lebenden Exemplare sind genetisch identische Klone eines einzigen weiblichen Ursprungstieres. Es existieren nur Weibchen. Ein einzelnes Tier kann ohne Partner hunderte Nachkommen produzieren und so im Alleingang ganze Ökosysteme besiedeln. Aufgrund seiner schnellen Vermehrung und Robustheit gilt er als hochgradig invasive Art. Marmorkrebse verdrängen heimische Arten durch Nahrungskonkurrenz und können die Krebspest übertragen, gegen die sie selbst weitgehend immun sind, die für heimische Edelkrebse jedoch tödlich ist. Da sich die Krebse wie Tumorzellen unkontrolliert klonen, werden sie am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) untersucht, um die Entstehung von Tumoren besser zu verstehen. |
| Amerikanische Trogmuschel (Mulinia lateralis): Diese klein (meist nur 7–22 mm) Art stammt ursprünglich von der US-Ostküste. Seit etwa 2017/2019 breitet sie sich massiv im Wattenmeer (z. B. vor Sylt oder in der Elbmündung) sowie in der Nord- und Ostsee aus. Sie ist extrem anpassungsfähig und vermehrt sich rasant, was sie zu einer potenziellen Konkurrenz für heimische Arten macht. |
| Schwarzer Zwergwels (Ameiurus melas): Der Schwarze Zwergwels erreicht im Durchschnitt eine Größe von 25 bis 35 cm, kann aber in Ausnahmefällen bis zu 60 cm lang und über 3 kg schwer werden. Der Fisch ist extrem widerstandsfähig gegenüber Sauerstoffmangel, Wasserverschmutzung und hohen Temperaturen. Er ist ein Allesfresser, der nachts am Grund nach Insektenlarven, Krebsen, Eiern und kleinen Fischen sucht. Die ökologische Bedeutung wird kritisch gesehen, da er heimische Arten durch Nahrungskonkurrenz und den Verzehr von Fischlaich verdrängt. |
| Gemeiner Sonnenbarsch (Lepomis gibbosus): Der Gemeine Sonnenbarsch erreicht er meist eine Länge von 10 bis 15 cm. Er stammt ursprünglich aus dem östlichen Nordamerika. Er ist meist olivgrün bis bläulich gefärbt mit orangefarbenen oder braunen Flecken und einem markanten rot-schwarzen Fleck am Kiemendeckel („Ohr“). Er bevorzugt stehende oder langsam fließende, klare Gewässer mit viel Vegetation und sandigem Grund. Der Gemeine Sonnenbarsch ist ein Raubfisch, der sich von Insektenlarven, kleinen Krebsen, Schnecken sowie Fischbrut ernährt. Er gilt heute vielerorts als invasive Art, da er durch das Fressen von Fischlaich und Jungfischen sowie durch Nahrungskonkurrenz die heimische Artenvielfalt bedrohen kann. Da er kaum natürliche Feinde hat (Hechte meiden ihn oft wegen seiner stacheligen Flossenstrahlen) und ein starker Nahrungskonkurrent ist, verdrängt er heimische Arten. |
| Blaubandbärbling (Pseudorasbora parva): Er erreicht meist eine Länge von bis zu 9–11 cm. Er hat einen schlanken, spindelförmigen Körper mit silbrig-grauer Färbung. Namensgebend ist ein dunkler Längsstreifen, der bei Jungfischen besonders deutlich ausgeprägt ist. Auffällig ist sein oberständiges Maul mit schräg nach oben gerichteter Mundspalte. Als Allesfresser ernährt er sich von Zooplankton, kleinen Insektenlarven, Bodentieren sowie dem Laich anderer Fischarten. Er gilt als hochgradig invasiv, da er heimische Fische durch Nahrungskonkurrenz verdrängt und Krankheitserreger übertragen kann. Zudem zeigt er ein aggressives Schwarmverhalten gegenüber anderen Arten. Der Fisch ist extrem anpassungsfähig (Ubiquist) und besiedelt Seen, Kanäle, Teiche und langsam fließende Gewässer, wobei er trübe, pflanzenreiche Gewässer bevorzugt. In Deutschland ist die Art mittlerweile weit verbreitet und gilt als etabliert. |
| Der Amerikanische Ochsenfrosch (Lithobates (Rana) catesbeianus) erreicht eine Körperlänge von bis zu 20 cm und ein Gewicht von etwa 0,5 bis 1 kg. Die Männchen erzeugen ein tiefes, ochsenähnliches Brüllen, das über weite Distanzen hörbar ist. Er bevorzugt stehende Gewässer wie Seen, Weiher und Gartenteiche. Ein Weibchen kann pro Saison bis zu 20.000 bis 25.000 Eier legen. Die Kaulquappen können handflächengroß werden und benötigen oft mehrere Jahre für ihre Entwicklung. Als extrem räuberischer Allesfresser frisst er alles, was in sein Maul passt: Insekten, Fische, andere Amphibien, kleine Vögel und sogar junge Ringelnattern oder Kleinsäuger. Die ökologischen Folgen sind dramatisch: Er verdrängt heimische Arten nicht nur durch Fraß, sondern auch durch Nahrungskonkurrenz. Zudem können seine Larven Hemmstoffe abgeben, die die Entwicklung anderer Kaulquappen stören. |
| Nilgans (Alopochen aegyptiacus): Die Nilgans stammt ursprünglich aus Afrika. Charakteristisch ist der auffällige dunkle Augenfleck („Matschauge“) auf hellem Grund sowie ein dunkler Fleck auf der Brust. Sie erreicht eine Körperlänge von ca. 63–75 cm und ein Gewicht zwischen 1,5 und 2,4 kg und hat verhältnismäßig lange, rosafarbene Beine. Die Vögel sind sehr anpassungsfähig; sie besiedeln Seen, Flüsse, Stadtparks und Golfplätze, sofern kurze Rasenflächen zum Grasen in der Nähe sind. Während der Brutzeit sind Nilgänse streng territorial und können gegenüber anderen Vögeln sehr aggressiv auftreten. Seit 2017 gilt sie als invasive Art, da sie heimische Arten von Brutplätzen verdrängen kann (z. B. Wanderfalken oder Störche). In Städten sorgt ihr Kot in Freibädern und Liegewiesen oft für Unmut. Sie wird gejagt, da ihr Fleisch zart und aromatisch ist. |
| Sikahirsch (Cervus nippon): Der Sikahirsch stammt ursprünglich aus Ostasien (Japan, Korea, Ostchina, Vietnam). Mit einer Schulterhöhe von etwa 64–100 cm und einem Gewicht von bis zu 80 kg ist er deutlich kleiner als der heimische Rothirsch. Da Sikahirsche eng mit dem Rothirsch verwandt sind, können sie sich paaren und fruchtbare Nachkommen (Hybriden) zeugen, was die genetische Reinheit des heimischen Rotwilds gefährdet. |
| Nutria (Myocastor coypus): Nutrias werden bis zu 65 cm lang und wiegen bis zu 10 kg. Ihr runder, fast haarloser Schwanz, unterscheidet sie deutlich vom Biber (flache Kelle). Die Tiere sind auch kleiner als adulte Biber (maximale Kopf-Rumpf-Länge rund 100 cm, Kellenlänge ca. 35 cm, Gewicht 25–30 kg). Männliche Nutrias werden generell etwas größer als die Weibchen. An den Hinterfüßen haben sie jeweils zwischen den ersten vier Zehen Schwimmhäute, der fünfte Zeh ist freiliegend. Nutrias leben am Wasser, sind oft dämmerungsaktiv, aber auch tagsüber wenig scheu. Sie ernähren sich fast ausschließlich vegetarisch von Wasserpflanzen und Ufervegetation. Sie vermehren sich extrem schnell (bis zu 3 Würfe pro Jahr mit je 6–8 Jungen). Die Tiere leben entweder paarweise oder in Gemeinschaften von etwa 12 bis 15 Tieren. Als invasive Art verursachen sie erhebliche Schäden, indem sie Deiche und Uferböschungen untergraben. Die Nutria wird gelegentlich mit der aus Nordamerika stammenden Bisamratte verwechselt, die sich gleichfalls in Europa als Neozoon etabliert hat, allerdings kleiner ist und einen seitlich abgeplatteten Schwanz hat. |
| Amerikanischer Nerz (Neogale vison): Der Amerikanische Nerz (auch Mink genannt) ist ein Raubtier aus der Familie der Marder. Ursprünglich in Nordamerika beheimatet, hat er sich als Neozoon in Europa weit verbreitet. Der Mink ist etwa iltisgroß mit einem schlanken Körper, kurzen Beinen und einem buschigen Schwanz. Sein dichtes, wasserabweisendes Fell ist meist dunkelbraun bis schwarz. Minke sind hervorragende Schwimmer und Taucher (bis zu 6 Meter tief) und leben an Ufern von Flüssen, Seen und Sumpfgebieten. Als Fleischfresser jagen sie Fische, Krebse, Amphibien, kleine Säugetiere (wie Bisamratten) und Wasservögel. Minks sind dämmerungs- und nachtaktive Einzelgänger, die außerhalb der Paarungszeit aggressiv auf Artgenossen reagieren. Der Amerikanische Nerz gilt in Europa als invasive Art. Aufgrund seiner größeren Körperkraft und höheren Fortpflanzungsrate verdrängt er den heimischen Europäischen Nerz zunehmend aus dessen Lebensraum. Zudem kann er lokale Bestände von Bodenbrütern und Amphibien stark unter Druck setzen. |
| Marderhund (Nyctereutes procyonoides): Der Marderhund ähnelt optisch den Waschbären, ist aber biologisch näher mit dem Fuchs verwandt. Die überwiegend nachtaktiven Tiere sind sehr scheu und leben meist in monogamen Paaren, die ein Leben lang zusammenbleiben. Als einziger Vertreter der Hundeartigen hält er in kalten Regionen eine Winterruhe. Bei akuter Lebensgefahr zeigt er oft einen Totstellreflex (Thanatose). Er ist ein Allesfresser aber eher ein „Sammler“ als ein aktiver Jäger. Er frisst Beeren, Früchte, Insekten, Amphibien, kleine Nagetiere und Aas.In Europa gilt er als invasive Art (Neozoon). |
| Der Bisam (Ondatra zibethicus), auch Bisamratte, stammt ursprünglich aus Nordamerika. Er erreicht eine Körperlänge von bis zu 40 cm plus einen ca. 25 cm langen, seitlich abgeplatteten Schwanz. Dies unterscheidet ihn vom Biber (flache Kelle) und der Nutria (runder Schwanz). Ausgewachsene Tiere wiegen zwischen 1 und 2 kg. Bisams sind hervorragend an das Leben im Wasser angepasst und können bis zu. Sie leben an Ufern von Fließen, Seen und Kanälen, wo sie komplexe Erdbaue errichtet. Der Bisam ist primär ein Pflanzenfresser (Schilf, Rohrkolben, Wasserpflanzen), frisst aber gelegentlich auch Muscheln, Krebse oder kleine Fische. Der Bisam ist ein Schädling, da seine Wühltätigkeit Dämme und Deiche instabil machen kann. Zudem gefährdet er durch den Verzehr großer Mengen an Teich- und Flussmuscheln geschützte Bestände. |
| Der Waschbär (Procyon lotor) ist ein extrem anpassungsfähiges Raubtier, das ursprünglich aus Nordamerika stammt. Waschbären sind primär dämmerungs- und nachtaktiv. Den Tag verbringen sie schlafend in Verstecken wie Baumhöhlen, Felsspalten oder leerstehenden Gebäuden. Die Tiere sind sehr lernfähig, besitzen ein hervorragendes Gedächtnis und können sogar komplexe Schlösser öffnen. Bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt ziehen sie sich in ihre Verstecke zurück und senken ihren Energiebedarf, halten jedoch keinen echten Winterschlaf. Als klassische Allesfresser ernähren sich Waschbären von kleinen Säugetieren, Fischen, Insekten, Früchten und menschlichen Abfällen. In Deutschland hat er kaum natürliche Fressfeinde, was zu einem rasanten Populationsanstieg führt. Er bedroht heimische Arten wie Bodenbrüter, Amphibien (z. B. Erdkröten) und Reptilien. In Städten verursacht er zudem Schäden an Gebäuden, indem er Dämmungen zerstört oder in Dachböden nistet. |
| Chinesischer Muntjak / Zwergmuntjak (Muntiacus reevesi): Der Chinesische Muntjak ist eine kleine Hirschart aus Ostasien, die durch ihre selektive und intensive Fraßtätigkeit erhebliche negative Auswirkungen auf di e heimische Vegetation, insbesondere seltene Pflanzenarten, haben können. Zudem können sie Sukzessionsabläufe in Wäldern verzögern und mit dem heimischen Rehwild in Nahrungskonkurrenz treten. Die Tiere sind tag- und nachtaktiv und ernähren sich vorzugsweise von jungen Pflanzen, Blättern, Früchten, Samen und Rinde. Sie sind aber keine Kostverächter und können auch Eier, kleine Nagetiere oder Aas fressen. |
| Der südamerikanische Nasenbär (Nasua nasua) ist ein Kleinbär, der sich als Allesfresser sich von Früchten, Insekten, kleinen Wirbeltieren und Eiern ernährt. Er ist in fast ganz Südamerika (u. a. Kolumbien, Brasilien, Argentinien) in tropischen Regenwäldern, Gebirgswäldern bis 2.500 m Höhe und Buschland heimisch. Die Kopfrumpflänge beträgt etwa 41–67 cm, plus ein ebenso langer, oft geringelter Schwanz (32–69 cm). Sie wiegen zwischen 3 und 6 kg. Er kann die lokale Artenvielfalt gefährden, indem er Gelege von Bodenbrütern plündert oder seltene Amphibien und Reptilien frisst. Er ist zudem ein potenzieller Überträger von Krankheiten auf Nutztiere und Menschen. Nasenbären sind tagaktiv. Während Weibchen und Jungtiere in Gruppen (Bands) von bis zu 30 Tieren leben, sind erwachsene Männchen meist Einzelgänger. Sie sind hervorragende Kletterer und schlafen meist in Baumkronen, um vor Fressfeinden wie Jaguaren oder Pumas sicher zu sein. |
| Der Hammerhaiwurm (Bipalium kewense) ist ein invasiver Plattwurm aus den tropischen Regionen Südostasiens. Er ist eines der wenigen wirbellosen Landtiere, die das starke Nervengift Tetrodotoxin produzieren (bekannt vom Kugelfisch). Dieses nutzt er zur Verteidigung und um Beute zu lähmen. Der Wurm ist ein räuberischer Fleischfresser, der es besonders auf Regenwürmer abgesehen hat und so heimische Bodenökosysteme zerstört. Regenwürmer sind für die Belüftung des Bodens und die Nährstoffverteilung essenziell. Wenn der Hammerhaiwurm zerteilt wird, kann jedes Stück innerhalb weniger Wochen zu einem vollständigen neuen Wurm regenerieren. Sie sind Zwitter und vermehren sich meist asexuell durch Fragmentierung (Abwerfen von Körperteilen). ür die Belüftung des Bodens und die Nährstoffverteilung essenziell sind, |
| Der östliche Mosquitofisch (Gambusia holbrooki) gilt aufgrund seiner enormen Anpassungsfähigkeit und Aggressivität heute in vielen Regionen (auch in Europa und Australien) als invasive Art, die einheimische Fisch- und Amphibienarten verdrängt. Er bevorzugt stehende oder langsam fließende Gewässer und toleriert extreme Bedingungen wie niedrigen Sauerstoffgehalt, hohe Temperaturen und sogar Brackwasser. Die Fische sind lebendgebärend (vivipar); ein Weibchen kann pro Wurf zwischen 40 und 100 Jungfische zur Welt bringen. Weltweit wurden die Fische bekannt durch ihren Einsatz zur biologischen Mückenbekämpfung, da sie enorme Mengen an Mückenlarven fressen. Ein einzelner Fisch kann täglich bis zu 300 Mückenlarven fressen. |
Exotische Pflanzen sehen oft hübsch aus und viele sind auch völlig unproblematisch. Einige wenige gefährden allerdings die einheimische Pflanzenwelt. Sie sind invasiv und breiten sich außerhalb der Gärten in der freien Natur aus. Dort verdrängen sie heimische Pflanzen.
Global gesehen gilt die Wasserhyazinthe (Pontederia crassipes) als eine der aggressivsten, invasiven Pflanzen, da sie in über 50 Ländern ganze Ökosysteme überwuchert. In Deutschland haben sich besonders folgende Pflanzen breit gemacht:
- Japanischer Staudenknöterich: Besitzt extrem starke Wurzeln (Rhizome), die sogar Asphalt und Mauerwerk beschädigen können; verdrängt fast jegliche Begleitvegetation.
- Riesenbärenklau (Herkulesstaude): der Saft verursacht in Kombination mit Sonnenlicht schwere Verbrennungen.
- Drüsiges Springkraut (Himalaja-Springkraut): Breitet sich rasant an Flussufern aus und überwuchert dort die heimische Flora.
- Götterbaum: Ein extrem schnell wachsender Baum, der sich in Städten und entlang von Bahntrassen massiv ausbreitet und kaum zu bekämpfen ist.
- Ambrosia: Ihre Pollen gehören zu den stärksten bekannten Allergieauslösern und können schweres Asthma verursachen.