Heilende Wasser
Heilwasser ist eines der ältesten Naturheilmittel. Heilwassern wird eine heilende, lindernde oder vorbeugende Wirkung zugesprochen. Das Wasser kann innerlich für Trinkkuren bzw. äußerlich für medizinische Bäder angewendet werden und hat in Deutschland den Status eines Arzneimittels gemäß dem deutschen Arzneimittelgesetz (AMG). Natürliches Heilwasser ist naturbelassen, dem Wasser werden keine Stoffe entzogen oder zugesetzt. Heilwasser ist freiverkäuflich, d. h. weder rezept- noch apothekenpflichtig. Es enthält wertvolle Mineralien und Spurenelemente, hauptsächlich Magnesium (Mg2+), Calcium (Ca2+), Fluorid (F−), Sulfat (SO42−), Hydrogencarbonat (HCO3−) und Kohlenstoffdioxid (CO2). Darüber hinaus Natrium, Kalium, Eisen, Radon, Jod, Mangan oder Silicium. Die Mineralien können bei verschiedenen Beschwerden helfen, z.B. Schwefel bei Verdauungsproblemen, Magnesium bei Knochenleiden, Natrium bei Rheuma/Hautkrankheiten oder Radon bei Gelenkschmerzen. Oder für Bäder (Thermalbäder), um die Haut zu unterstützen oder Muskeln zu entspannen. 800 anerkannte Mineralquellen gibt es in Deutschland. Viele deutsche Kurorte mit Heilquellen sind als „Top-Kurorte“ ausgezeichnet worden. Zum Beispiel: Bad Kissingen, Bad Mergentheim, Baden-Baden & Aachen, Bad Wildungen, Bad Homburg, Bad Nauheim, Bad Ems und auch Karlsbad (Tschechien) oder die Thermalquellen in Bad Vigaun (Österreich). Berühmt sind auch folgende Heilquellen: Quelle in der Taminaschlucht in der Schweiz, Cascate del Mulino in der Toskana (Italien), Blaue Lagune bei Grindavic auf Reykjanes (Island), Fuente de los Baños de Montanejos in Castellón (Spanien), Ischia im Golf von Neapel (Italien), Thermopylen in Attika (Griechenland), Thués-les-Bains in den Pyrenäen (Frankreich), Maibachl in Kärnten (Österreich), Pamukkale in Denizli (Türkei), Bënjë bei Përmet (Albanien), Hévízer See in Keszthely (Ungarn),
Auf der griechischen Insel Ikaria gibt es mehrere Thermalquellen, die seit der Antike für ihre therapeutische Wirkung bekannt sind. Besonders hervorzuheben sind die Quelle „Athanato Nero“ (übersetzt: „Unsterbliches Wasser“), und die Apollon-Quelle (Therma), der die Bewohner heilende Kräfte zuschreiben. Die Quelle „Athanato Nero“ ist eine kohlensäurehaltige Radiumquelle, deren Wasser von Einheimischen und Besuchern zur Linderung verschiedener Leiden getrunken wird. Das Wasser der Apollon-Quelle ist reich an Radon und wird traditionell für therapeutische Bäder genutzt. Die Quellen auf Ikaria gehören zu den radiumhaltigsten der Welt. Sie enthalten zudem Mineralien wie Schwefel und Natriumchlorid. Das Thermalwasser der Asklepios-Quelle sprudelt mit einer konstanten Temperatur von etwa 40 °C aus dem Boden. Es handelt sich um ein hypertonisches, stark radioaktives Thermalwasser (reich an Radon), das zudem Mineralien wie Natrium, Chlorid und Kalium enthält. Das Baden in dem Wasser der Quellen hilft bei Chronischer Rheumatismus und verschiedene Formen von Arthritis, Gelenkerkrankungen und Neuralgien, gynäkologische Beschwerden und Hautkrankheiten und Atemwegserkrankungen. Der Begriff „Blaue Zone“ (Blue Zone) für Ikaria ist eine moderne wissenschaftliche Bezeichnung für Regionen mit extremer Langlebigkeit. Der Wein von Ikaria (Pramnios Wein) war bereits in der Antike für seine Stärke bekannt und gilt als einer der Gründe für das hohe Alter der Inselbewohner. Die heilenden Thermalquellen der Insel wurden oft mit göttlicher Gunst in Verbindung gebracht, wobei Quellen wie die Asklepios-Quelle direkt nach dem Gott der Heilkunst benannt sind.
Vielen Quellen weltweit, die seit Jahrtausenden bestehen, wird traditionell Heilwirkung und in einigen Fällen tatsächlich Heilungswunder nachgesagt.
| Lourdes (Frankreich) | Der drittgrößte Marienwallfahrtsort der Welt und zugleich der größte Europas ist das französische Lourdes. Etwa 6 Millionen Pilger kommen jährlich in das kleine Pyrenäenstädtchen. Im Jahr 1858 erschien dort der 14-jährigen Bernadette Soubirous die Gottesmutter 18-mal und stellte sich ihr als die „Unbefleckte Empfängnis“ vor. Am Erscheinungsort, der Grotte von Massabielle, entdeckte Bernadette im Auftrag Marias die heute weltberühmte Heilquelle. 70 Heilungswunder hat die Kirche seit den Erscheinungen offiziell anerkannt – über 30.000 soll es insgesamt gegeben haben. |
| Quelle Marienborn (Deutschland) | Der kleine Wallfahrtsort hat eine Quelle, der seit dem 12. Jahrhundert Heilwirkung zugeschrieben wird. Kranke wurden damals wie heute durch das Wasser gesund. Bis heute pilgern Kranke, Gläubige und Trostsuchende hierher, um von dem berühmten Wasser zu trinken. |
| St. Leonhardsquelle (Bayern) | Seit 1734 gilt die Quelle als heilend. Vor allem bei Augenleiden soll sich das Wasser an der Brunnenkapelle zum Heiligen Leonhard in Bad Leonhardpfunzen bewährt haben. Die Legende besagt, dass der Heilige Leonhard einem Kranken erschienen ist und ihm angeraten hatte, das Wasser zu trinken. Und er wurde geheilt. |
| Falkenstein (Österreich) | Die Legende besagt, dass der Heilige Wolfgang einen Klosterbruder zum Begleiter hatte, dem das entbehrungsreiche Leben ohne Trinkwasser jedoch viel zu hart war. Also stieß Wolfgang seinen Stab in den Boden und wie durch ein Wunder tat sich an genau dieser Stelle eine Quelle mit frischem Wasser auf. Trotzdem ließ der Mönch den Bischof alleine in der Einsiedelei zurück, die Quelle jedoch gibt es bis zum heutigen Tag und das Wasser ist seit vielen Jahrhunderten dafür bekannt, Heilkräfte zu haben. Besonders für die Augen soll es wahre Wunder bewirken. Ab dem 14. Jahrhundert war der Falkenstein die viertgrößte Wallfahrtsstätte Europas. Bis zu 80.000 Pilger kamen jedes Jahr hierher, füllten das glasklare Wasser in die sogenannten ‚Wolfgangiflascherl’ und nahmen es mit nach Hause, wo sie es als Heilmittel aufbewahrten. |
| Chalice Well (Großbritannien) | Chalice Well gehört zu den bekanntesten und meistbesuchten Quellen Großbritanniens. Dem Wasser wird Heilwirkung nachgesagt. Um die rötliche Färbung des Wassers ranken sich zwei Legenden. Einer Legende nach verbarg der hl. Josef von Arimathäa den Kelch mit dem Blut Christi an dieser Stelle, woraufhin die Quelle entsprang. Der zweiten Legende nach wusch Josef den Gral im Quellwasser, woraufhin sich dieses rötlich färbte. |
| Fátima (Portugal) | Fatima ist ein bedeutender katholischer Wallfahrtsort in Portugal, bekannt für die Erscheinungen der Jungfrau Maria 1917. Im Heiligtum gibt es eine Quelle, deren Wasser als heilig und heilend gilt. |
| Vaitheeswaran Temple (Indien) | Der Vaitheeswaran-Tempel ist ein bedeutender hinduistischer Tempel im indischen Bundesstaat Tamil Nadu, der dem Gott Shiva gewidmet ist. Das Wasser des Tempelteichs gilt als heilig und soll medizinische Eigenschaften besitzen, die Hautkrankheiten heilen können. |
| Masjid al-Haram (Mekka) |
Das Heilwasser stammt aus dem Brunnen von Zamzam, der sich in der Masjid al-Haram in Mekka, Saudi-Arabien befindet. Nach islamischen Überlieferungen gilt der Brunnen als wundersam entstandene Wasserquelle, die sich vor Tausenden von Jahren öffnete, als Ismaʿil (Ismael), der Sohn Ibrahims (Abrahams), mit seiner Mutter Hajar (Hagar) in der Wüste zurückgelassen wurde. Ismael drohte zu verdursten und Hajar rief um Hilfe. Da erschien der Engel Gabriel an der Stelle, wo sich heute der Zamzam-Brunnen befindet. Gabriel hatte im Sand einen Brunnen freigelegt. Auch in der Bibel Genesis 21,14 wird die Geschichte von Hagar und Ismael beschrieben, wie der Zamzam-Brunnen auf wundersame Weise entsprang – eine Geschichte, die von Juden, Christen und Muslimen gleichermaßen akzeptiert wird! Wissenschaftler können die Quelle des Brunnens nicht finden – es gibt keinen unterirdischen Fluss, und doch fließt das Wasser seit über 4.000 Jahren! |