Nessie

Das Seeungeheuer von Loch Ness (vom Volksmund Nessie genannt) lebt angeblich im schottischen See Loch Ness, in der Nähe von Inverness, wo es wiederholt gesichtet worden sein soll. Der See ist etwa 36–37 km lang, nur 1,6 km breit und bis zu 230 Meter tief. Aufgrund des hohen Torfgehalts ist das Wasser extrem dunkel. Es gefriert niemals, da die Temperatur ganzjährig bei etwa 5–7 °C bleibt.

Augenzeugenberichte haben von Nessie folgendes Bild zusammengestellt:

  • Länge: Über 15 m
  • Rumpf: Mindestens 10 m lang mit einem Umfang von 4 m
  • Kopf: Ähnlich einer Schnecke und sehr klein im Vergleich zum Körper
  • Hals: Etwa 1-2 m lang, anmutig und von der Dicke eines Elefantenrüssels
  • Schwanz: Ziemlich flach, am Ende stumpf
  • Flossen: Zwei kleine vorn, zwei große hinten
  • Haut: Ähnlich einer Schnecke – grau, silbern und schwarz

Nessie

Das angebliche Seeungeheuer wird in den meisten Fällen als Plesiosaurier, ein langhalsiger, reptilartiger Meereswohner mit länglichem Körper und vier paddelförmigen Flossen, beschrieben. Damit weist es erstaunliche Ähnlichkeiten mit den in vielen Mythen beschriebenen Drachen auf. Plesiosaurus lebte zur Zeit des frühen Jura (Unterjura) vor 201,3 bis 190,8 Millionen Jahren. Die ersten Fossilien des Plesiosaurus und meisten weiteren Funde wurden in Großbritannien gefunden. Da der Nessie-Mythos aber lediglich auf Augenzeugenberichten beruht, wurde die Existenz von Nessie nur von Kryptozoologen für möglich gehalten. Gegen Ende der Eiszeit war Loch Ness vermutlich noch eine Meeresbucht. Als sich das vom Gletschereis befreite Land bei Inverness hob, wurde der Zugang zum Meer abgeschnitten. Daher ist es möglich, dass ein oder mehrere Plesiosaurier im Loch Ness überlebt haben. Genügend Nahrung wäre vorhanden gewesen. Loch Ness hat einen großen Fischreichtum und gilt als eines der fischreichsten Gewässer Großbritanniens. Im See leben unter anderem viele Lachse, Aale, Forellen und Hechte. Die Theorie, dass ein Ursaurier im Loch Ness überlebt habe, wird mittlerweile selbst von Kryptozoologen abgelehnt. Sollte Plesiosaurus tatsächlich im Loch Ness überlebt haben, hätte es weitaus mehr Sichtungen geben müssen. Es müsste nämlich eine ganze Kolonie gegeben haben, um das Überleben der Tiere zu sichern und diese müssten auch regelmäßig zum Luft holen an die Oberfläche kommen. Ein weiteres Gegenargument, ist das einige der Berichte beinhalten, dass das gesichtete Tier aus dem Wasser gestiegen sei. Der Plesiosaurus war hingegen an ein Leben im Wasser angepasst und hätte an Land wahrscheinlich nicht überlebt. Doch es gibt andere Theorien.

Nessie wurde angeblich zum ersten Mal im Jahr 565 gesichtet. Der irische Mönch und Missionar Columba von Iona gründete auf der schottischen Insel Iona ein Kloster. Der neunte Abt des Klosters Adomnan berichtete in seiner Biografie (Vita Sancti Columbae), wie Columba ein „Monster“ im Loch Ness bändigte, das  einen Mann attackierte. Mit Gottes Hilfe sei er gerettet worden. In den folgenden Jahren gab es immer wieder Berichte über angebliche Sichtungen. Damit war die Legende von Nessie geboren. Am 2. Mai 1933 erschien in der Zeitung Inverness Courier ein Bericht über eine angebliche Sichtung. Im Zeitungsartikel wurde über Einheimische berichtet, die ein riesiges, im Loch tauchendes Tier gesichtet hätten. Am 14. April 1933 fuhren der einheimische Hotelbesitzer John Mackay und seine Frau eine Straße am Loch Ness entlang. Plötzlich begann das sonnenbeschienene Wasser des Sees zu schäumen, als ob ein Vulkan unter der Oberfläche ausgebrochen wäre. Mackay bremste, dann sahen er und seine Frau mit einer Mischung aus Faszination und Furcht zu, wie ein riesenhaftes Wesen auftauchte. Ein Wesen mit mindestens zwei Höckern oder Haarbüscheln und einem Hals wie eine Schlange. Das Wesen peitschte die Wasseroberfläche. Dann tauchte es ab und verschwand. Seit diesem Tag im Jahr 1933 ist das Wesen angeblich mehr als dreitausendmal gesichtet worden.

Weitere Sichtungen erfolgten im selben Jahr durch A. H. Palmer, der Nessie angeblich am 11. August 1933 um sieben Uhr beobachtet haben will. Eine Sichtung im November des gleichen Jahres sorgte für das erste Photo von Nessie. Diese Photo wurde von dem Ingenieur Hugh Gray aufgenommen, als er in der Nähe seines Hauses in dem Dörfchen Foyers spazierenging. Der See lag unbewegt da, doch bemerkte er etwa zehn Meter vom Ufer entfernt seltsame Wirbel. Ein runder Rücken und Schwanz tauchten auf, sagte er später, und ein über zehn Meter langes Geschöpf peitschte das Wasser und wirbelte eine Gischtwolke auf. Das Photo von dem Geschöpf wurde zur Analyse an die Kodiak geschickt. Die Firma bestätigte, daß der Film nicht behandelt worden war, doch konnte das schemenhafte Bild nicht überzeugen. Ein angeblich vom Chirurgen R.K. Wilson am 19. April 1934 geschossenes und in der britischen Boulevardzeitung Daily Mail gedrucktes Foto, wird von vielen Experten als das beste angesehen. Es zeigt ein großes Tier mit einem langen Hals, welches durch das Wasser gleitet. Später wurde behauptet, das Bild sei eine Fälschung. Der vielleicht überzeugungskräftigste Beweis von der Existenz von Nessie im Loch Ness gelang Dr. Rines, bei einer Schottland-Expedition unter seiner Führung. Am 20. Juni 1975 versenkten Dr. Rines und sein Team bei dem ehemaligen Schloß Urquhart im See, zwei Unterwasserkameras. In einer Tiefe von 33 und 66 Metern wurden mit Hilfe von ungemein starken Stroboskoplampen in Abständen von 75 Sekunden 2000 Bilder aufgenommen. Die dabei entstandenen Photos schienen eine rötlichbraunes Tier mit einem dickleibigen Rumpf von etwa vier Meter Länge zu zeigen. Der Kopf des Geschöpfs sah mit seinem aufgerissenen Rachen und seinen zwei röhrenartigen Hörnern ziemlich furchterregend aus. Das überzeugte viele bisherige Skeptiker von Nessis Existenz. Es könnte da unten wahrscheinlich zwischen zwanzig und fünfzig Plesiosaurier geben, was ihr Überleben gesichert hätte. Die Theorie greift auch die Vermutung auf, das die Plesiosaurier vielleicht vom Meer abgeschnitten worden sind, als sich der See am Ende der Eiszeit gebildet hat.  Der See ist bis zu 330 Meter tief – tiefer als die Nordsee – und seine Weite und Abgeschiedenheit hat es vielleicht diesen Geschöpfen erlaubt als Überlebende eines anderen Jahrtausends u wachsen und zu gedeihen. Der ehemalige Fallschirmspringer Frank Searle behauptet Nessie vierundzwanzigmal gesehen zu haben. Er schätzt, daß es eine ganze Kolonie von mindestens zwanzig Stück gibt. Er sagt: Sie sind von massiger Statur, drei bis vier Meter lang, und haben einen schafsähnlichen Kopf und einen über zwei Meter langen Hals. Ihre Flossen ähneln Schaufeln. Am 28. Mai 2007 sichtete Gordon Holmes aus dem englischen Yorkshire das Ungeheuer von Loch Ness erneut. Auf einem von ihm gedrehten Video ist ein etwa zehn Kilometer pro Stunde schnelles und circa 15 Meter langes, aalähnliches Objekt zu sehen, was wiederum die Plesiosaurier-Theorie stützt.  Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass diese Reptilien 3 bis 15 Meter lang werden können. Durch den langen Hals und Schwanz können Plesiosaurier auch als aalähnlich beschrieben werden. Eine im Juli 2003 mithilfe von Sonartechnik ausgeführte ausführliche Untersuchung von Loch Ness, ergab jedoch keine Spur eines „Seemonsters“. Die Untersuchung schließt damit, dass Nessie nicht existiert. Seit 1934 gibt es im Vereinigten Königreich aber für den Fall, dass das Ungeheuer von Loch Ness tatsächlich doch existiert, ein Gesetz, das das Monster unter Naturschutz stellt.

Eine im Jahr 2019 durchgeführte e-DNA Analyse erbrachte keine Hinweise auf ein vorsintflutliches Monster im Loch Ness. Das e in e-DNA steht für environmental, also Umwelt-DNA. Jedes Lebewesen gibt DNA ab, etwa über Haare, Flüssigkeiten, Haut, Schuppen oder scheidet sie aus. Umwelt-DNA wird dazu verwendet, um ein aktuelles oder früheres Vorhandensein von bestimmten Arten an bestimmten Orten nachzuweisen. Forscher können diese DNA aus den Umweltproben isolieren und damit auf die vorhandenen Organismen schließen. Ein häufiges Problem bei der Bestimmung von Arten mittels Umwelt-DNA ist aber, das in der Regel Vorliegen von DNA vieler verschiedener Arten und die damit bestehende potenzielle Möglichkeit der Kontamination der Proben. Was letztlich zu falsch-positiven Ergebnissen führen kann. Der neuseeländische Forscher Neil Gemmell hatte in allen Tiefen (200, Meter, 100 Meter, 50 Meter, Oberfläche) über 250 Proben genommen und analysiert, um herauszufinden, welche Lebewesen im Loch Ness vorhanden sind. Er konnte ca. 3.000 verschiedene Arten identifizieren. Ein Reptil aus der Urzeit war nicht darunter. Er ist sich sicher: Es gibt garantiert kein gigantisch großes, reptilienartiges Monster im Loch Ness. Denkbar sei aber, dass es sich bei den Sichtungen um einen großen Stör, oder Wels oder einen extrem großen Aal handelt. Aal-DNA war z. B. in fast allen Proben vorhanden. Das Ungeheuer im Loch Ness ist also entweder ein Mythos, oder mittlerweile gestorben. Die letzten Sichtungen erfolgten im April 2014. Zwei Männer seien unabhängig voneinander beim Kartendienst von Apple auf verdächtige Satellitenbilder gestoßen, die angeblich Nessie zeigen. Eine weitere Sichtung erfolgte 2019. Der Tourist Steve Challice aus dem englischen Southampton knipste im September 2019 ein Foto vom Loch Ness, das angeblich ein merkwürdiges Meereslebewesen zeigt. Eigentlich wollte er die am Loch Ness gelegene Burgruine Urquhart Castle fotografieren. Als er den Fokus seiner Kamera auf das gegenüberliegende Ufer richtete, sah er, wie sich das Wasser im See direkt vor ihm seltsam kräuselte. In der Annahme, es sei ein großer Fisch schoss er einige Fotos. Er erzählte später: „Ich habe ein paar Schnappschüsse gemacht und dann kam dieser riesige Fisch an die Oberfläche und ging wieder unter“. Challice schätzt, dass er ungefähr 2,5 Meter lang war. Der britische Journalist Roland Watson, der den Blog „lochnessmystery“ betreibt, sagt: Wenn dies ein echtes Bild von einem Ungeheuer in Loch Ness ist, würde es von der Größe des gesichteten Objekts her leicht unter den ersten drei größten jemals gesichteten rangieren. Ein endgültiger Beweis für die Existenz von Nessie konnte bis heute nicht erbracht werden.

In der Gegend um Loch Ness gibt es auch  immer wieder Berichte über UFOsBis Oktober 2025 wurden bereits vier persönliche Sichtungen am See offiziell registriert, was die Zahl aus dem Vorjahr bereits übertrifft.