Verteidigungsstrategien
In der Evolution sind diverse Strategien gegen die Abwehr von Feinden entstanden. Die Evolution ist hierbei manchmal äußerst erfinderisch. Tiere schützen sich vor Fressfeinden durch verschiedene Abwehrmechanismen wie Tarnung, Flucht, Warnfärbung, Mimikry, Schrecktracht oder Absonderung chemischer Substanzen. Manche Insekten, Frösche, Schlangen, Tintenfische und Nacktschnecken machen sich sogar die Kampfstoffe anderer Organismen zu eigen, etwa indem sie Pflanzengifte in ihre Haut einlagern oder geraubte Nesselkapseln einsetzen. Eine besondere Verteidigungsstrategie ist die Thanatose, darunter versteht man in der Biologie das Sichtotstellen von Tieren (Tod-Reflex), um Fressfeinden zu entgehen. Das Tier verfällt in eine reflexartige Schreckstarre (auch tonische Immobilität genannt), bei der alle willkürlichen Bewegungen eingestellt werden. Diese Taktik funktioniert gut, da viele Raubtiere primär auf Bewegungsreize reagieren oder meiden Aas. Die völlige Reglosigkeit unterbricht das Jagdmuster des Angreifers und bietet eine Chance zur Flucht, sobald dieser das Interesse verliert. Einige Arten perfektionieren die Tarnung, indem sie die Zunge heraushängen lassen, Speichelfluss erzeugen oder übelriechende Sekrete ausstoßen, die Verwesung imitieren. Das Opossum z. B. verfällt bei extremer Gefahr in einen ohnmachtsähnlichen Zustand. Die Ringelnatter dreht sich auf den Rücken, lässt das Maul offen stehen und sondert ein stinkendes Drüsensekret ab. dreht sich auf den Rücken, lässt das Maul offen stehen und sondert ein stinkendes Drüsensekret ab. Der Tod-Reflex wird von der Natur für sehr unterschiedliche Zwecke genutzt. Die Männchen der Raubfliege überreicht dem Weibchen ein Brautgeschenk (ein eingezwicktes Insekt). Ist das Weibchen aggressiv oder droht es, das Männchen zu fressen, stellt dieses sich tot. Sobald das Weibchen mit dem Fressen des Geschenks beginnt, „erwacht“ das Männchen und nutzt die Ablenkung zur Paarung. Bei einigen Libellenarten stellen sich die Weibchen im Flug tot und lassen sich zu Boden fallen, um aufdringliche Männchen abzuwehren, wenn sie bereits befruchtet sind. Beim Menschen spricht man in extremen traumatischen Situationen auch von der sogenannten „Totstellreflex-Starre“. Das Gehirn schaltet auf maximale Schmerzunterdrückung und körperliche Reglosigkeit um, wenn weder Flucht noch Kampf möglich scheinen. Das Gehirn registriert, dass Flucht und Kampf aussichtslos sind. Es sendet einen massiven Reiz über den Vagusnerv aus. Der Botenstoff Acetylcholin sorgt dafür, dass die Herzfrequenz schlagartig sinkt (Bradykardie) und die Muskeln entweder schlaff werden oder in eine starre Verkrampfung gehen. Normalerweise bereitet der Sympathikus (Adrenalin/Noradrenalin) den Körper bei Gefahr auf Kampf oder Flucht vor. Herzschlag und Blutdruck steigen massiv an. Der Parasympathikus (Acetylcholin) ist für Ruhe und Verdauung zuständig. Bei der Thanatose wird er jedoch so extrem aktiviert, dass er das Adrenalin „überstimmt“.
Die Mähnenratte ist ein afrikanisches Nagetier. Sie wird etwa 30 Zentimeter lang, hinzu kommen 18 Zentimeter Schwanz. Namengebend ist eine Mähne, die vom Scheitel über den Rücken bis zum vorderen Schwanzviertel verläuft. Sie lebt in felsigen Gebieten oder Wäldern in Äthiopien, Kenia und Somalia. Lange hielt man sie für Einzelgänger, doch neuere Forschungen, zeigen, dass sie oft monogam in Paaren leben.Wird die afrikanische Mähnenratte attackiert, stellt sie ihre Rückenmähne auf. Ignorieren Feinde aber diese Warnung, kann das böse enden. Denn die Mähnenratte kennt einen besonderen Abwehrtrick. Sie kaut die Rinde hochgiftiger Pflanzen (z. B. Pfeilspitzen-Schöngift –Acokanthera schimperi und möglicherweise auch Gomphocarpus physocarpus) und verteilt den toxischen Speichel in ihrem Rückenfell. Die dort befindlichen Haare besitzen einen doppelten Haarschaft, von denen der außenliegende Poren aufweist, welche den Speichel besonders gut aufnehmen. Sie selbst ist immun gegen das Gift. Ihre Angreifer nicht. Warum das Gift bei der Mähnenratte keine Wirkung zeigt, ist ein Rätsel der Evolution. Trotz ihrer Giftwehr ist die Mähnenratte ein friedlicher Pflanzenfresser, der Blätter, Früchte und Schösslinge frisst.
Krötenechsen leben in Wüstengebieten in Mexiko und im Südwesten der Vereinigten Staaten. Ihr Körper ist mit harten, spitzen Stacheln und Hörnern übersät. Diese dienen nicht nur dem Schutz, sondern auch der Tarnung, da sie die Körperumrisse auf sandigem Boden auflösen. Sie bevorzugen trockene Gebiete mit lockerem Boden, in den sie sich nachts oder bei Gefahr eingraben können. Die meisten Arten sind hochspezialisierte Ameisenfresser. Sie besitzen ein klebriges Sekret in Mund und Rachen, das sie vor den Bissen und dem Gift der Ameisen schützt. Die Tiere sind Einzelgänger und begegnen sich in der Natur fast ausschließlich zur Paarung. Sie sind tagaktiv und verbringen die meiste Zeit mit der Suche nach oder dem Auflecken von Ameisen und anderen kleinen Beutetieren. Fühlt sich die Echse bedroht, kann sie aus ihren Augen Blut spritzen. Sie beschießt den Aggressor mit einem Blutstrahl aus den Augenhöhlen. Hierzu bringt die Echse Gefäße am Augenrand zum Platzen. Blut sammelt sich in einer Höhle unter dem Augenlid und kann mit Hilfe von Muskeln 1,5 Meter weit verspritzt werden. Diese Art der Verteidigung ist als Reflexbluten bekannt, funktioniert aber nur gegenüber Angreifern, die sich vom Geruch oder Geschmack des Blutes abschrecken lassen, z. B. Hunde. Sie wird nur im äußersten Notfall eingesetzt, da sich der Bluthaushalt um etwa ein Viertel reduziert.
Das Große Mausohr ist die größte heimische Fledermausart. Es ist eine nach europäischem und nationalem Recht streng geschützte Art und wird in der Roten Liste der BRD als „gefährdet“ eingestuft. Ein ausgewachsenes Exemplar hat eine Kopf-Rumpf-Länge zwischen 6,7 und 8,4 Zentimetern, eine Flügelspannweite zwischen 35 und 43 Zentimetern und ein Gewicht zwischen 20 und 40 Gramm. Zum Lebensraum des Großen Mausohres gehört vor allem offenes Gelände wie Wiesen, Felder und offenes Waldland, aber auch menschliche Siedlungen. Sommerquartiere liegen oft in Dachstühlen und Kirchtürmen, auch in Scheunen oder Brückenbauten oder Dachböden oder Widerlager von Brücken, sowie Vogel- oder Fledermauskästen oder Baumhöhlen. Bevorzugte Winterquartiere liegen in Höhlen, Stollen, Bunkeranlagen und frostfreien Kellern, wo die Temperaturen etwa zwischen 1° und 12 °C liegen und die Luftfeuchtigkeit zwischen 85 und 100 Prozent beträgt. Dort treffen die Tiere zwischen September und Oktober ein. Ihren Winterschlaf halten sie entweder einzeln oder eng in Gruppen aneinander gedrängt, wobei sie frei von der Decke oder an Wänden hängen. Die Weibchen bilden große Kolonien (Wochenstuben), die teils über 2.000 Tiere umfassen können, um gemeinsam ihren Nachwuchs aufzuziehen. Das große Mausohr nutzt zur Verteidigung akustische Mimikry. Sie ahmt die Geräusche giftiger Insekten nach. Sie summt dann wie eine Biene, Wespe oder Hornisse ein cleverer Trick, um Eulen und andere nächtliche Jäger abzuschrecken. Im Gegensatz zu vielen anderen Arten jagt das Mausohr oft „zu Fuß“. Es landet auf dem Boden, um große Insekten wie Laufkäfer zu erbeuten.
Die Tannenzapfenechse ist im Süden und Westen Australiens beheimatet. Ihren Namen verdankt sie den großen, rauen und stark gekielten Schuppen, die an einen Tannenzapfen erinnern. Sie besitzt einen kurzen, dicken Schwanz, der als Fettspeicher dient und dem Kopf so ähnlich sieht, dass er Fressfeinde verwirren kann („Zweikopf-Echse“). Die Echsen werden 35 bis 40 cm lang. Die Tiere sind tagaktiv und eher träge. Die Tiere ernähren sich hauptsächlich von Pflanzen und Früchten, jedoch auch von Schnecken, Insekten und Würmern und gelegentlich von Aas. Sie sind lebendgebärend (vivipar). Ein Weibchen bringt meist nur ein bis zwei sehr große Jungtiere zur Welt, die bereits etwa ein Drittel des mütterlichen Körpergewichts wiegen können. Bei einem Angriff drohen Tannenzapfechsen mit aufgerissenem Maul und herausgestreckter Zunge, die breit und auffallend blau ist. Doch die Echsen haben noch eine weitaus raffiniertere Abwehrstategie. Kopf und Schwanz des australischen Kriechtiers sehen fast gleich aus – eine clevere Ablenkung von Fressfeinden. Diese zielen meist auf den Kopf, um ihre Beute kampfunfähig zu machen. Einen Schwanz zu haben, der wie der Kopf aussieht, kann einen Angreifer ziemlich verwirren. Eine biologisches Rätsel ist ihre Monogamie. Paare bleiben oft über 20 Jahre zusammen und finden sich jedes Jahr zur Paarungszeit wieder.
Der Truthahngeier ist der am weitesten verbreitete Neuweltgeier und besiedelt fast den gesamten Doppelkontinent Amerika – von Südkanada bis zur Südspitze Südamerikas. Diese fast vollständig schwarz gefiederten Geier haben lange, breite Flügel, einen langen gerundeten Schwanz, im Flug weit gespreizte Handschwingen und einen kleinen, unbefiederten roten Kopf. Die Vögel erreichen eine Körpergröße von 63,5 bis 76 Zentimeter und werden etwa 850 bis 2000 Gramm schwer. Ihre Flügellänge beträgt 46 bis 55 Zentimeter und die Flügelspannweite 1,80 bis 2 Meter. Im Flug hält er die Flügel in einer charakteristischen V-Form und schaukelt oft instabil von Seite zu Seite, um kleinste Aufwinde zu nutzen. Truthahngeier suchen einzeln oder in kleinen Gruppen nach Kadavern. Aas spüren sie mit ihrem gut entwickelten Geruchssinn auf. Kadaver, die mehrere Tage alt sind, werden ignoriert, wahrscheinlich um die Aufnahme von Leichengiften zu vermeiden. Ein Nest wird nicht gebaut, sondern die Eier (inder Regel zwei) werden direkt auf den Boden in Höhlen, auf Klippenvorsprünge oder zwischen Felsen gelegt und anschließend 38 bis 41 Tage bebrütet. Die Tiere sind gesellig und verbringen die Nacht oft in großen Schlafplatzgemeinschaften. Zur Abkühlung oder Desinfektion nutzen sie die Urohidrose, bei der sie auf ihre eigenen Beine defäkieren. Sie erbrechen zu Verteidigungszwecken ätzende Magensäure. Trifft der säurehaltige Mageninhalt feindliche Räuber, kann das ganz schön brennen. Positiver Nebeneffekt: Der Geier verliert an Gewicht, sodass er leichter davonfliegen kann.
Die Bombardierkäfer werden 5 bis 15 Millimeter lang. Sie sind meist blau oder grün, selten sind sie auch schwarz gefärbt. Der große Kopf und der Halsschild sind meist rot. Das wichtigste Merkmal dieser Käfer ist ihr Explosionsapparat am Hinterleibsende, aus dem bei Gefahr dem Angreifer reizende und übelriechende Gase aus zwei Röhren direkt entgegen geblasen werden. Dabei ist ein deutlicher Explosionsknall zu vernehmen. Wurde er z. B. von einem Frosch verschluckt, setzt er die Chemiekeule im Inneren des Magens seines Gegners frei. Das treibt seinen Fressfeind dazu, den Krabbler wieder hochzuwürgen. Der paarige Explosionsapparat am Hinterleibsende des Käfers besteht aus einer Drüse, die Sekret produziert, einer Sammelblase und einer Explosionskammer. Der Sprengstoff wird unmittelbar vor dem Hinausblasen durch Mischen zweier sehr reaktiver Chemikalien (Hydrochinon und Wasserstoffperoxid) hergestellt. Das Wasserstoffperoxid zerfällt blitzartig in Wasser und Sauerstoff. Der freigesetzte Sauerstoff oxidiert das Hydrochinon zu p-Chinon. Die enorme Hitze bringt das in derReaktion ebenfalls entstandene Wasser Wasser zum Sieden. Der entstehende Druck katapultiert das ätzende Chinon-Gemisch mit etwa 10 m/s (36 km/h) aus dem Körper. Obwohl der Käfer für Menschen nicht gefährlich ist, können die Spritzer Hautreizungen verursachen.
Streifenskunks sind in Nord- und Mittelamerika beheimatet. Die Tiere erreichen eine Kopfrumpflänge von 28 bis 38 Zentimeter, der buschige Schwanz wird bis zu 25 Zentimeter lang. Streifenskunks leben überwiegend einzelgängerisch und gehen allein auf Nahrungssuche. Ihr Speiseplan besteht aus Insekten (Lieblingsspeise), kleine Säugetiere, Eier, Früchte, Beeren und gelegentlich Aas. ie bewohnen offene Wälder, Grasland und sind als Kulturfolger auch oft in Vorstädten oder Parks zu finden. In den nördlichen Regionen ihres Verbreitungsgebietes halten sie Winterruhe und ziehen sich für mehrere Wochen in einen Bau zurück. Bei der Winterruhe schlafen die Tiere, aber nicht so fest wie die Winterschläfer. Ihre Verteidigungsstrategie ist ebenso legendär wie gefürchtet: Bei Gefahr spritzen Skunks ihren Angreifern eine übelriechende Flüssigkeit entgegen. Dabei handelt es sich um ein Analdrüsensekret, das an einen Mix aus Knoblauch, Schwefel, verbranntem Gummi und faulen Eiern erinnert. Gerät die Flüssigkeit in die Augen, kann der Angegriffene sogar kurzzeitig erblinden. Bevor sie sprühen, stampfen sie mit den Vorderpfoten, fauchen oder machen einen Handstand (besonders bei verwandten Fleckenskunks üblich). Sie können die übelriechende Flüssigkeit aus ihren Analdrüsen bis zu 3–4 Meter weit treffgenau verspritzen.
Die Waldschnepfe ist etwa haustaubengroß. Das Gefieder ist braun, schwarz und weiß gemustert. Auffällig sind der sehr lange, gerade Schnabel (6-8 cm) und die großen, weit oben am Kopf sitzenden Augen, die dem Vogel ein nahezu 360-Grad-Rundumsichtfeld ermöglichen. Männchen und Weibchen sind optisch kaum zu unterscheiden.Sie lebt in feuchten Laub- und Mischwäldern in fast ganz Europa. Im Herbst und Winter (September bis November) ziehen die meisten Waldschnepfen in den Mittelmeerraum oder nach Westeuropa an die Atlantikküste. Waldschnepfen bevorzugen strukturreiche, feuchte Laub- und Mischwälder mit weichem, humusreichem Boden, in dem sie nach Nahrung stochern können. Sie ernähren sich von Würmer, Spinnen sowie Insekten und deren Larven. In der Dunkelheit stochert die Waldschnepfe mit ihrem langen Schnabel im Boden und schnappt sich Regenwürmer. Im Winter ernährt sie sich auch von Beeren, Früchten und anderen Pflanzenteilen (z. B. Fichtennadeln). Das Weibchen der heimischen Waldschnepfe brütet auf dem Boden. Die Brutzeit erstreckt sich von März bis Juli. Die Weibchen brüten und ziehen die Jungen allein auf. Das Nest ist eine einfache, gut getarnte Mulde am Waldboden, ausgekleidet mit Laub und Moos. Das Gelege besteht meist aus vier Eiern, die etwa 20 bis 22 Tage bebrütet werden. Die Küken sind Nestflüchter und werden vom Weibchen mit Futter versorgt. Oft sitzt das Weibchen stundenlang regungslos auf seinem Gelege. Nähern sich Feinde, flattert es aufgeregt in der Luft, um Angreifer abzulenken. Nützt all das nichts, klemmt sich die Schnepfenmutter ihre Küken kurzerhand zwischen die Beine und transportiert sie wie ein Hubschrauber an einen sicheren Ort.
Kugelgürteltiere leben in trockenen sowie offenen bis baumbestandenen Landschaften in Südamerika etwa in Brasilien, Bolivien, Paraguay und dem nördlichen Argentinien. Sie ernähren sich hauptsächlich von Insekten und teils von pflanzlichen Material. Die Tiere erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von 21 bis 31 cm, der kurze, kräftige und eher dreieckig geformte Schwanz wird 5 bis 8 cm lang. Das Gewicht liegt bei 1 bis 2 kg. Der markante Rückenpanzer ist sehr hart und hoch sowie deutlich gerundet. Sie sind im Unterschied zu anderen Gürteltierarten, schlechte Gräber, legen aber manchmal auch eigene Baue an. Darüber hinaus verwenden sie verlassene Unterschlupfe anderer Tiere oder ziehen sich zum Schlafen in dichte Vegetation zurück. Bei Bedrohung flüchten Kugelgürteltiere meistens oder rollen sich komplett zu einer Kugel zusammen, wozu nur Vertreter dieser Gattung befähigt sind. Dazu verbergen sie die Beine im Inneren und die harte Oberseite des Kopfs und des Schwanzes bilden den Verschluss. Anfänglich bleibt noch ein kleiner Spalt offen, erst bei Berührung schnappt die Kugel zu. In dieser Position kann es von Fressfeinden kaum erbeutet werden.